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24.06.1994

Client-Server: SNI hat Marketing-Lektion gelernt

Die Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI) hatte die internationale Konferenz ihrer Anwendervereine in Kopenhagen fest im Griff. Statt aufmuepfiger Kundenforderungen gab es Produktankuendigungen von Herstellerseite - SNI bot dazu die komplette Fuehrungsspitze auf. Die Produktneuheiten fanden das Interesse der Zuhoerer, verrieten sie doch einiges ueber die Unternehmensstrategie der Muenchner. Die Geschaeftseinheiten fuer BS2000 und Unix, so zeigte sich unter anderem, treten mehr und mehr in Konkurrenz zueinander. Ebenfalls neu: SNI verkauft Billig- PCs ueber Massenvertriebskanaele.

Bisher lag die Kompetenz fuer das "Enterprise Computing" erklaertermassen bei der BS2000-Divison der SNI. Auf der Konferenz des Anwender-Dachverbandes Focus meldete nun der Unternehmensbereich Unix- und Midrange-Systeme Ansprueche an. Vice- President Klaus Gewald konnte ohne Ruecksicht auf Mainframe- Verluste seine Vorstellungen eines "Unix Enterprise Computing" darlegen.

Der Manager erklaerte die im Herbst vergangenen Jahres angekuendigten Hochleistungs-Server-Modelle 520, 530 und 540 der RM600-Reihe fuer verfuegbar und positionierte die High-end-Systeme als direkte Grossrechnerkonkurrenz. Mehr als 1000 Benutzer koennten unterstuetzt werden, in entsprechender Ausbaustufe boeten die Systeme eine Transaktionsleistung von 1000 Transaktionen pro Sekunde (tps) sowie Diskkapazitaeten im Terabyte-Bereich. Wer einen besonders leistungsstarken Datenbank-Server benoetige, fuer den sei ein Cluster-Konzept das Richtige: SNI kombiniere vier RM600- Rechner miteinander, auf denen der Oracle 7 Parallel Server zum Einsatz komme.

Anwender, die eine Unix-Strategie vom Host bis zum Desktop verfolgen, erhalten im Low-end-Bereich ein neues Modell, den ebenfalls ab sofort lieferbaren RM200-Rechner. Das Einprozessorsystem, das weniger als 10 000 Mark kosten soll, steht ab September dieses Jahres unter Sinix und - fuer Siemens-Nixdorf eine Strategieaenderung - unter Windows NT zur Verfuegung. Auch die RM400-Maschinen sollen kuenftig zusaetzlich mit dem Microsoft- Betriebssystem angeboten werden.

Die Unix- und NT-Offensive Gewalds rief beim ueberwiegend BS2000- orientierten Publikum eher Verwunderung als Zustimmung hervor. "Man hat den Eindruck, Gewald will BS2000 totsagen", kommentierte Joachim Zeiler, Chef des deutschen SNI-Anwendervereins Save e.V.

Dass dies nicht in der Absicht von SNI liegt, sollte der Vortrag von Peter Jilek, Vice-President fuer die Systementwicklung im Mainframe-Bereich, deutlich machen. Demnach lebt BS2000, es wird nur neuerdings mit dem Client-Server-Etikett versehen. Vom "Business Server 2000" war die Rede, ebenso vom "BS2000-Client- PC". Vertriebschef Robert Hoogstraten stuetzte die Strategie, indem er ankuendigte: "Das Betriebssystem BS2000 Open Systems Direction (OSD) wird voll in die Welt der offenen Client-Server- Architekturen integriert." Weniger ernst als die Chefetage nahm ein BS2000-Experte der SNI das Client-Server-Engagement seiner Company. Er kommentierte am Rande der Veranstaltung pointiert: "Client-Server ist das Schlagwort ueberhaupt. Wir waeren dumm, wenn wir darauf nicht reagierten." In der Mainframe-Wirklichkeit beim Anwender sei von der Client-Server-Euphorie nicht viel zu spueren, in vielen Faellen wuerden lediglich dumme Terminals durch PCs ausgetauscht. Grossrechnertechnologie verkaufe sich heute nun einmal am besten mit dem Stempel "Unternehmens-Server".

Als solche Business- oder Enterprise-Server stellte Mainframe- Manager Jilek die neuesten Modelle vor. Dazu zaehlt die jetzt vollstaendig verfuegbare Palette der Low-end-Mainframe-Serie C70-2, die auf Prozessoren in CMOS-Technik basiert. Die bisherige Einstiegsklasse C50 wurde in die C70-Systemfamilie integriert. Zwei neue H100-Modelle, die im Augsburger SNI-Werk entwickelt und gefertigt werden, sollen den mittleren Mainframe-Leistungsbereich nach oben hin abrunden. Das leistungsfaehigste H100-Modell erreicht angeblich die mehr als fuenffache Performance des kleinsten H100- Rechners.

Gleich zehn neue H130-2-Modelle bringt SNI fuer den oberen BS2000- Leistungsbereich heraus. Vom Einstiegsmodell H130-A2 bis zum Acht- Wege-Prozessorsystem H130-T2 betraegt die Leistungsspannbreite im BS2000-High-end-Bereich laut SNI jetzt eins zu 5,9. Das Ein- und Ausgabesystem soll mit einer Durchsatzrate von 1,1 GB pro Sekunde und maximal 256 Kanaelen vom Typ 2 (beziehungsweise Typ-2- Lichtwellenleiter-Inhouse-Kanaelen) fuer Uebertragungsraten von 4,5 MB pro Sekunde sorgen. Jilek nannte auch neue Features, die BS2000 - seit vergangenem Jahr als BS2000 Open Systems Direction (OSD) vermarktet - fit fuer das Dasein als Corporate Daten-Server machen sollen. Unterstuetzung des Distributed-Computing-Enviroment-(DCE- )Standards der OSF sowie Features fuer den Daten-Backup, den schnellen Datenbankzugriff und verteiltes Drucken truegen dazu bei, dass BS2000 zum "sicheren und wirtschaftlichen Zentrum fuer alle Unternehmensdaten" werde.

