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Gastkommentar

Client-Server-Einfuehrung: Abschied von der Planungsillusion

09.02.1996

Lars Damsgaard-Andersen, geschaeftsfuehrender Gesellschafter der Navision Software Deutschland GmbH, Hamburg

Nach Schaetzungen stehen bis zum Jahr 2000 rund 20000 meist mittelstaendische Unternehmen vor der Abloesung ihrer MDT-Anlagen durch Client-Server-Komplettloesungen. Die Gartner Group hat mit ihrer aktuellen Studie zum Verlauf von Client-Server-Projekten die Hand am Puls des Softwaremarktes (siehe CW Nr. 2 vom 12. Januar 1996, Seite 1). Doch die Ergebnisse sind wenig ermunternd: In der Befragung der Marktforscher gaben 55 Prozent der Unternehmen an, dass ihr Projekt laenger dauerte als vorgesehen und auch wesentlich mehr kostete. Ueber 60 Prozent aergerten sich ueber nicht vorhersehbare Komplikationen.

Weitgehende Einigkeit besteht darueber, dass eine moderne betriebswirtschaftliche Komplettloesung auf Client-Server-Basis die Produktivitaet und Qualitaet eines Unternehmens erheblich steigern kann, vorausgesetzt, alle in der DV abbildbaren Geschaeftsprozesse sind genau erfasst und integriert. Dabei geht es auf der einen Seite um die Abwicklung wiederkehrender Aufgaben wie Kalkulation, Auftragsbearbeitung, Bestellung etc., andererseits um die Bereitstellung strategisch wichtiger Management-Informationen zur Finanz-, Investitions-, Projekt- und Ressourcenplanung.

Strittig ist jedoch, wie man Client-Server-Projekte so abwikkeln kann, dass sie in dem vereinbarten Kosten- und Zeitrahmen bleiben. Die Dienstleister argumentieren haeufig, dass die Einfuehrung der Software nur dann wie geplant laufen kann, wenn sie sich mit den auftraggebenden Unternehmen vorab hundertprozentig ueber die abzubildenden Geschaeftsprozesse verstaendigen.

Dass diese Vorgabe wenig hilfreich ist, zeigt neben der Studie unsere Erfahrung in mittelstaendischen Unternehmen. Die Praxis lehrt, dass es den meisten Migrationswilligen auch mit der besten Unterstuetzung einfach nicht moeglich ist, gleich zu Anfang eines Projekts ihren Bedarf exakt und umfassend zu definieren. Dies betrifft insbesondere schlank organisierte Mittelstaendler, die ohne Organisations- oder Stabsabteilungen auskommen muessen. Unternehmen, Dienstleister und die Softwarehersteller sollten demzufolge mit der Tatsache leben, dass eine mehr oder weniger grosse Restmenge von Anforderungen am Projektbeginn noch nicht genau bekannt ist.

Es bringt nichts, mit ueberzogenen Anspruechen zu starten und dann den Schwarzen Peter zwischen den Beteiligten hin und her zu schieben. Die Illusion, die Einfuehrung einer unternehmensspezifischen Komplettloesung bis ins Detail vorab festlegen zu koennen, muss vielmehr durch einen Ansatz ersetzt werden, der die Dynamik der Projektentwicklung beruecksichtigt. Die Beschreibung der unternehmensspezifischen Anforderungen an die Softwareloesung bleibt natuerlich nach wie vor ein zentraler Faktor fuer eine reibungslose Einfuehrung. Hier sollten in einer strukturierten Vorgehensweise unter Einsatz grafischer Hilfsmittel in Zusammenarbeit mit dem Kunden die Geschaeftsprozesse beziehungsweise Softwarestrukturen erarbeitet, dargestellt und transparent gemacht werden.

Unserer Erfahrung nach ist es von entscheidender Bedeutung, dazu auf ein Werkzeug zurueckzugreifen, mit dem der Kunde genauso gut umgehen kann wie der Dienstleister, der die Client-Server-Installation einrichten soll. High-Tech-Tools, die nur einige wenige Mitglieder des Projektteams handhaben koennen, grenzen den Kunden aus.

Zu den Schwierigkeiten, den eigenen Bedarf vorab eindeutig zu definieren, kommen in jedem Projekt unvorhersehbare Ereignisse. Die Dynamik des Geschaeftsverlaufs bringt sie mit sich.

Kaufmaennische Komplettloesungen brauchen Softwareplattformen, mit denen sich ohne grossen Kosten- und Zeitaufwand Aenderungen im Projektablauf flexibel realisieren lassen und die den Status quo nicht zementieren. Moeglich wird dies unter anderem durch einen objektorientierten Aufbau, eine anwenderfreundliche Programmiersprache, die es dem Unternehmen erlaubt, Aenderungen selbst durchzufuehren, sowie eine schlanke, transparente Softwarekonzeption. Client-Server-Loesungen, die 300 Prozent des potentiellen Funktionsumfangs abdecken, um durch Auswahl aus vorhandenen Modulen eine 100-Prozent-Loesung bereitzustellen, sind wegen ihrer Komplexitaet erstens unflexibel und zweitens schwierig beherrschbar. Aenderungen benoetigen dann mehr Zeit als geplant, und es faellt schwer, aus einer Sackgasse wieder herauszukommen.

Es bleibt also zu hoffen, dass durch die Studie der Gartner Group in der Software-Entwicklung eine Diskussion in Gang kommt, die zu einem neuen Verstaendnis von Client-Server-Projekten fuehrt: weg von der Annahme einer sicheren Planungsbasis, hin zu einem konstruktiven Umgang mit den praxisnahen Unwaegbarkeiten der Implementierung.