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05.12.1975 - 

Nimm NIMS oder nimm's GIRL allein: Erst ein neues DB-System war Coca-Cola gut genug

Codasyl- und Relationenmodell vereint

ESSEN - "Das ist eigentlich ein Betriebsberatungsunternehmen, das nebenbei auch Getränkegrundstoffe herstellt" wird der Coca-Cola-GmbH gelegentlich nachgesagt - und darauf ist man in Essen sogar ein bißchen stolz: Das Geschäftsprinzip des weltgrößten Unternehmens für Erfrischungsgetränke heißt nämlich "Franchising".

Die Abfüllbetriebe, die Coca-Colas Grundstoffe mit Wasser und Kohlensäure zu Limonaden mixen, sind selbständige Unternehmen, die vom Hersteller neben Rohstoff und Rezept freilich auch das ganze Know-how für Technik und Marketing beziehen. Eine der sechs Hauptabteilungen der Coca-Cola-GmbH ist für Informationssysteme zuständig und versorgt die Konzessionäre mit DV-Auswertungen - beispielsweise Verkaufs-Statistiken Unterlagen für Marketing-Aktionen und Betriebskosten-Analysen.

75 Prozent weniger programmieren

Ein Datenbank-System, das den Coca-Cola-Anforderungen genügt hätte war 1973 am Markt nicht zu finden. Deswegen wurde 1974 an die Gesellschaft für elektronische Informationsverarbeitung (GEI), Aachen, der Auftrag zu Entwicklung eines DB-Systems erteilt. Mitte 1975 wurden NIMS (Network Information Management System) und GIRL (General Information Report Language) abgeliefert. Nachdem ein Vierteljahr Erfahrung vorliegt, konnte sich Computerwoche informieren. Erste Erfolgsmeldung: Durch Verwendung der strukturierten Programmiersprache GIRL konnte der Programmieraufwand gegenüber COBOL um 75 Prozent verringert werden. Das Datenbanksystem NIMS läuft zufriedenstellend - seine Möglichkeiten waren allerdings anläßlich der ersten öffentlichen Vorstellung noch längst nicht soweit ausgeschöpft, daß hier schon Vergleiche gezogen werden könnten

Bald auch für DB-Systeme

Vergleiche von NIMS mit anderen DB-Systemen werden demnächst sehr viel interessanter: derzeit läuft das System auf einer CDC 3300. 1977 wird zusätzlich eine IBM 370/145 installiert. die als dedizierte DB-Maschine für das Marketing-Informationssystem eingesetzt werden soll. Eine NIMS-IBM-Version wird zur Zeit entwickelt - erst sie wird vollends zeigen, ob das neue Datenbank-Paket tatsächlich die Vorzüge von Codasyl- und Relationen-Modell vereint. Die GEI ist ihrer Sache sicher: Das Codasyl-Modell habe zwar Fortschritte gegenüber konventionellen Dateisystemen gebracht, sei aber noch nicht allgemein genug, trenne nicht sauber zwischen logischen und physischen Aspekten und erfordere bei Programmierung mit der Datenmanipulationssprache DML eine zu hohe Qualifikation. Das Relationenmodell sei zwar theoretisch lückenlos - vernachlässige aber die Realisierungsaspekte; außerdem sei seine "Prädikatenlogik" nicht jedermanns Sache.

Nur Vorteile?

"NIMS vereinigt die Vorzüge beider Modelle", sagt GEI-Geschäftsführer Wolfgang Schönfeld. "Allgemeine und hierarchische Relationen sind beide erlaubt. Die Verknüpfung verschiedener Records zu Bäumen oder Netzwerken ist möglich, aber nicht nötig. Die Datenbankstruktur kann nachträglich jederzeit geändert werden, wobei die Durchführung automatisch erfolgt. NIMS ist meines Wissens das einzige DB-Paket mit automatischer Restrukturierung."

Methoden zur Wahl

Bei NIMS sind fünf Einspeicherungsmethoden (Methoden zur Bestimmung von Datenbankadressen für neu einzuspeichernde Sätze) möglich: mit Direkt- und Randomzugriff, auf Zufallsadresse, Nahespeicherung (Speicherung von "childrens" in der physischen Nähe von "parents" zur Zugriffsoptimierung) und index-sequentielle Speicherung. Zum Auffinden von Segmenten sind physischer, direkter und Randomzugriff sowie Zugriff über Inverted Files (konventionell oder speicherplatzsparend) zugelassen Die Verbindung von Segmenten, die; auch komprimiert gespeichert werden können, ist über sechs verschiedene Formel von Adreßketten oder über zwei Formen von Pointer-Arrays (aufgebaut wie Inverted Files) möglich.

