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07.04.2000 - 

Künftig werden Produkte der Nortel-Tochter empfohlen

Clarify soll CRM-Lücken von SAP schließen

MÜNCHEN (CW) - Mit einer neuen Allianz will SAP verlorenen Boden im Front-Office-Sektor gutmachen. Programme von Clarify sollen helfen, die Lücke zum Marktführer Siebel Systems zu schließen.

"ERP ist inzwischen ein Tabuwort in Walldorf", predigte unlängst SAPs niederländischer Marketing-Direktor Henny Hurkens. Der Konzern habe sich zu einem Business-Service-Provider gewandelt, da spiele betriebswirtschaftliche Standardsoftware keine zentrale Rolle mehr. Dies gilt künftig anscheinend auch für den Bereich Customer-Relationship-Management (CRM), denn SAP wird Berichten zufolge ab Mai Tools der Nortel-Tochter Clarify in das Portfolio aufnehmen.

Ein Grund für die strategische Kehrtwende ist, dass sich die SAP-eigenen CRM-Lösungen schlechter als erwartet verkaufen. Rund 150 Lizenzen hat das Unternehmen erst an den Anwender gebracht, räumte Vorstandssprecher Hasso Plattner bei einem Analystentreffen ein. Die Schwesterprodukte aus SAPs "New-Dimensions"-Serie, das Business Warehouse sowie Tools für das Prozessketten-Management, liefen hingegen erfolgreicher.

"Die Entscheidung lässt vermuten, dass es mit den Walldorfer CRM-Produkten nicht so weit her ist", kommentiert die Meta-Group-Analystin Susanne Schwede. Wieso sonst sollte sich die SAP einen Konkurrenten ins eigene Haus holen? Ein ehemaliger Vertriebsmitarbeiter von Clarify spricht sogar von einer "Bankrotterklärung" der Walldorfer im CRM-Sektor: "Die Wettbewerber, allen voran Siebel, sind ihnen inzwischen einfach davongefahren."

"Kein Kommentar", hieß es lediglich zu den Plänen in Walldorf. Dabei hatte zuvor der Informationsdienst "vwd" gemeldet, dass ein SAP-Sprecher die Vertriebsallianz bestätigt habe.

Da auch die deutsche Niederlassung von Clarify keine Auskünfte geben durfte, lässt sich vorerst nur spekulieren, wie die Integration und der Vertrieb der Programme geregelt werden. Darüber hinaus ist es fraglich, ob SAP die gesamte Front-Office-Palette von Clarify anbieten oder lediglich sein Sortiment mit CRM-Komponenten abrunden wird.

Dass auch die Anwender Berührungsängste mit den SAP-Lösungen aus dem CRM-Bereich haben, zeigte im Februar eine Studie der Unternehmensberatung Mummert + Partner. Lediglich 27 Prozent der SAP-Nutzer planen denmach, ihre Kundenverwaltung und -ansprache den Tools des deutschen Softwarehauses anzuvertrauen. Ein Großteil sprach sich hingegen dafür aus, Konkurrenzprogramme - beispielsweise von Siebel, Peoplesoft/Vantive, CAS und Nortel/Clarify - zu kaufen. Eine herbe Schlappe für Plattner, denn die SAP-Strategie sah ursprünglich vor, mit eigenen Programmen den Spezialanbietern in ihrem Revier Konkurrenz zu machen. Die Gründe für das Desinteresse der SAP-Kunden lagen einerseits in den hohen Kosten der CRM-Tools, andererseits erschienen sie den Nutzern noch nicht ausgereift.

Ähnlich vage wie die Walldorfer CRM-Strategie, so urteilten amerikanische Analysten nach der Konferenz mit Plattner, sei das ganze Vorgehen im E-Business, das bei den Walldorfern im Zeichen von "Mysap.com" steht. Prompt brach der Aktienkurs des Unternehmens in den USA um rund 20 Prozent ein. Kompromisslos titelte die "Börsen-Zeitung": "Dampfwalze Nasdaq plättet SAP". Auch in Deutschland gab der Kurs der Walldorfer in der letzten März- und zu Beginn der ersten Aprilwoche kräftig nach, nachdem Plattner durchblicken ließ, dass die Gewinne des Konzerns im ersten Quartal bescheidener als erwartet ausfallen würden.