Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

21.11.1997 - 

Microsoft-Chef feilt an seinem Image

Comdex 97: Gates preist den PC und vergißt das Windows-Terminal

Auf einer Pressekonferenz ließen sich Gates und Co. in aller Ausführlichkeit über die neueste Version 5.5 der Groupware "Exchange" aus und erwähnten Hydra, die Microsoft-Variante des von Citrix in Lizenz genommenen Produktes "Winframe", wider aller Erwartungen nur am Rande. Offenkundig schmeckt dem Softwaremogul aus Redmond der Gedanke nicht, daß künftig Tausende von Desktop-Arbeitsplätzen mit einem "dummen Windows-Terminal" ausgestattet sein könnten. Mit Sicherheit würde sich ein solches Szenario negativ auf die Lizenzeinnahmen von Microsoft auswirken.

Mit Boundless Technologies, Network Computing Devices (NCD), Neoware Systems, Tektronix und Wyse Technology zeigten fünf der weltweit größten Terminalhersteller erste WBTs. Allerdings, so war auf der Messe zu hören, mangelt es einigen Geräten noch an der nötigen Performance beim Grafikaufbau. Die Terminals, auf denen auch das Microsoft-Betriebssystem Windows CE in der Version 2.0 läuft, scheinen mit zu leistungsschwachen Chips ausgestattet worden zu sein.

Vielleicht war auch das der Grund, weshalb Gates das WBT-Thema nur auf kleiner Flamme kochte. Erst auf ausdrückliche Nachfrage hin kommentierte er: "Hydra ist lediglich eine weitere Methode, Windows-Applikationen einzusetzen." Dann aber warf er sich doch in die Brust: Es handle sich - im Gegensatz zu anderen Angeboten - um einen wahrhaft dünnen Client, der dem Anwender die ganze Windows-Welt eröffne. Beim Network-Com- puting ê la Sun Microsystems, Oracle oder IBM stehe mit dem Browser eines der mächtigsten Desktop-Softwareprodukte überhaupt im Mittelpunkt. Ein solcher Ansatz verdiene den Namen Thin Client nicht (ausführlicher Bericht in der nächsten Ausgabe).

Gates erwähnte auch in seiner offiziellen Keynote-Adresse zur Comdex-Eröffnung weder das Windows Based Terminal noch die zugehörige Server-Software. Dafür widmete er Windows NT 5.0, dessen Betaversion in der ersten Jahreshälfte 1998 erwartet wird, eine größere Demonstration. Gates versuchte die Aufmerksamkeit der Zuhörer in erster Linie auf die Replikationsfunktion "Intellimirror" zu lenken, die es LAN-Administratoren erlauben soll, spielend leicht Desktop-Anwendungen einzurichten.

Doch der Ausflug in die Feinheiten der Computertechnik sollte dem Publikum nicht allzu lange zugemutet werden. "I love my PC" lautete das plakative Bekenntnis, um das sich der größere Teil des Vortrags drehte. Dabei zeigte sich, daß der Softwaremilliardär in Sachen Öffentlichkeitsarbeit dazugelernt hat.

Gates erschien im lässigen Freizeit-Look, Anzug und Krawatte waren im Schrank geblieben. In einer launigen Rede, die auch ohne strategische Aussagen Anklang beim Publikum fand, erzählte er, aus welchen Gründen er seinen PC liebhabe. Sein neues Haus sei komplett vernetzt, ohne Computer sei er darin aufgeschmissen, erklärte er den vergnügten Zuhörern.

Seinen PC liebt Gates auch, weil er mit seinem 18monatigen Töchterchen wunderbar damit spielen kann - und aus folgendem Grund: "An einem einzigen Wochenende kann ich von meinem PC aus mit Rechtsanwälten in aller Welt an einer 48seitigen Erklärung arbeiten, die ich anschließend per Mail an das Justizministerium schicke."