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27.05.1994

Client-Server: Schon immer Frauensache

Client-Server-Computing ist das heute technisch moegliche und den organisatorischen Entwicklungen angemessene Konzept. Es sollte zunaechst als ein Verteilungskonzept von betrieblichen Funktionen und Daten verstanden werden, auf dem das Softwarekonzept aufbaut und dem das Hardwarekonzept folgt. Unternehmen, die hier den Anschluss verpassen, wird der Markt bestrafen.

Gerade fuer Fuehrungskraefte und die Fuehrungsformen hat dies oftmals dramatische Auswirkungen. Die "neue" Fuehrungskraft gibt keine Anweisungen im alten Stil mehr, sondern ueberzeugt, coacht, moderiert und organisiert. Dabei wird Kommunikationsfaehigkeit immer wichtiger, um mit Mitarbeitern Ideen, Visionen und Vorgehensweisen erarbeiten zu koennen oder um zu ueberzeugen.

Soziale Kompetenz wird mindestens ebenso wichtig wie fachliche Qualifikation. Die Manager werden zu Unternehmern, die Verwalter sind out. Kreativitaet fuer neue und schnelle Loesungen ist noetig, und strategisches Denken wird immer wichtiger. Ausserdem werden Fuehrungskraefte mehr und mehr bereit sein muessen, Kritik von unten zu ertragen; denn ihre Mitarbeiter sind gut ausgebildet und kompetent.

Fuehrungskraefte, die selbst alles besser wissen und koennen oder es zumindest von sich glauben und sich entsprechend verhalten, die ihre Mitarbeiter nur als Zuarbeiter einsetzen, werden immer weniger benoetigt. Out sind technikzentrierte, kommunikationsunfaehige Machos; denn mehr Markt- und Kundennaehe koennen sie nicht schaffen.

Statusbewusste Oldies werden es schwer haben, den Wandlungsprozess mitzugehen, wo gleichberechtigte Teammitglieder Aufgaben loesen. Wer Karriere ueber die Groesse des Dienstwagens, das tragbare Telefon und die Anzahl der "Untergebenen" definiert und nicht ueber interessante Fachaufgaben, der wird sich mit einiger Sicherheit eher morgen als uebermorgen voellig aussen vor finden. Der Feldherr wird nicht mehr gebraucht, der Gockel noch viel weniger.

In technischen Konzeptionen koennen die Rollen wechseln: mal Client, mal Server. Im Vergleich ergeben sich mehrere kleine selbstaendige Arbeitsgruppen im Unternehmen, die zusammenarbeiten. Es gibt nur Rollen, keinen Boss. Die Wechselwirkung zwischen der DV-technischen Entwicklung zu offenen Client-Server-Systemwelten und der Dezentralisierung mit flacheren Fuehrungsstrukturen ist offensichtlich.

Es muss messbar sein, welchen Beitrag ein DV-Projekt zur Erreichung der Unternehmensziele leistet und ob die Entwicklungskosten fuer die wichtigen Unternehmensprozesse eingesetzt werden. Beschleunigung der Entwicklungsvorhaben, Benutzerpartizipation und Qualitaetssteigerung sind Pluspunkte.

Das informationstechnische Know-how gilt zukuenftig als Voraussetzung. Entscheidend fuer den Berufserfolg der heutigen Studierenden aber ist betriebswirtschaftliches Grundwissen sowie die Einsicht, dass Projektarbeit, Teamorientierung und Arbeiten in Gruppen systematisch erlernt werden muessen und dass das organisationspsychologische Wissen ebenso bedeutsam ist wie das Wissen um die Arbeitsorganisation eines Betriebes. Informatiker, die mit diesen Themen heute nichts am Hut haben, kann nur empfohlen werden, hier schnell nachzulegen.

Als Erfolgsfaktoren fuer die zukuenftige Arbeitswelt ergibt sich damit eine Reihe von Eigenschaften zusaetzlich, die traditionell nicht den Maennern zugeschrieben werden.

Die linke Hirnhaelfte, mit deren Faehigkeit zum logischen, rationellen, sequentiellen Denken Maenner sowohl die Natur- und Ingenieurwissenschaften als auch Staat, Gesellschaft und Wirtschaft gepraegt haben, verliert ihre Dominanz. Die menschlichen Faehigkeiten der rechten Hirnhaelfte zur bildhaften, ganzheitlichen, vernetzten und kreativen Arbeit treten dagegen immer staerker in den Vordergrund. Das weibliche Prinzip ist im Vormarsch.

Es gibt genug wissenschaftliche Untersuchungen, die gerade in der Informatik die wesentlich staerkere Gebrauchswertorientierung der Frauen belegen. Die Kommunikationsschwaeche der maennlichen Technikfreaks in der Informatikszene gipfelt im Zerrbild des von seinem Computer besessenen Hackers.

Durchsetzungsvermoegen wird ohnehin in einem kooperativen Sinn neu definiert: Das (maennlich?) logische Denken der linken Gehirnhaelfte ist reine Uebungssache. Schule und Beruf schaffen hierfuer gute Konditionen. Weil Frauen das ganze Gehirn nutzen, haben sie in diesem Wandlungsprozess die besten Voraussetzungen.

Was ist mit den Maennern? Nun, die Faehigkeiten der rechten Hirnhaelfte sind recht schwer fuer Maenner zu erwerben, denn den Aermsten wird vieles davon systematisch abtrainiert.

Die Zukunft gehoert also den Frauen... und den Maennern, die durchsetzungsfaehig und sensibel sind, die sowohl streng logisch denken als auch kreativ arbeiten koennen, die kommunikationsstark und zielorientiert sind.