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03.03.1995

Client-Server-Anwendungen/Die Verwaltung der dezentralen Systeme muss zentral erfolgen

Rechenzentren bilden heute keine physische, sondern nur noch eine logische Einheit. Die Kontrolle erfolgt zwar weiterhin zentral, die DV-Infrastrukturen sind aber ueber das gesamte Unternehmen und dessen Grenzen hinweg verteilt. Der Einsatz Client-Server-faehiger Systemsoftware schafft die Basis fuer einen hohen Automationsgrad und erleichtert den Administratoren die Verwaltung heterogener Netze.

Von Matthias Seeger*

Bei der Planung einer Client-Server-Strategie steht fuer DV-Manager die Sicherung der ueber Jahre hinweg getaetigten Investitionen in Applikationen an oberster Stelle. Laesst sich der Migrationsprozess mit einem vertretbaren Aufwand durchfuehren, stellt sich als naechstes die Frage, ob sich die Arbeitsablaeufe im heterogenen Netz ebenso effizient verwalten und steuern lassen wie in einer Mainframe-Umgebung. Rightsizing-Projekte wurden in vielen Unternehmen wegen fehlender Client-Server-faehiger Loesungen fuer das System-Management lange Zeit vertagt.

Effiziente Systemverwaltung bildet die Grundlage fuer das Portieren unternehmenskritischer Anwendungen in offene Umgebungen. Systemverwalter haben in der neuen DV-Welt aehnliche Aufgaben zu loesen wie ihre Kollegen aus dem Mainframe-Bereich. Allerdings koennen DV-Mitarbeiter aus dem PC-Workstation-Umfeld im Gegensatz zu ihren Grossrechnerkollegen haeufig nicht auf Erfahrungen mit der Optimierung des Systemdurchsatzes, der Reportverteilung oder der Reaktion auf Stoerungsmeldungen verweisen. Die Herausforderung liegt darin, auch in der Client-Server-Umgebung ein mit der Mainframe-Welt vergleichbares Mass an Integritaet, Qualitaet und Zuverlaessigkeit der DV-Ablaeufe sicherzustellen.

Die Verwaltung von Client-Server-Umgebungen sollte ueber einen zentralen Kontrollpunkt erfolgen. Der Einsatz integrierter Loesungen bietet eine hohe Effizienz beim System-Management.

Eine gute Menuefuehrung erhoeht die Akzeptanz

Benutzeroberflaechen liefern eine einheitliche Sicht und eine durchgaengige Menuefuehrung in allen Modulen und auf saemtlichen Plattformen. Von jedem Bildschirmarbeitsplatz koennen die im Netz vorhandenen Mainframes, Abteilungsrechner, Workstations und PCs verwaltet werden.

Auch das Navigieren zwischen den verschiedenen Rechnerplattformen wird durch Benutzeroberflaechen erleichtert. Der Schulungsaufwand reduziert sich, und die Anwender koennen ihre Produktkenntnisse beim Wechsel auf eine andere Hardware- und Betriebssystem- Plattform weiter nutzen.

Der Schwerpunkt der Systemprogramme liegt auf der Kommunikation mit den und der Kontrolle ueber die verschiedenen Betriebssysteme. Mehrere Module muessen eng miteinander verzahnt sein, da das Management von Client-Server-Umgebungen nicht mit Einzelloesungen erreichbar ist, die nur auf die Bearbeitung einer bestimmten Funktion ausgerichtet sind oder ausschliesslich mit einem Betriebssystem interagieren. Solche Loesungen erfuellen nicht die Forderung nach einem "Single-point of control". Das Ziel sind eine weitgehende Automatisierung der Routine-Jobs und eine Entlastung der DV-Verantwortlichen bei der Ueberwachung des Systemverbunds.

Zu den Aufgabengebieten des System-Managements gehoeren unter anderem Planung, Ausfuehrung und Protokollierung der Produktionsablaeufe, die Zuweisung von Prioritaeten anhand benutzerdefinierter Kriterien und die Bereitstellung der erforderlichen Ressourcen. Beim Eintritt vordefinierter Ereignisse werden Batch-Jobs oder Anwendungen auf vernetzten Rechnerknoten unter verschiedenen Betriebssystemen automatisch ausgefuehrt.

Zu den weiteren Aufgaben zaehlen beispielsweise die Definition und Pflege von Jobs (CPU-Jobs, Betriebssystem-Jobs, 4GL-Programme etc.), Kalendern und Zeitplaenen, ein rechneruebergreifendes Editieren der JCL (Job Control Language) sowie die Dokumentation des gesamten Produktionsprozesses. Systemadministratoren koennen den Verarbeitungsablauf am Bildschirm mitverfolgen und wenn noetig eingreifen.

