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21.06.1991 - 

32-Bit-PCs und Minis frei, Großrechner noch indiziert

Cocom beschließt höhere Barrieren für weniger Güter

PARIS (vwd/CW) - Die Cocom-Staaten haben sich auf eine neue Verbotsliste für strategisch wichtige Exportgüter geeinigt. Jetzt hängt es von der Umsetzung der Vorgaben auf der jeweiligen nationalen Ebene bis September ab, ob beispielsweise das US-Ziel, Ostblockstaaten weiterhin von bestimmter TK-Technologie fernzuhalten, Auswirkungen zeigen wird.

Der amerikanische Vertreter, Allan Wendt, gab nach einer abschließenden Cocom-Sitzung bekannt, das Übereinkommen schaffe "höhere Barrieren um eine enger gefaßte Zahl von Produkten". Die Liste umfaßt nach Wendts Worten nur noch die für die Sicherheit des Westens "strategisch wirklich wichtigen" Güter. Darin enthalten sind Bauteile aus den Bereichen Elektronik und Telekommunikation, Sensoren und Laser, Großrechner und hochentwickelte Werkzeugmaschinen sowie bestimmte Systeme aus der Marine- und Luftfahrttechnik.

Einer Aufzählung des britischen Branchendienstes "Computergram International" ist zu entnehmen, daß nunmehr Minicomputer, PCs und Workstations grundsätzlich in die UdSSR geliefert werden können. Für die Cyber 960 von Control Data etwa ist demnach künftig ebensowenig eine Exportlizenz erforderlich wie für die VAX 8420 von Digital Equipment sowie für alle 32-Bit-Mikrocomputer und alle DRAM-Chips. Superrechner hingegen unterlägen weiterhin strengster Überwachung.

Vor dem Abschluß der Cocom-Sitzung hatten die Vertreter der USA gefordert, das "Dynamic adaptive routing", eine Software-Technologie zur format- und protokollunabhängigen Daten-Fernübertragung zwischen lokalen Netzen, auch künftig zu indizieren. Die Routing-Technologie ist beispielsweise in Decnet und dem TCP/IP-Protokoll implementiert. Die Amerikaner argwöhnten, daß "nicht freundlich gesonnene Regierungen" damit militärische Kommando- und Kontrollnetze aufbauen könnten. Einen Beleg für die Berechtigung dieser Befürchtung lieferte die US-Army selbst während des Golfkrieges, als sie in Saudi-Arabien ein gigantisches TCP/IP-basiertes Netz binnen kürzester Zeit erstellte (vgl. CW Nr. 21 vom 24. Mai 1991, Seite 17: Militärs machen sich ... ).

Bundeswirtschaftsminister Jürgen Möllemann äußerte sich befriedigt über das Pariser Ergebnis. Er betonte jedoch gleichzeitig, daß die Bemühungen um einen weiteren Abbau der Cocom-Kontrollen fortgesetzt werden müßten. Es sei unerläßlich, der Sowjetunion Zugang zu solchen Technologien zu ermöglichen, die für ihre wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere zur Lösung ihrer Kommunikationsprobleme, erforderlich seien.