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23.07.1982 - 

Der Mikrobenutzer hat die gleichen funktionellen Probleme wie der Großanwender:

Codasyl-Datenbanken auf Personal Computern

Als das "Committee of Data System Languages" (Codasyl) seine Vorschläge zur Normierung von Datenbanksprachen vorstellte, bestand die Zielgruppe ausschließlich aus Anwendern und Herstellern von Großrechner-Software. Der Codasyl-Ansatz sollte der zu Beginn der 70er Jahre doch noch recht neuen Idee von Integrierten Gesamtlösungen auf Basis von Datenbanksystemen entscheidend weiterhelfen. Fast alle Hersteller, die in der Folgezeit Datenbanksysteme entwickelten, bauten auf diesem Konzept auf. Entsprechend viele Anwendungen verwenden heute Codasyl-Systeme als Datenbasis - aber nur auf Großrechnern. Seit etwa zwei Jahren gibt es, nun das erweiterte Codasyl-Datenbanksystem MDBS (Micro Database System).

Das augenfälligste Merkmal dieses Systems ist zweifellos die Tatsache, daß MDBS auf Mikrocomputern läuft und dort dieselben Leistungen erbringt wie die renommierten DB-Systeme auf Großrechnern. Hier scheint ein Widerspruch zu liegen, der aber wohl nur daher kommt, daß die Kleinen vielfach unterschätzt werden.

Die Ausschließlichkeit, mit der Codasyl-Systeme auf Großcomputern realisiert wurden, hat ihre Begründung sicher nicht darin, daß bei kleinen Anwendungen geringfügigere Probleme auftreten. Beispielsweise stellt eine Auftragsabwicklung an das Programmkonzept, an die Formulierung der Integritätsregeln, an die Sicherungsnotwendigkeiten immer dieselben Anforderungen. Egal, ob nun in einer Datenbank sehr viele oder nur wenige Benutzer mit der Applikation arbeiten. Der Einsatz von Datenbanksystemen bringt nach den Erfahrungen im Großrechnerbereich so viele Vorteile und Nutzen mit sich, daß damit natürlich auch die Probleme der Mikroanwender einfacher lösbar sind. Gerade bei kleinen Rechnern ist der Ruf nach Redundanzfreiheit der Datenbestände sehr verständlich, da hier ohnehin der externe Speicherplatz beschränkter ist als bei Großrechnern.

Mikros sind nicht mehr klein

Im Schatten der Weiterentwicklung von Großrechnertechnologien haben sich die Mikroprozessoren von Waschmaschinensteuerungen zu höchst leistungsfähigen Computern gemausert. Der Begriff "Mikro" bezieht sich allenfalls noch auf die physische Größe dieser Rechner, denn in der CPU-Geschwindigkeit und dem erreichbaren Hauptspeicherausbau sind sie durchaus mit den Großen vergleichbar. Die Entwicklung der Mikros ging in den letzten Jahren rasend voran und übersprang viele der Zwischenschritte, die ihnen Großrechner vor ein paar Jahren vorgemacht hatten. Geräte mit Hauptspeicherung von 1MB und Befehlszykluszeiten um eine Sekunde sind keine Seltenheit mehr. Der Weg der Mikros richtet sich zweifelsfrei nicht nur in die Richtung von Stand-alone-Geräten, die in kleinen und mittleren Unternehmen zur Durchführung irgendwelchen branchenspezifischer Aufgaben verwendet werden. Ein neues Einsatzgebiet zeichnet sich immer deutlicher ab: das Rechenzentrum. Natürlich sollen und können die Großcomputer nicht durch Mikros ersetzt werden, aber es sind Anwendungen vorstellbar, in denen beide Rechnertypen in heterogenen Netzen integriert werden. Das Ziel dabei ist, die Terminals intelligent zu machen, um einerseits im normalen Betrieb den Hauptrechner zu entlasten und um andererseits stand-alone arbeiten zu - können, etwa weil der Hauptrechner ausgefallen ist, oder weil die zu erfüllende Aufgabe arbeitsplatzspezifisch ist.