Beobachter der Veranstaltung wurden trotz dieser Aussagen den Eindruck nicht los, dass sowohl der Hersteller als auch viele der Anwender zwar ueber Client-Server philosophierten, sich aber stillschweigend darin einig waren, an den bestehenden Mainframe- Bastionen nicht grundsaetzlich ruetteln zu wollen. Diesen Zahn zog Gastredner Hasso Plattner den Grossrechnerfreunden. Das SAP- Vorstandsmitglied machte sehr deutlich, dass das Mainframe-Konzept alter Praegung am Ende ist.

In der Mainframe-Welt, so Plattner, liege das Problem weniger in CPU-Limitationen als in den heterogenen Workloads. Verschiedene Typen von Anwendungen wuerden auf einem System gefahren, darunter Datenbanken, rechenintensive Programme oder grafisch orientierte Applikationen. Die Rechner seien zu 75 bis 90 Prozent ausgelastet, eine laut Plattner zu hohe Quote. Die Systemsoftware werde mit der Rechenlast kaum fertig, fuer die einzelne Anwendung bleibe zuwenig CPU-Leistung.

Mit Hilfe von Client-Server-Technologie ergebe sich - unterstuetzt durch die preiswertere Hardware - die Moeglichkeit, die Generalrechner abzuloesen und Anwendungen je nach Bedarf auf unterschiedlichen Plattformen laufen zu lassen. Praesentations-, Anwendungs- und Datenbankebene liessen sich heute voneinander trennen, fuer jeden Layer koenne ein kostenguenstiger Rechner benutzt werden.

Auf dem Desktop-Level sei ein PC mit grafischer Benutzeroberflaeche, Beschleunigungskarte und schneller CPU noetig, damit Grafiken rasch aufgebaut werden koennen. Die Datenbank liege idealerweise auf einem grossen Back-end-System, dessen wichtigste Eigenschaft ein moeglichst schneller I/O-Kanal sei. Hier laufe ausschliesslich die Datenbank; ein General-purpose-System sei verzichtbar, ebensogut eigne sich eine preiswerte Cluster-Loesung.

Besonders preiswert sei die Applikationsschicht, auf der weder eine Grafik- noch eine Vektorkomponente oder ein schneller I/O- Channel benoetigt werde. Deshalb, so Plattner, duerfe man hier an Rechnern nicht sparen, denn: "Wir sollten diese Rechnern nicht mehr ueberladen. Der Load-Faktor sollte 30 Prozent nicht ueberschreiten" - eine Aussage, die seine Zuhoerer schmunzeln liess. Der Vortrag, der das Interesse der SAP widerspiegelte, Werbung fuer R/3 und die damit verfolgte Drei-Plattformen-Strategie zu machen, fand dennoch das Interesse der meisten Zuhoerer.

Sind Billig-PCs der Scenic-Reihe abgespeckte PCDs?

Siemens-Nixdorf steigt in das Geschaeft mit Billig-PCs ein - eine Neuigkeit, die auf der Anwenderveranstaltung Neugier, aber auch Skepsis weckte.

Marketier Gernot Henning stellte die "Scenic"-Rechnerreihe fuer das Small-Office-Home-Office-(Soho-)Marktsegment vor, zu dem ein Notebook, zwei Desktops und drei Tower-Modelle zaehlen (siehe Grafik). Die Rechner sollen ueber Massenvertriebskanaele an private wie professionelle Kunden gebracht werden.

Platz zwei unter den PC-Herstellern Deutschlands (im ersten Quartal 1994, laut Dataquest) reicht den Muenchnern offenbar nicht, man strebt die Pole-Position an.

Vielen Anwesenden war jedoch nicht klar, worin der Unterschied zu den seit nunmehr zehn Jahren verkauften teureren PCD-Rechnern liegt, von denen SNI ebenfalls zwei neue Modelle vorstellte. Der Scenic-Reihe fehlten ein paar Ausstattungsdetails, argumentierte SNI, so sei etwa an LAN-Anschluessen und an Sicherheitsfunktionen gespart worden, die bei den Profi-PCs vorhanden seien.

Diese Erklaerungen reichten angestammten Kunden der PCD- Rechnerlinie nicht aus. Ihr Argwohn war geweckt, hatte Unternehmenschef Hans-Dieter Wiedig in seiner Eingangsrede doch lang und breit ausgefuehrt, um wieviel effizienter und preiswerter die PC-Produktion in Augsburg durch entsprechende Business-Re- Engineering-Massnahmen geworden sei.

Siemens-Nixdorf, so der Eindruck vieler, bietet die angestammte PCD-Rechnerlinie neuerdings als Billigprodukt an und nimmt - um der Glaubwuerdigkeit willen - einige Features weg.

Millionenprojekt

fuer die Telekom

Bis zum Jahr 2000 wird die Bundespost Telekom 100 000 Bueroarbeitsplaetze mit Computertechnologie von SNI ausruesten. Noch in diesem Jahr sollen 4500 PCs und 170 Server-Systeme (RM400 und RM 600) geliefert werden. Ziel ist unter anderem die Verlagerung der kompletten Vorgangsbearbeitung auf PCs. Einem Bericht der "Sueddeutschen Zeitung" zufolge hat sich die Telekom nicht nach einer Ausschreibung, sondern "nach Sichtung des Marktes und der Durchfuehrung von Pilotprojekten" fuer SNI entschieden.

Tabelle: Die SNI-Billig-PCs im Ueberblick