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26.11.1999 - 

Thema der Woche

Comdex '99: Information Appliances sollen PC ablösen

Visionen prägten die diesjährige Comdex in Las Vegas. Produkte gerieten in den Hintergrund. Als große Themen präsentierten die Veranstalter Information Appliances, E-Commerce und Breitbandnetze. Von diesen Dingen war aber schon im vergangenen Jahr die Rede.

Als Medium, um ihre Visionen einem breiten Publikum zu präsentieren, wählten die Großen der Branche ihre Keynote-Reden, die sie im Ballsaal des Venetian-Hotels vor 6000 bis 8000 Zuhörern inszenierten. Bill Gates, Carleton Fiorina, John Chambers und Co. sparten dabei nicht mit Showeinlagen, um ihre Botschaften möglichst einprägsam an den Mann zu bringen. Doch auch imposante Server-Anlagen oder Comedy-Elemente konnten nicht darüber hinwegtäuschen, daß es den Reden oft an Inhalten mangelte.

Bill Gates beschwört weiter den PC-Boom

Den Reigen der Keynotes eröffnete am Sonntagabend Bill Gates. Nachdem kurz vor der Comdex Richter Thomas Jackson in der Tatsachenfeststellung des Monopolprozesses scharf gegen Microsofts Geschäftsgebaren geschossen hatte, wartete die gesamte Branche gespannt darauf, wie sich der Microsoft-Boß dazu äußern würde. Doch wer sich Aufschlüsse über die weitere Strategie aus Redmond erhofft hatte, wurde enttäuscht. Ein Scherz zum Thema Anwälte war das einzige, was Gates über den Prozeß zu sagen hatte: "Hat jemand in letzter Zeit einen guten Anwaltswitz gehört?" fragte Gates gleich zu Beginn seiner Keynote ins Publikum.

Den größten Teil seiner Redezeit widmete der Microsoft-Chef der Vorstellung des neuen Betriebssystems Windows 2000. Im Mittelpunkt stand dabei die angebliche Stabilität und Skalierbarkeit des Systems, mit dem Microsoft in erster Linie professionelle Anwender erreichen will. Drei der vier Windows-2000-Varianten sind für Server-Anlagen ausgelegt. Um die Vorzüge des NT-Nachfolgers zu demonstrieren, bestellte Gates via Internet einen Wagen über das Händlernetz von Ford, während laut Microsoft gleichzeitig 20000 andere Anwender auf die unter Windows 2000 laufenden Web-Server zugriffen.

Gates betonte, daß es beim Thema Skalierbarkeit nicht nur auf die Hardware ankomme, sondern die Software mindestens eine genauso große Rolle spiele. Er versprach, daß Windows 2000 zuverlässiger arbeiten werde als sein Vorgänger. Doch bis auf seine Vorführung und eine Modellanlage, die Microsoft während der Messe zusammen mit Unisys und anderen Partnern laufen ließ (siehe Seite 41), blieb Windows 2000 den Beweis seiner Unternehmenstauglichkeit schuldig.

Ansonsten beschwor Gates wieder einmal den seiner Meinung nach weiter anhaltenden PC-Boom. Der PC werde sich zum Zentrum eines vernetzten Haushalts entwickeln, glaubt der Microsoft-Chef. Von einem zentralen Haus-Server könnten sich dann andere Geräte wie Handhelds oder Entertainment- und Haushaltsapparate ihre Informationen holen, so seine Vision.

Mit Windows CE, der Light-Version von Windows, hat der Softwareriese aus Redmond allerdings so seine Schwierigkeiten. Das Betriebssystem, das seinen Platz in Handhelds und sogenannten Information Appliances finden soll, verliert im Markt an Unterstützung. So hat beispielsweise das Unternehmen Everex angekündigt, keine CE-Geräte mehr zu bauen. Auch die Palm-sized-PCs der Marke "Nino" von Philips waren auf der Comdex nicht mehr zu sehen.

Mit Sony hat Microsoft einen wichtigen potentiellen Partner an den Konkurrenten Palm verloren. Der japanische Elektronikgigant will zusammen mit Palm ein Betriebssystem entwickeln, das die neuen Sony-Geräte steuern soll. Auch um Compaq gibt es Gerüchte, daß keine weiteren CE-Rechner mehr gebaut werden sollen. Damit würde Microsoft seinen neben Hewlett-Packard wichtigsten CE-Gefährten verlieren.

Sonys Angriff aus der Unterhaltungsbranche

Mit Sony bläst ein wichtiger Vertreter aus der Entertainment-Industrie zum Angriff auf die PC-Bastion. Mit digitalen TV-Geräten, Set-top-Boxen und einer zum Internet Appliance erweiterten Play-Station könnte der in Tokio ansässige Hersteller von Unterhaltungselektronik den alteingesessenen PC-Herstellern Marktanteile abjagen. Sony trifft mit seinen einfach zu bedienenden Geräten den Nerv der Zeit. Die PC-Hersteller arbeiten ebenfalls verstärkt daran, benutzerfreundlichere Rechner auf den Markt zu bringen. "Easy to use" lautete denn auch das Motto, das die Zuhörer in fast jeder Rede zu hören bekamen.

