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12.11.2004

"Colt Telecom muss keine Legacy-Pfründe verteidigen"

Der Netzbetreiber misst sich seit Jahren mit den etablierten Größen. Mit CEO Jean-Yves Charlier sprach CW-Redakteur Peter Gruber.

CW: Der Vorsteuergewinn der Colt Telecom Group brach im letzten Quartal um 23 Prozent ein. Was ging schief?

Charlier: Der Rückgang ist auf den Margenverfall in der Branche sowie unseren Umsatz-Mix im dritten Quartal zurückzuführen. In diesem Berichtszeitraum war der Anteil des Wholesale-Geschäfts, wo wir als Reseller anderen Netzbetreibern Minuten verkaufen, besonders hoch. Dieses Business weist aber geringere Margen auf. Außerdem ist es auch bei anderen Services zu Preiserosionen gekommen. Die gute Nachricht ist aber, dass sich die Bruttohandelsspanne, gemessen am zweiten Quartal, stabilisiert hat. Deshalb sind wir nicht besorgt.

CW: Der Plan von Colt war aber doch, sich vom Reseller-Business zu lösen und stärker auf das lukrativere Datengeschäft zu setzen?

Charlier: Colt erwirtschaftet heute bereits 40 Prozent seiner Einnahmen mit Datendiensten. Ziel sind 60 Prozent.

CW: Wie wollen Sie das schaffen?

Charlier: Mit traditionellen Angeboten allein ist dieses Wachstum nicht zu erreichen. Dazu braucht man innovative Produkte wie die jetzt von Colt angekündigten Switched Ethernet Services. Wir sind der einzige Netzbetreiber, der europaweit mit "Switched Ethernet VPN", "Switched Gigabit IP" und "LAN Link Hub and Spoke" Ethernet-Dienste zur Vernetzung von Firmenstandorten durchgängig auf Glasfaser anbietet, und werden es mindestens für die nächsten zwölf bis 18 Monate bleiben.

CW: Überschätzen Sie Ihren Marktvorsprung da nicht?

Charlier: Nein. Wenn man sich die Netze der alteingesessenen Betreiber näher ansieht, ist da nur eine Menge Kupfer, auf dem Legacy-Services laufen. Verglichen dazu ist das Colt-Netzwerk wirklich modern. Wir verbinden in Europa über 12 000 Geschäftsgebäude End-to-End mit Glasfaser. Außerdem treiben wir neue Services schneller voran als der Wettbewerb, weil Colt keine Legacy-Pfründe verteidigen muss und alles aus einer Hand anbietet.

CW: Welche Vorteile bieten die angekündigten Switched Ethernet Services dem Kunden?

Charlier: Wenn ein Unternehmen ein Wide Area Network (WAN) plant, ist das nichts anderes als die Verbindung von Local Area Networks (LANs). Da Ethernet der unbestrittene LAN-Standard ist, liegt es für die IT doch auf der Hand, das Ethernet-Protokoll auch im WAN zu nutzen. Das erleichtert die Handhabung der Netze und spart Kosten.

CW: Wenn Ethernet wirklich simpel ist, warum mussten die Kunden dann im WAN-Bereich so lange auf die Dienste warten?

Charlier: Weil die Technik bis dato nicht in der Lage war, Ethernet-Protokolle mit hoher Geschwindigkeit über weite Strecken zu transportieren. Diese Probleme sind gelöst.

CW: Mit welchem Wachstumspotenzial rechnen Sie insgesamt bei Ethernet-Diensten für Geschäftskunden?

Charlier: Wir verzeichnen in diesem Segment bereits zweistellige Umsatzzuwächse und haben in Europa einen Marktanteil von 20 Prozent. Das Marktforschungsunternehmen Gartner erwartet für Westeuropa in den kommenden vier Jahren eine durchschnittliche Wachstumsrate von 48 Prozent und 2008 ein Marktvolumen von knapp zwei Milliarden Euro.

CW: Glauben Sie nicht, dass die Margen im Datengeschäft auch unter Druck geraten werden?

Charlier: Natürlich sind die Preise auch im Datenbereich rückläufig, insbesondere bei europäischen und internationalen Verbindungen, weniger im Stadtnetzbereich. Deshalb ist es für unser Geschäftsmodell und unsere Wertschöpfung wichtig, dass wir einen eigenen Glasfaserzugang zum Kunden betreiben. Wir gehen davon aus, dass es bei den traditionellen Legacy-Services wie zum Beispiel ATM oder Frame Relay zu einem weiteren Preisverfall kommen wird. Darum konzentrieren wir uns stärker auf das Metropolitan Area Network, weil da die Produktmargen besser sind.

CW: Welche Signale kommen vom deutschen Markt?

Charlier: Deutschland zeigt im Moment kaum Wachstumsanzeichen. Trotzdem wird die Colt Telecom GmbH dieses Jahr über zehn Prozent zulegen und der Deutschen Telekom und anderen Marktanteile abjagen.

CW: Wie sehen Sie den TK-Markt heute?

Charlier: Nicht so pessimistisch wie andere. Die Branche hat ein Niveau der Marktreife und -sättigung erreicht hat, wie es heute die meisten Industrien kennzeichnet.