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09.02.2001 - 

Projekte zur XML- und .NET-Integration beweisen es

"Cobol harmoniert mit neuen Techniken wie dem Internet"

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob sich moderne IT-Techniken und Cobol nur schwer miteinander in Einklang bringen lassen. Doch der Schein trügt: In Cobol entwickelte Anwendungen gelten als zuverlässig und integrieren sich gut in moderne IT-Umgebungen. Mit John Bradley, CEO des Cobol-Spezialisten Liant Software Corp., sprach Michael Oswald* über die Perspektiven des Klassikers.

CW: Die Anforderungen an Programmiersprachen werden durch Internet-Techniken stark verän-dert. Wie wirkt sich das auf Cobol aus?

BRADLEY: Als RM-Cobol vor gut 20 Jahren entwickelt wurde, gab es das Internet, zumindest in der Form, wie wir es heute kennen, noch nicht. Auch die E-Technologien, die sich im Umfeld des Internet etablierten, waren nicht vorhanden. Zum damaligen Zeitpunkt wurde Cobol für die Entwicklung geschäftskritischer Anwendungen geschrieben. Darüber hinaus sollte der Code unabhängig von der jeweiligen Hardwarearchitektur ein-setzbar sein. Alle schon damals definierten Anforderungen sind bis heute erhalten geblieben. Cobol wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und unterstützt praktisch alle Techniken, die für leistungsfähige Applikationen benötigt werden.

CW: Welche Techniken genau meinen Sie?

BRADLEY: Nehmen wir zum Beispiel die Client-Server-Architektur. Durch die Bereitstellung von Entwicklungs-Tools ist die Unterstützung von Thin- oder Fat-Clients für Zugriffe auf Cobol-Daten von Fremdprodukten komfortabler. Ein weiteres Beispiel finden Sie im Bereich der Datenbanken. Mit Cobol kann auf relationale Datenbanken via SQL zugegriffen werden. Durch die Implementierung von Third-Party-Produkten wie Cobol-CGI verfügt die Sprache auch über ein HTML-Interface.

CW: Diese Technologien gehören seit Jahren zur Standardfunktionalität von C++ oder Java. Weshalb sollten Entwickler auf Cobol setzen?

BRADLEY: Cobol eignet sich für die Entwicklung geschäftskritischer Anwendungen hervorragend. Im Gegensatz zu den meisten modernen Sprachen konzentriert sich Cobol in erster Linie auf die Verarbeitung von Datenmengen. Dabei steht die Infor-mation im Vordergrund, nicht die Logik des Prozesses. Daraus leiten sich weitere Vorteile ab wie die Stabilität und Zuverlässigkeit von Cobol-Applikationen. Erfahrene Entwickler behaupten, dass die Anwendungen entweder ganz oder gar nicht laufen. Der dazwischenliegende Bereich, der schwer nachvollziehbare semantische Fehler beinhalten kann, ist bei Cobol vergleichsweise klein. Hinzu kommt eine gute Skalierbarkeit und ein sparsamer Umgang mit Ressourcen. Bei Applikationen mit wenigen Anwendern mögen diese Punkte nur geringe Bedeutung haben. Aber wenn beispielsweise die Aufträge Tausender von Kunden eines Holzgroßhändlers von einer einzigen RS/6000 mit 3000 Arbeitsplätzen zeitnah abgewickelt werden sollen, dann spielen Skalierbarkeit und Ressourcenumgang eine große Rolle.

CW: Welche konkreten Entwicklungen sind für Cobol in naher Zukunft zu erwarten?

BRADLEY: Hier sehe ich zwei wesentliche Projekte. Zunächst wird schon in der ersten Hälfte dieses Jahres der XML-basierte Zugriff auf Objekte möglich sein. Im Rahmen des Projekts für das Simple Object Access Protocol (Soap) wird Cobol die neue Zugriffstechnologie unterstützen und in den Bizztalk-Standard aufgenommen werden. Eine vielleicht noch bedeutendere Entwicklung verwirklichen wir mit der Integration von Cobol in die Visual-Studio-Umgebung von Microsoft. Hier wird Cobol zusammen mit C++, Visual Basic und C# einsetzbar sein. Dann können einzelne Bereiche einer Applikation mit der jeweils optimalen Sprache entwickelt und über die .NET-Architektur von Microsoft eingesetzt werden. Vor allem dieses Projekt unterstreicht die Bedeutung von Cobol und verdeutlicht seinen Stellenwert in den kommenden Jahren.

CW: Was heißt das für IT-Manager, die umfangreiche Cobol-Applikationen betreiben?

BRADLEY: Von einigen Ausnahmen abgesehen, ist es in den meisten Fällen günstiger, bestehende Cobol-Anwendungen zu modernisieren, als sie in einer anderen Sprache neu zu schreiben. Unsere Entwicklungsumgebung hält Plug-ins bereit, über die Anwendungen mit nur wenigen Eingriffen in den Quellcode Internet-fähig gemacht werden können. Auf diese Weise bleibt die Qualität der Programme vollständig erhalten, was natürlich auch den Testaufwand reduziert. Aufgrund der erwähnten Projekte im Umfeld der Microsoft-Strategien wird Cobol an Bedeutung gewinnen. Die Investitionen in diesen Code sind dadurch sicherer.

CW: Halten Sie es für möglich, dass Cobol wieder auf dem Vormarsch und damit besser als andere Programmiersprachen ist?

BRADLEY: Wir erleben es immer wieder, dass die Entwicklung geschäftskritischer Anwendungen unterbrochen und mit Cobol fortgesetzt wird. Damit will ich nicht behaupten, dass Cobol die bessere Programmiersprache ist. Aber es gibt nach wie vor Bereiche, in denen sie einfach unschlagbar ist. Diese Vorteile wollen wir erhalten.

*Michael Oswald ist Fachjournalist in Mainz.