Ein erster großer Schritt zur Lösung dieses Softwareproblems ist gemacht, denn das Datenbanksystem MDBS schließt eine Lücke zwischen der hohen Leistungsfähigkeit der Mikros und mangelnder Qualitätssoftware.

Der Beweis kann recht leicht angetreten werden, denn MDBS bietet alle Komponenten moderner Codasyl-Datenbanksysteme, die den heute geforderten Softwarekomfort liefern. An vielen Stellen des Systemkonzepts wurden über Codasyl hinaus Ideen und Theorien realisiert, die wir bei keiner Datenbank der Großrechnertechnologie erwarten würden.

- Schon die MDBS-DDL (Data Definition Language) bringt konzeptionelle Erweiterungen gegenüber der Codasyl-Definition. Dort wird die Beziehung zwischen zwei Satzarten so realisiert, daß genau einem Satz der ersten Satzart eine beliebige Zahl von Sätzen der zweiten, Satzart zugeordnet wird (klassischer 1:N-Set). Diese gravierende Einschränkung wird von MDBS durchbrochen durch die Möglichkeit der Definition von N:M-Sets. Als Konsequenz bedeutet dies wesentlich einfachere DB-Strukturen, da alle Zusammenhänge der abzubildenden Welt direkt dargestellt werden können und nicht, wie beim klassischen Codasyl-Ansatz trickreich über Dummy-Beziehungen und -Satzarten realisiert werden müssen. Aus der einfacheren Struktur ergeben sich dann natürlich übersichtlichere, leichter wartbare und schnellere Datenbankprogramme.

- Das Abfragesystem QRS (Query Retrieval System) bringt dem DV-Laien mächtige und trotzdem einfache Sprachmittel, um Daten zu selektieren und auf dem Terminal oder dem Drucker aufbereitet auszugeben. Die Auswahlmöglichkeiten sind sehr groß durch beliebige Formen von maskierter Suche (Wildcat-Symbol, Match-One-Symbol), durch Gruppenbildungen (um zum Beispiel alle Maier, Meier, Mayer, Meyer mit einer Suchfrage auswählen zu können) und durch eine Reihe anderer Funktionen. Um für den Endbenutzer das System noch einfacher zu machen, lassen sich für häufig wiederkehrende (Teil-)Kommandos Makros definieren.

- Mit RTL (Recovery and Transaction Logging) deckt MDBS alle möglichen Probleme bei der Verlustsicherung von Daten ab. Es können wahlweise physische Before Images und/ oder ein logisches Ablaufprotokoll erstellt werden, um bei jeglicher Art von Systemausfall oder bei nachträglich erkannten Benutzerfehlern wieder eine logisch und physisch konsistente Datenbank erzeugen zu können.

Diese angesprochenen Features von MDBS stellen nur einen kleinen Teil der Funktionen des Systems dar, doch schon diese Aufzählung zeigt die enormen Möglichkeiten, die heute mit guter Systemsoftware auf Mikrocomputern realisiert werden.

MDBS bereits 2000mal implementiert

Daß auch hohe Performance-Anforderungen nicht gegen komplexe Programmpakete sprechen, beweist die Tatsache, daß MDBS bereits in rund 2000 Installationen implementiert ist und durchweg gutes bis sehr gutes Antwortzeitverhalten zeigt.

Am Beispiel von MDBS zeigt sich also sehr deutlich, daß die Mikros nicht mehr die von Mainframern belächelten "Kleinen" sind, sondern sich zweifellos in der kommerziellen Datenverarbeitung einen sehr wichtigen Platz gesichert haben. Natürlich braucht es dazu hochwertiger Software. Auf dem Gebiet der Datenbanken kann dieses Problem durch MDBS als gelöst bezeichnet werden.

*Axel Keller ist Mitarbeiter der ISE-ADV/ORGA Software GmbH, München