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02.03.1990 - 

Paralleler Transputerrechner für den Arbeitstisch

Cogent Research stellt Konzept modulare Parallelrechner vor

MÜNCHEN (CW) - Superrechnerleistung auf dem Tisch und kein Loch in der Tasche: Die Cogent Research Inc. aus Beaverton im US-Bundesstaat Oregon verspricht dem Anwender mit ihrem XTM-Modell ein Preis/Leistungs-Verhältnis, das den Umstieg auf Parallelverarbeitung weniger schmerzhaft machen soll.

Vertrieben werden die XTM-Rechner in der Bundesrepublik durch die Scientific Computers GmbH, Aachen. Das bis vor drei Jahren in Deutschland als EAI-Aachen firmierende Unternehmen vertreibt im mitteleuropäischen und skandinavischen Raum sowie den Benelux-Ländern Hard- und Software für wissenschaftliche Datenverarbeitung. Man konzentriert sich nach den Worten von Henk W.A. Jungbauer, Geschäftsführer der Scientific Computers GmbH, vor allem auf die Bereiche Simulation, Wissens- und Parallelverarbeitung.

Als Kernelemente des Computers, der mit den Inmos-Transputer-Prozessoren T800 rechnet, sind zum einen die stufenweise Ausbaufähigkeit von zwei auf bis zu 32 CPUs zu nennen. Die T800-Transputerprozessoren bieten laut Unternehmensangaben in Real-Life-Anwendungen je 5 MIPS respektive 1,5 Megaflops.

Ein Basis-XMT-System 1010 ist mit zwei CUPs, hochauflösendem Monitor, Festplatten- und einem 800-MB-Diskettenlaufwerk, einem 8-Bit-Sound-Generator, drei seriellen Ports, einem SCSI-Interface, je einer RS422- und RS232-Schnittstelle, zwei Nubus-Systemen und acht Megabyte Arbeitsspeicher ausgestattet und stellt so ein betriebsfähiges System für die Programmentwicklung dar. Dieter Damme, Systemberater der Scientific Computers GmbH, wies darauf hin, daß sich über den Nubus die gesamte Macintosh-Welt für den XTM-Rechner eröffne. Diese Einstiegs-Konfiguration kostet knapp 59 000 Mark.

In der maximalen Erweiterungsstufe müssen Industrieanwender für den mit 32 CPUs bestückten Parallelcomputer mit Workstation und Resource Server inklusive aller benötigten Karten etwa 612 000 Mark zahlen. Für Hochschulen gelten in den oberen Leistungsklassen ermäßigte Preise, 440 000 Mark etwa schlagen für das 32-Prozessor-Modell zu Buche.

Mittels einer Kommunikationskarte läßt sich die Workstation an einen Resource Server anschließen, der maximal 15 weitere Rechnerkarten aufnehmen kann. Das Kommunikations-Board bietet 100 Mark pro Sekunde Datentransfer, einen Gateway-Prozessor und einen Fiberoptik-Anschluß. Jede Rechnerkarte ist mit zwei T800-Prozessoren und acht Megabyte Speicher ausgestattet. In der Workstation und im Resource Server finden die gleichen Rechner- und Kommunikationkarten Anwendung. Über Kommunikationskarten im Server kann ein Mehrplatzsystem aufgebaut werden.

Neben der Hardware kommt der Softwareplattform große Bedeutung zu: Die XMT-Rechner laufen unter dem Unix-ähnlichen, aber parallelisierbaren Betriebssystem QIX. Die sich aus der Parallelverarbeitung ergebenden kommunikativen Probleme hat man durch die an der Yale-University entwickelte Software "Linde" gelöst. Diese Software schaltet ein Netzwerk in der Art eines elektronischen Kreuzschienenverteilers und gestattet die unmittelbare Verbindung der Tranputerdatenleitungen.

Linde regelt den Lastenausgleich

"Linda"-Prozesse kommunizieren über einen gemeinsamen Objektraum, Tuple Space genannt. Cogent Research hat die "Linda"-Software weiterentwickelt, um mehrfache Tuple Spaces, Systemprogrammierung und die Kommunikation von Programmen in verschiedenen Quellsprachen zu unterstützen.

QIX stellt ein Gemisch aus Unix und "Linda" dar. Unix wurde als Standard für die File-Services, die Runtime-Bibliotheken und Utilities herangezogen. Ein kleiner Betriebssystemkernel stellt wichtige Dienste wie Speicherverwaltung, Scheduling, Synchronisation und Kommunikation mittels "Linda" zur Verfügung.

Es ist nach Unternehmensangaben möglich, Unix-Anwendungen unter QIX zu fahren. "Die meisten Unix System V-Applikationen können ohne Änderungen auf QIX portiert werden", äußerte der Chefentwickler des XTM-Transputerrechners und Chairman der Cogent Research Inc., Charles Vollum. QIX unterstützt Postscript und X-Windows. Die Benutzeroberfläche PIX (Parallel Interactive Executor) ist eine parallele Implementierung des Window-Systems News von Sun.

Hirnware braucht das Land

Einen Preis für sein gelungenes Design hat der XTM-Rechner schon einheimsen können: Ginge es nur nach der Schönheit, gehörte Cogent - zumindest in en USA - schon zu den Gewinnern.

Auch daß man bei Cogent im Zusammenhang mit neuen Rechnerkonzepten von "sozialen Aspekten" spricht - Diversifikation und Superleistung auf dem Schreibtisch -, bringt noch keine klingende Münze.

In der Schlacht um Marktanteile zählt die Optik wenig. Leistung zu einem vernünftigen Preis soll den Anwender zum Kauf verführen. Leistung im Parallelverarbeitungsbereich ist aber unlösbar verknüpft mit parallelisierbaren Betriebssystemen und entsprechenden Anwendungen. Mit QIX und "Linda" glaubt Cogent, das Tor aufgestoßen zu haben für Softwareentwicklungen, die leichten Fußes den von-Neumann-Weg verlassen. Ein Anwender sprach in diesem Zusammenhang gar von "einem historischen Durchbruch" in der Computertechnologie.

Mag sein, daß vor allem die Debugging-Charakteristika des QIX-Betriebssystems den Entwickler von zur Parallelverarbeitung befähigter Anwendungs-Software neue Arbeitsdimensionen schaffen. Doch gerade Charles Vollum, "geistiger Vater" des Cogent-Rechners, äußerte Kritisches: Die Vektorrechner würden in ihren Leistungsfähigkeiten nicht ausgeschöpft, weil der Anwender die ihm zur Verfügung stehenden Hard- und Softwareoptionen gar nicht ausreize. Bei den Parallelsystemen aber gebe es nicht einmal genügend Entwickler, die sich in dieses relativ neue Gebiet einarbeiten könnten.

Noch härter formulierte ein Wiener Wissenschaftler "Parallelität ist noch schwerer zu verstehen als die Funktionalität von Vektorrechnern. Wir besitzen zwar für massiv parallele Rechner die Hardware, aber keine kreativ denkenden Menschen, die die komplexen Architekturen verstehen würden."

Die schönen, leistungsstarken Rechner haben wir. Hirnware aber braucht das Land. jm