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22.12.1989 - 

Im Non-Voice-Bereich starke Konkurrenz der etablierten Postdienste

Cognit: ISDN schneidet im Gebührenbereich schlecht ab

22.12.1989

KÖLN (CW) - Die Vorteile von ISDN liegen für den Anwender keineswegs auf der Hand. Das Beratungsunternehmen Cognit aus Köln sieht in der Einführung dieses Postdienstes eine für den Benutzer nur schwer bewertbare Konkurrenz-Situation. Greifbarere Erfolge gebe es eigentlich auf anderen Telecom-Gebieten - so in den Bereichen Videokonferenz und Cityruf.

Bei Wählverbindungen sind die ISDN-Gebühren für klassische Dialoganwendungen nach Meinung der Cognit nach wie vor unattraktiv. Hier böten die bekannten Telekommunikationsdienste deutliche Kostenvorteile, wobei im Laufe diesen Jahres insbesondere zwei Entwicklungen zu berücksichtigen seien:

- die 20prozentige Kostensenkung bei einer bestimmten Mengenstaffel der Datex-P-Volumengebühr und

- die Ankündigung der ISDN-Spitzabrechnung (im Jahre 199l ) analog dem Datex-Gebührenmodell mit einer fixen Verbindungsbereitstellungsgebühr

und einer sekundenabhängigen Zeitgebühr.

Einbußen beim Teletex-Dienst

Klassische Anwendungen werden - so die Kölner Gesellschaft - durch die ISDN-Spitzabrechnung kaum tangiert. Nur eines sei vollkommen klar: Die Spitzabrechnung erhöhe den wirtschaftlichen Nutzen des Textfax-Dienstes nochmals deutlich und bei Teletex und Fax (Gruppe 3) müsse man dadurch mit Einbußen rechnen. Angesichts dieser erkennbaren Entwicklung sei es für viele Anwender verwunderlich, daß die Deutsche Bundespost Telekom gerade eine sehr aufwendige Marketingstrategie für den Dienst Teletex durchführte.

Im Festverbindungsbereich hat ISDN Schwierigkeiten, gegen HfD anzutreten. Die Aufhebung der nutzungszeitabhängigen Tarifierung bei HfD-Verbindungnen bis 9600 Bit pro Sekunde bedeutet laut Cognit nichts andereres, als daß eine oder mehrere HfD-Verbindungen mit 9600 Bits pro Sekunde prinzipiell 720 Stunden pro Monat genutzt werden können, aber immer nur 80 Stunden tarifiert werden. Hier wirke sich die verbindungszeitabhängige Tarifierung der ISDN-Festverbindungen oberhalb der 80-Stundenregelung kostenmäßig sehr nachteilig aus.

Kostengünstigere Videokonferenz

Aus Benutzersicht stelle sich zum Beispiel die Frage, ob der ISDN-Anwender immer gleich eine 80-Stunden-Nutzung einkaufen muß, oder ob es auch Sinn machen könnte, ISDN-Festverbindungen zum Beispiel in Abstufung von zehn Stunden pro Monat nutzen zu können.

Cognit nimmt auch die Videokonferenz unter die Lupe, die als Dienstangebot seit Februar diesen Jahres zur Verfügung steht. Nach Einschätzung von Cognit-Geschäftsführer Bernhard Langen übernimmt hier die Telekom zumindest in Europa eine eindeutige Vorreiterposition. Eine deutliche Steigerung der Videokonferenz-Anschlüsse um fast l00 Prozent, ein deutlich besseres Preis-/ Leistungs-Verhältnis der Videokonferenz-Endeinrichtungen (zirka 25 000 Mark für ein Einzelplatzsystem bis zu zirka 120 000 Mark für ein Drei-Personen-System) und nicht zuletzt gesunkene Nutzungsgebühren ließen Unternehmen darüber reflektieren, wie man Videokonferenzen in das bisherige Gefüge der geschäftlichen Kommunikationsbeziehungen integrieren könne.

Im Zusammenhang mit der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes weist der Kölner Berater auf die Entscheidung der Post zur Vergabe der D2-Lizenz an das Mannesmann-Konsortium und die Überlegungen des Bundesministeriums für Post und Telekommunikation (BMPT) hin, den sonstigen Bereich der mobilen Telekommunikation dem privatwirtschaftlichen Wettbewerb zu öffnen. Langen sieht hier große Chancen: "Daß der gesamte Bereich der mobilen Telekomunikation in Deutschland aufgrund eines eindeutigen Nachholbedarfs im Vergleich zu anderen westlichen Industrienationen in den nächsten Jahren sehr stark boomen wird, bezweifelt heute niemand mehr." Es bedürfe auch keiner großen Prophetie, vorauszusagen, daß sich - einmal abgesehen vom C- und D-Netz insbesondere der Cityruf zu einem Telekommunikationsdienst mit hohen Teilnehmerzahlen mausern werde. Der Cognit-Chef ist sogar so optimistisch und meint, daß die Prognose des BMPT, Ende 1993 zirka 400 000 Cityruf-Teilnehmer aufweisen zu können, zu tief gegriffen ist.

ISDN-Schmalspur

Bei ISDN, von vornherein ein Buch mit sieben Siegeln, bevorzugen die Anwender oft den Schmalspurbetrieb und belassen es zunächst bei der Sprachkommunikation. Vorher haben sie ohne ISDN telefoniert und jetzt eben mit. Eigentlich ist das Jacke wie Hose. Die wirtschaftlichen Vorteile der Diensteintegration wollen und können ihnen jetzt noch nicht so recht einleuchten, denn in vielen Fällen kommt man bei den konkurrierenden Diensten wie etwa Datex-P und HfD billiger weg. Ein klärendes Wort der Deutschen Bundespost Telekom täte dringend not, um ISDN den ja nicht prinzipiell abgeneigten Unternehmen schmackhafter zu machen. Bei allem Tadel sollten aber die Fortschritte nicht gänzlich unter den Tisch fallen. Zu vermelden ist ein Erfolg im Tauziehen um die Schnittstellen, ebenfalls ein mitunter trauriges Kapitel im ISDN-Bereich. So wurde kürzlich von Telekom und Herstellern eine Programmierschnittstelle verabschiedet, auf die sich nun endlich BK-Anwendungen aufsetzen lassen. sch