Als wichtigstes Feature der neuen Sony-Geräte bezeichnete Sony-Chef Nobuyuki Idei den Internet-Zugang. Doch die momentane Netzleistung sei nicht zufriedenstellend. Deshalb habe man bei Sony die neue Playstation so konzipiert, daß auch Breitbandverbindungen wie Kabelmodems oder DSL-Verbindungen unterstützt würden, erklärte Idei. Zugleich werde sein Konzern 200 Millionen Dollar in Firmen investieren, die neue Kabeltechnologien entwickeln.

HPs Carleton Fiorina entfaltet Visionen

Zu den Festrednern zählte auch die neue HP-Chefin Carleton Fiorina, die allerdings mehr Visionen als Fakten lieferte. Nach ihrer Meinung steht das Internet am Scheideweg. Die Versprechungen der vergangenen Jahre hätten sich längst noch nicht erfüllt. Entweder wird das Netz auch weiterhin nur von Eliten benutzt, oder es entwickelt sich zum Gemeingut für jedermann, sagte die Frau an der Spitze von HP.

Um letzteres zu ermöglichen, müßten sich die Unternehmen jedoch neu ausrichten. Da nicht so sehr die Technologie die weitere Entwicklung antreibe, müsse eine neue Unternehmenskultur heranreifen. Wichtig seien vor allem radikale Ideen, die auch schnell in neue Techniken umgemünzt werden könnten. Und zuletzt müßten in der "E-Kultur" Balance und Synthese herrschen zwischen den herkömmlichen Geschäftsmodellen und dem E-Business. Fiorina will beide Welten miteinander verbinden und aus dem tradierten Modell das Beste in die neue Welt hinüberretten.

Als wichtigsten Geschäftsfaktor der Zukunft sieht sie die Services. Die Produktära stehe an ihrem Ende, sagte Fiorina. Bestes Beispiel dafür sei das Auto, das sich zunehmend zum Mittelpunkt von allen möglichen Dienstleistungen entwickle. Hewlett-Packard sei für die neu Ära gut gerüstet, glaubt Fiorina. Die Company sei im Hardware- und Software-Business zu Hause und habe Erfahrungen im Unternehmens- wie im Endkundengeschäft. Außerdem sei HP immer noch eine sehr innovative Company, in deren Labors genügend Ideen und Produkte entwickelt würden.

Doch der neue Zusatz des HP-Logos, "Invent" (erfinde), muß sich erst noch beweisen. Das einzige bereits vorhandene Produkt, das Fiorinas Thesen untermauern könne, ist der neue "E-PC", ein speziell auf den Internet-Zugang ausgelegter Rechner. Die HP-Chefin kündigte außerdem eine Kooperation mit Swatch an, deren Ziel es ist, eine Uhr mit Internet-Zugang zu konstruieren. Ansonsten bleiben ihre Thesen vorerst reine Lippenbekenntnisse.

John Chambers'' rosarote Weltanschauung

Nach Fiorina beschwor auch Cisco-Chef Chambers ein neues Computer-Zeitalter. Wichtigster Faktor sei dabei - nicht unerwartet - das Internet. "Jede Branche, jedes Unternehmen, jedes Land und jedes Individuum wird sich durch das Web verändern", lautet die Prognose von Chambers.

Die wichtigste Errungenschaft dieser "E-Entwicklung" werde das "E-Learning" sein, so der Cisco-Chef. Als Beispiel führte er verschiedene amerikanische Universitäten an, in deren Lehrplan seminarspezifische Web-Seiten bereits zur Pflichtlektüre gehörten. Auch Cisco schult seine Leute via Internet in den "Cisco Network Academies" für seine Produkte, erklärt Chambers.

Mit dem E-Learning sieht der Cisco-Boß auch eine große Chance für die Welt, die Schere zwischen arm und reich zu schließen. Denn über das Internet besäßen auch ärmere Länder bessere Möglichkeiten zur Ausbildung, und im Zeitalter unbegrenzter Kommunikation würden sich die Unternehmen dort niederlassen, wo sich die am besten ausgebildeten Leute fänden, erklärt Chambers.

Die Antwort auf die Frage, wie sich die Länder der Dritten Welt teure Netzinfrastrukturen leisten könnten, blieb Chambers jedoch schuldig. Und die Tatsache, daß weit über die Hälfte aller Menschen noch nie ein Telefon in der Hand hatte, läßt seine Aussagen über eine allumfassende Internet-Community, in der jeder glücklich über sein eigenes Schicksal bestimmen kann, fast zynisch erscheinen. Jenseits aller Realitätsgrenzen lag seine Vision, Flüchtlinge könnten sich via Internet über mögliche Anlaufpunkte für Hilfe informieren. Momentan scheint die Entwicklung eher dahin zu gehen, daß sich nur die reicheren Länder eine Internet-Infrastruktur leisten können und damit die Schere zwischen arm und reich noch größer wird.

