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28.11.1997

Comdex '97: Microsoft-Suppe mit Hardware-Einlage

Unübersichtlich, schlecht organisiert, nervtötend laut - diese Attribute treffen die Atmosphäre auf der wohl bedeutendsten Computermesse der Welt, der Comdex/ Fall in Las Vegas, die vor wenigen Tagen zu Ende ging. Und dennoch wären die Veranstalter der CeBIT in Hannover wohl froh, wenn sie soviel öffentliche Aufmerksamkeit ernteten wie die Amerikaner.

Doch die US-Messe scheint ihren Zenit überschritten zu haben. Wer nach den großen Datenbankanbietern oder nach bedeutenden Softwareschmieden wie SAP oder Baan Ausschau hielt, wurde ebenso enttäuscht wie Entwickler, die sich bei Sun Microsystems oder Netscape über Java und Internet-Computing informieren wollten. Auch Apple und Compaq waren nicht zu finden, obwohl Compaq-Chef Eckhard Pfeiffer eine der Festreden hielt.

Eine Erklärung für die Absenz mancher Firmen mag die Inflation von Veranstaltungen geben, die insbesondere im Internet-Umfeld stattfinden. So dürfte vor allem die Internet World '97 in New York, die in wenigen Tagen stattfindet, der Comdex Aussteller weggenommen haben. Firmen wie Compaq oder SAP erklären inzwischen zudem ihre eigenen Hausmessen zum Jahreshöhepunkt und legen nicht mehr so großen Wert auf allgegenwärtige Präsenz.

Die zeigte auf der Comdex vor allem Microsoft und setzte sich und seine Partner so recht in Szene - manchem Besucher drängte sich der Eindruck auf, als handele es sich um eine Microsoft-Hausmesse. Von den Ermittlungen gegen die Gates-Company seitens des US-Justizministeriums war ebensowenig die Rede wie vom Rechtsstreit mit Sun Microsystems wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen.

Gates war es denn auch, der die Comdex - erstmals an einem Sonntagabend - mit einer Keynote-Adresse einläutete. Jeder weitere Messetag wurde ebenfalls mit einer programmatischen Rede eröffnet; es sprachen Compaq-Chef Pfeiffer, Cisco-Boß John Chambers sowie Eric Schmidt, Chairman und CEO der schwer angeschlagenen Netzwerk-Company Novell.

Vielleicht hat es an der Reihenfolge gelegen, vielleicht auch an den langen Nächten an den Spieltischen von Las Vegas: Von Tag zu Tag fanden sich weniger Zuhörer im großen Saal des Aladdin Hotel ein, wo die Keynotes zu hören waren. Die Langschläfer verpaßten wenig, denn es schien, als seien alle Redner durch dieselbe Rhetorik-Schule gegangen. So trug jeder seine Vision von der Zukunft der Informationstechnik vor, ehe er dann von den eigenen Produkten sprach, die - nicht eben unerwartet - exakt in das zuvor entworfene Szenario hineinpassen.

Compaq-Chef Pfeiffer beispielsweise träumte laut vom "total vernetzten Heim". Alle Räume darin sind mit elektronischem Gerät ausgestattet: Handhelds für den elektronischen Einkauf über das Internet, E-Mail-Stationen, Videokonferenz-Terminals etc. In jedem Zimmer steht ein Desktop für weniger als 500 Dollar, ausgestattet mit drahtlosem Keyboard und einer Konsole für die Integration von Fernsehen und PC. Gesteuert wird die schöne neue Computerwelt von einem preiswerten "Home Server", der die Geräte über Kabel oder auch drahtlos verbindet. Dieser Server stellt über Kabel, Satellit oder digitale Kommunikationsservices den Kontakt zur Außenwelt her - für Telecom-Kosten von nicht mehr als 40 Dollar im Monat.

In diesem Szenario glaubt Pfeiffer, eine dominierende Rolle spielen zu können. Nach seinen Angaben halten die vier größten PC-Hersteller Compaq, Dell, Hewlett-Packard und IBM derzeit zusammen einen Marktanteil von rund 35 Prozent. In fünf Jahren werden die ersten vier seiner Einschätzung nach bereits 70 Prozent des Marktes auf sich vereinen - ob es dieselben Namen sind, ließ Pfeiffer offen. Das Rennen gewinne, wer benutzerfreundliche Systeme und einen guten Service bieten könne. Reine Direktanbieter hätten es schwerer, weil das Fehlen der Handelskanäle auf Dauer Schwächen beim direkten Anwenderservice zur Folge haben werde.