Anhand aktueller Systemgegebenheiten (Plattenplatz, Inhalt von Warteschlangen, Vorhandensein von Dateien etc.) wird die JCL dynamisch aufgebaut und an tagesaktuelle Erfordernisse angepasst.

Workflow-Computing beschreibt die Bearbeitung von betrieblichen Arbeitsablaeufen in Client-Server-Umgebungen. In diesem Sinne arbeiten Programme zur Produktionssteuerung (Scheduler) auch als Ablaufsteuerungssysteme. Die Systemablaeufe sind organisatorisch weitgehend vorgegeben, die einzelnen Arbeitsschritte inhaltlich ebenso definiert wie ihre zeitlichen Abhaengigkeiten. An den Arbeitsablaeufen, die entweder periodisch oder auf Anforderung der Clients initiiert werden, nehmen verschiedene Instanzen (Personen, Programme, Batchjobs etc.) teil.

Zu den Komponenten von Ablaufsteuerungssystemen zaehlen unter anderem Front-ends mit Desktop-Applikationen oder Buerokommunikationsprodukte, die als Benutzerumgebung der Clients fungieren und die formularbasierte Vorgangsbearbeitung unterstuetzen. Weitere Komponenten bilden Steuerprogramme fuer die Hintergrundverarbeitung. Sie initiieren Prozesse (Programme, Jobs, manuelle Taetigkeiten) zeit- oder ereignisgesteuert, ueberwachen ihre Verarbeitung, kontrollieren die Ergebnisse und reagieren auf diese zum Beispiel durch Versenden von Stoermeldungen. Die Verbindung zwischen Front-end- und Workflow-Software oder anderen Servern im Netz uebernehmen Kommunikationsprogramme (Middleware). Sie transportieren beispielsweise Client-Requests zu dedizierten Servern.

Reportprogramme liefern Datenmaterial fuer die Planung

zukuenftiger Produktionszyklen. Ueber Verteilerlisten lassen sich Berichte an die jeweiligen Adressaten zustellen und ueber die Systemdrucker ausgeben. Die Verbreitung dezentraler Drucker in den Fachabteilungen der Unternehmen verstaerkt die Notwendigkeit eines wirkungsvollen Output-Managements. Da Druckdaten zum ueberwiegenden Teil aus Host-basierten Applikationen stammen, besteht Bedarf an einer dezentralen, anwendergerechten Aufbereitung der Druckdaten. Dies kann programmunterstuetzt zu Tageszeiten erfolgen, in denen die Drucker nicht im Online-Betrieb benoetigt werden und die Leitungskosten niedrig sind.

Logische Konsolen steuern das C/S-Netz

Ein Client-Server-Netz ist online ueber logische Konsolen steuerbar. Beim Zugriff auf die verschiedenen Plattformen ist sowohl passives Lesen von Systemdaten und -ereignissen als auch aktives Schreiben und Steuern moeglich. Wichtige Systeminformationen werden automatisch von unwichtigen Meldungen getrennt. Relevante Details sind durch Zuordnung von Ampelfarben und Prioritaetsstufen am Bildschirm auf einen Blick ersichtlich.

Jede logische Konsole laesst sich den entsprechenden Mitarbeitern zuordnen. So erhaelt zum Beispiel nur der Datenbankadministrator Systeminformationen aus dem Datenbankbetrieb. Auf Basis individueller Regeln lassen sich verschluesselte Systemmeldungen uebersetzen oder Konsolenkommandos absetzen. Der Start von Programmen oder Job-Netzwerken ist von jedem Rechnerknoten aus moeglich.

Vernetzung birgt ein Sicherheitsrisiko

Die zunehmende Vernetzung heterogener Hardware sowie der Einsatz inkompatibler Betriebssysteme, Datenbestaende und Applikationen erschweren die Systemintegritaet sowie den Schutz von Daten und Ressourcen vor Verlust, Beschaedigung oder Missbrauch. Die Sicherheit haengt zum grossen Teil von den individuellen Erfordernissen der einzelnen DV-Systeme und ihren Anwendungen ab. Daher sorgt Systemsoftware auch fuer plattform- und netzuebergreifende Zugriffskontrollen. Nur so wird ein wirkungsvoller Schutz des gesamten DV-Netzes einschliesslich Identifizierung und Registrierung von Benutzern beim Zugriff auf die verschiedenen Ressourcen gewaehrleistet.