Bei der Umstellung auf NIMS werden konventionelle Dateien zunächst 1:1 übernommen - die Programme müssen nicht geändert werden. Stufenweise können weitere Zugriffe ein gerichtet, neue Relationen eingeführt dei Redundanz verringert und weitere Anwendungen aufgenommen werden. Die Software unterstützt die dabei nötige Reorganisation oder Restrukturierung. NIMS, das auch Host-Language-Programmierung erlaubt, bildet in Verbindung mit der Programmiersprache GIRL ein "Self Contained System". In GIRL integriert sind Report-Waiter, automatische Gruppenwechselsteuerung, Retrieval und Update für NIMS-Datenbanken, Tabellenverarbeitung und verschiedene weitere Utilities. Nachdem das System bei Coca-Cola läuft, bietet es die GEI jetzt auch anderen Unternehmen an - die NIMS/GIRL-Kombination zu 115 000 Mark Kaufpreis oder 2600 Mark Monatsmiete, GIRL allein zu 29 000/650 Mark .

Die GEI entwickelt zur Zeit zwar eine Dialogsprache zum Einsatz in Verbindung mit NIMS - aber Coca-Cola nutzt sein System bisher nur für Batch-Arbeiten und plant vorerst auch keinen Bildschirmeinsatz.

Coke in Zahlen

Die Limonade aus der 1886 von dem amerikanischen Apotheker J. S. Pemberton gemixten Essenz wird heute täglich über 150 Millionen Mal getrunken - das errechneten die Coca-Cola-Marktforscher.

Die Coca-Cola GmbH in Essen hat 1500 Mitarbeiter, 48 Millionen Mark Stammkapital und betreut - neben der Schweiz und Österreich - 113 Konzessionäre in der Bundesrepublik, wo (zu Großhandelspreisen gerechnet) ein Umsatz von rund 1,5 Milliarden Mark gemacht wird. Dieser Umsatz wird zu etwa zwei Dritteln mit dem Traditionsprodukt Coca-Cola erzielt, der Rest mit sieben anderen Limonaden vier Saftgetränken und einem Mineralwasser.

5500 Fahrverkäufer sorgen für den Nachschub in den 400 000 Verkaufsstellen, 55 000 Flaschenkühlautomaten und 40 000 Thekenzapfgeräten.

Coca-Cola-DV

Seit 1969 ist bei der Coca-Cola GmbH in Essen ein CDC-System 3300, mit 96 KW installiert, an das 8 Plattenlaufwerke Ó 35 MB und sechs Bandeinheiten angeschlossen sind. Die ursprünglich gemietete Anlage wurde 1974 gekauft. Von den 70 Mitarbeitern im DV-Bereich sind nur 4 Datentypistinnen, weil die Eingabe soweit als möglich über einen CDC-Belegleser (OCR-A) erfolgt.

Ab 1977 soll zusätzlich ein IBM-System 370/145 installiert werden - um den "Wünschen nach internationaler Koordinierung" Rechnung zu tragen. In der Zentrale steht ferner ein IBM-System 3, um für drei Konzessionäre im Essener Raum die Abrechnungsarbeiten zu erledigen. Coca-Cola stellt dafür (in ganz Europa) ein Software-Paket "Basis" kostenlos zur Verfügung, das inzwischen bei 25 deutschen Konzessionären läuft - bei 20 weiteren ist die Einführung geplant. Das System 3 wird den Konzessionären von Coca-Cola empfohlen, weil es sich sowohl für die großen Abfüllbetriebe als auch für kleinere eignet, von denen viel oder fünf ein System gemeinsam nutzen können. "Das kostet dann den einzelnen weniger, als wenn er eine eigene MDT-Anlage betreiben würde, und - ermöglicht die Verwendung einheitlicher Software", erklärt dazu der Leiter der Abteilung Informationssysteme bei Coca-Cola, H. Rein. "Für Auswertungen auf unserem Rechner können die Vertragspartner dann Disketten schicken."