Während der Compaq-Chef den Schwerpunkt seiner Ausführungen auf die Hardware legte, redeten die anderen Sprecher mehr vom Netz. Bill Gates entwarf in einer für seine Verhältnisse ungewöhnlich locker vorgetragenen Rede seine Vision vom "Web-Lifestyle" und phantasierte, wie das Internet Einzug in den Alltag eines jeden Menschen halten werde (siehe CW Nr. 47 vom 21. November 1997, Seite 6). Auch John Chambers, President und CEO der Cisco Systems Inc., erklärte, das Internet sei das "wichtigste Produktivitäts-Tool der nächsten zehn Jahre". Dies werde von den meisten Geschäftsführungen erkannt. Gott sei Dank, so Chambers, sei die Vernetzung eine "unglaublich komplexe Angelegenheit" - und Cisco lebe nun einmal von dieser Komplexität. Chambers machte keinen Hehl aus seiner engen Verbundenheit mit Microsoft und dessen Gefolge, betonte allerdings, als Netzwerkschmiede auch mit den Produktumgebungen anderer Anbieter fertig zu werden.

Ein wenig verloren wirkte der letzte Keynote-Sprecher, Novell-Chef Eric Schmidt, der die Fahnen des Java- und Netz-Computing-Lagers hochhielt. Seine Visionen wurden jedoch weniger als allgemeingültige Prognosen für die Zukunft denn als Überlebensstrategien für Novell interpretiert.

Schmidt macht die Zukunft vom Geschäft mit Netz-Management-Produkten und von Java abhängig. Insbesondere von den Verzeichnisdiensten, die für Netware und Windows NT angeboten werden, verspricht sich der Novell-Boß in den nächsten Monaten wiederauflebende Geschäfte. Man werde im kommenden halben Jahr zusätzliche, zum Teil Java-basierte Produkte auf Basis der Directory Services anbieten, erklärte er. Worum es sich genau handelt, mochte Schmidt noch nicht sagen.

Die Keynote-Adressen täuschten ein wenig über das hinweg, was den rund 225000 Besuchern der Comdex in erster Linie geboten war: ein unüberschaubares Sammelsurium an neuester Hardware, die vor allem den reichlich vertretenen Fachhandel interessierte (siehe Seite 10).

Auf der Softwareseite machten vor allem die Spracherkennungsprodukte von IBM, Dragon Systems und Lernout & Hauspie Furore, die inzwischen alle recht gut mit in natürlicher Sprechgeschwindigkeit vorgetragenen Sätzen zurechtkommen. Zudem erhalten diese Produkte zunehmend Systemsteuerungs-Funktionen, so daß sie als Schnittstelle für die Eingabe von Befehlen für Texteditierung, Dokumentenaufruf etc. genutzt werden können.

Microsoft lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit vor allem auf Version 5.5 der Groupware- und E-Mail-Software "Exchange" (siehe Seite 29). Obwohl das Produkt erst seit 18 Monaten im Markt ist, macht es gute Fortschritte in der Anwendergunst - Microsoft hofft, Ende 1997 rund 7,2 Millionen Arbeitsplätze mit dieser Software ausgestattet zu haben.

Wie IBM das Publikum einfing

Ein Publikumsmagnet auf der Comdex war eine Demonstration der IBM-Forschungslabors, in deren Rahmen ein Computer mit "menschlichen Eigenschaften" gezeigt wurde. Mitarbeiter aus den IBM-Forschungslabors verzichteten auf die üblichen Eingabemethoden mit Maus und Tastatur und erteilten ihre Befehle mit Gesten und gesprochenen Anweisungen.

Auf einem großen Bildschirm zeigte sich den Zuschauern beispielsweise eine Kugel, die ein IBM-Mitarbeiter mit Hilfe von kombinierten Befehlen und Bewegungen positionierte und veränderte. Anweisungen wie "Nimm die Kugel und plaziere sie dort" (Fingerzeig), oder "Bring sie auf diese Größe" (Durchmesser wird mit zwei Fingern angegeben) befolgte der Rechner mühelos. Die Befehlspalette reichte von Größen- über Farb- und Positionsveränderungen bis hin zum Erscheinen und Verschwinden verschiedenster Gegenstände auf dem Monitor. Die Lösung basierte unter anderem auf der Spracherkennungs-Software "Viavoice", die hier zusammen mit einem drahtlosen Mikrofon eingesetzt wurde. Eine Videokamera nahm die Bewegungen des Befehlsgebers auf, die an ein sogenanntes Machine-Vision-System weitergeleitet wurde; dieses kommt normalerweise in Fabriken zur Identifizierung von Ausschußware auf Förderbändern zum Einsatz. Nicht näher beschriebene Algorithmen kombinieren und interpretieren die Bewegungen und Worte des Benutzers.

Aufmerksamkeit erregte IBM auch mit der Technologie-Initiative "Network Vehicle", die gemeinsam mit Delco Electronics und den auf der Comdex nicht vertretenen Anbietern Sun Microsystems und Netscape ins Leben gerufen wurde. Die Anbieter zeigten ein Auto als Kommunikationszentrum, aus dem sich Telefonate führen, E-Mails austauschen und Informationen über Hotels, Restaurants etc. abfragen lassen. Der Fahrer muß dazu die Hände nicht vom Steuer nehmen: Spracherkennungssysteme, drahtlose Übertragungstechniken und elektronische Displays bilden den Kern der Entwicklung, die unter anderem auch ein Verkehrsleitsystem für das Auffinden von Adressen enthält.