Ein System-Server bildet die gemeinsame Basis der verschiedenen Softwarewerkzeuge und liefert die Schnittstellen zu den darueberliegenden Umgebungen. Er bietet logische Sichten (Views) auf Betriebssystem-Daten und -Services. Die verschiedenen Anwendungen koennen diese Sichten nutzen. Anwender koennen ohne Programmiererfahrung oder Kenntnis komplexer physischer Strukturen von Kontrollbloecken mit ihren Systemprogrammen auf Betriebssystem-Informationen zugreifen und die selektierten Daten zur Auswertung uebernehmen. Solche Loesungen sind einfach zu warten und muessen bei Modifikation der Betriebs- und Subsysteme, auf denen sie basieren, nicht geaendert werden. Die Kosten fuer die Pflege der Systemumgebungen eines Unternehmens sinken dadurch spuerbar.

Systemdaten wie Benutzerprofile, Definitionen der Job-Netzwerke, E/A-Bedingungen, Ressourcendefinitionen oder Zeitplaene werden in einer gemeinsamen Datenbank verwaltet. Dies bringt den Vorteil der Benutzersynchronisation. Eine Arbeitslastverteilung auf die verschiedenen Systeme ist nur moeglich, wenn jede Loesung ueber Komponenten zur Planung und Ressourcennutzung verfuegt, die mit allen anderen Plattformen kommunizieren.

Batch-Jobs, Betriebssystem-Tasks und Anwendungsprogramme auf unterschiedlichen Rechnerknoten lassen sich zu bestimmten Zeitpunkten oder Ereignissen aktivieren und kontrollieren. Der Zugriff auf die Informationen erfolgt auf logischem Niveau, so dass Benutzer keine plattformspezifischen Details kennen muessen. Zugriffsberechtigungen und Services werden mit individuellen Benutzerprofilen definiert und in vorhandene Sicherheitsstrukturen integriert.

Middleware hat Schnittstellenfunktion

Eng verbunden mit der Umstellung zentralisierter Datenverarbeitung auf offene Systeme und Client-Server-Architekturen ist der Einsatz von Middleware. Sie bildet die vermittelnde Schicht zwischen Betriebssystemen, Netzsoftware und Anwendungen. Middleware stellt Zugriffsmechanismen bereit, auf die die darunterliegende Systemsoftware zugreift. Sie entkoppelt die Programme von Betriebssystemen und physikalischen Ebenen.

In heterogenen Netztopologien liefert sie Servicefunktionalitaet und uebernimmt die Kommunikation. Der Anwender kann bei Bedarf auch Systemloesungen von Drittanbietern integrieren. Unterschiedliche Rechnersysteme, Peripheriegeraete und Anwendungen arbeiten transparent zusammen.

Der Einsatz von Middleware befreit die Systemverantwortlichen von der Pflicht, sich mit Protokollen und Datenformaten in den Programmen auseinanderzusetzen. Die Kommunikationsschicht stellt auch die notwendigen Sicherheitsdienste zur Verfuegung. Beispielsweise ist Software zur Produktionsplanung oder Reportverteilung nur dazu in der Lage, Stoerfalldateien automatisch zu oeffnen und zu aktualisieren, wenn alle Plattformen beziehungsweise die darauf laufenden Anwendungen ueber kompatible Schnittstellen miteinander kommunizieren.

Heterogene, dreistufige Systemlandschaften aus Mainframes, Abteilungsrechnern und Workstations oder PCs mit verteilten Datenbestaenden werden sich weiter durchsetzen. Die einzelnen Funktionen orientieren sich immer staerker am Endanwender. Client- Serverfaehige Systemsoftware erschliesst sowohl RZ-Mitarbeitern als auch Endanwendern in den Fachabteilungen den Zugriff auf Informationen aus heterogenen DV-Umgebungen. Probleme innerhalb des Rechnerverbunds werden fruehzeitig erkannt und vordefinierte Gegenmassnahmen ohne Zeitverlust automatisch eingeleitet. Hoehere Systemverfuegbarkeit und Produktivitaetsverbesserungen sind die Folge.

Systemprogramme unterliegen den gleichen Client-Server-Prinzipien wie Applikationen. Es geht um die Verwendung einheitlicher Bausteine mit modularisierten, gekapselten Funktionen, die sich netzwerkweit ueber definierte Schnittstellen aufrufen lassen. Durch Subtasking koennen Verarbeitungsprozesse parallelisiert und Multiprozessor-Architekturen zur Performance- Verbesserung ausgenutzt werden.

"Intelligente" Middleware bildet die Integrationsschicht und stellt die Verbindung zwischen den Modulen beziehungsweise den Servern und Clients her, auf denen die Programme laufen. Klassische Operatoraufgaben, wie wir sie aus der Mainframe-Zeit her kennen, wird es in zukuenftigen Rechenzentren nicht mehr geben. Gefragt sind Administratoren, die den Einsatz der Systeme, Netze und Software-Tools ueberwachen und nur noch in Ausnahmefaellen korrigierend in die DV-Ablaeufe eingreifen.

* Matthias Seeger ist Produkt-Manager fuer RZ-Produkte bei der Darmstaedter Software AG.