Scott McNealy unterhält sein Publikum prächtig

Auch Scott McNealy hatte in seiner Keynote wenig Neues zu bieten. In altbekannter Manier sagte er im Zeitalter der Post-PC-Ära das Ableben der Software-Industrie voraus. In Zukunft würden die Leute für Services zahlen, die wiederum zusammen mit bestimmten Geräten ausgeliefert würden. Die Software oder das Betriebssystem, mit dem diese Geräte funktionieren, würde keinen Menschen mehr interessieren. "Wer kennt das Betriebssystem seines Handys oder das seiner digitalen Kamera?" fragte der Sun-Boß das Publikum. Seine eigene Antwort: "Keiner - weil es niemand zu wissen braucht."

Auch seine gewohnten Seitenhiebe gegen Microsoft durften natürlich nicht fehlen. So begann seine Keynote mit der düsteren Prophezeiung, Windows könne ganze Städte zerstören. Theatralisch perfekt inszeniert, stürzte dabei die aufgebaute Kulisse aus verschiedenen Sehenswürdigkeiten von Las Vegas in sich zusammen.

Seinen Vorrednern warf McNealy vor, inhaltsleere Keynotes abgeliefert zu haben. Peinlich nur, daß er es kaum anders machte. Auch der Sun-Chef sagte den Siegeszug der Information Appliances voraus, was am dritten Tag der Comdex nun wirklich nichts Neues mehr war. Und den Thin-Client-Rechner aus der "Sunray"-Familie hatte der Hersteller auch schon vor einigen Wochen mit lautem Marketing-Getöse vorgestellt.

Die Demonstration, die McNealy daraufhin ablieferte, erinnerte fatal an den Auftritt von Bill Gates. Der Sun-Chef präsentierte zusammen mit zwei Managern von General Motors einen Wagen mit Internet-Anschluß, der laut Hersteller E-Mails abrufen und verschicken sowie verschiedene Applikationen aus dem Internet herunterladen könne. Dasselbe hatte Gates drei Tage zuvor vorgeführt.

Nachdem sich McNealy in seiner Rede über den erklärten Feind Microsoft lustig gemacht hatte, zeigte sich der Sun-Boß in der anschließenden Pressekonferenz moderater. Um einer möglichen Zerschlagung des Konzern zu entgehen, müßte Microsoft seiner Ansicht nach folgende Schritte unternehmen:

- Die Preisgestaltung muß transparenter gestaltet werden;

- es dürfen keine exklusiven Bundling-Verträge mehr geschlossen werden;

- Microsoft muß die Programmierschnittstellen (APIs = Application Programming Interfaces) offenlegen, da hierin die Grundlage des Monopols bestehe;

- es muß verhindert werden, daß sich Microsoft in andere Märkte einkauft.

Linus Torvalds plaudert locker über Linux

Die Keynote des Linux-Entwicklers Linus Torvalds glich einer netten Plauderstunde über ein Betriebssystem, das seinen rebellischen Touch der ersten Stunde verloren hat. "Pinguine überall": Mit diesen beiden Worten beschwor Torvalds leise den Erfolg von Linux, sicherte sich damit aber den frenetischen Applaus seiner eingeschworenen Fangemeinde.

Allerdings gestand der Finne auch gewisse Unzulänglichkeiten von Linux ein. So müßten die Entwickler noch an der Unternehmenstauglichkeit arbeiten, und auch die Basis für Linux-Treiber könnte noch verbessert werden. Jedoch bekämen die auf der ganzen Welt verteilten Entwickler diese Probleme schneller in den Griff, als es bei einem herkömmlichen Betriebssystem der Fall ist. Ein Grund dafür sei der Spaß, den Tausende von Programmierern an ihrer Arbeit hätten, glaubt Torvalds.

Das Internet werde auch für Linux eine immer wichtigere Rolle spielen. Jedoch dürfe sich der Fokus der Unternehmen nicht auf die Technologie richten. "Was wirklich die Grenzen setzt und die Dinge vorantreibt, sind die Anwender. Und die Anwender wollen leichte Bedienung", erklärt Torvalds. Auch die aufstrebenden Appliance-Generationen nahm er ins Visier. Für diese Geräte sei Linux ebenfalls das richtige Betriebssystem. "Aber das Kerngeschäft ist nach wie vor der Desktop-Markt - und er ist auch am härtesten umkämpft."

Auf seinen neuen Arbeitgeber Transmeta ging Torvalds nur ganz am Rande ein. Fragen dazu blockte er mit einem Hinweis darauf ab, daß es am 19. Januar 2000 die ersten offiziellen Informationen zu dem von Gerüchten umrankten Chip - Codename "Crusoe" - geben werde, den die Company in Arbeit hat.

Alte Konzepte für aktuelle Trends neu aufgewärmt

Auf der Suche nach einem Messetrend mußten dieses Jahr die Information Appliances herhalten. Viel geändert hat sich damit im Vergleich zu den beiden letzten Jahren nicht. Vor zwei Jahren standen Thin-Client-Rechner im Rampenlicht, letztes Jahr waren es die Handhelds. Jedesmal wurde das Ende der PC-Ära heraufbeschworen.

In diesem Jahr konnte es der Messeleitung nicht schnell genug gehen, den neuesten Trend zu definieren. Noch bevor Microsoft-Chef Bill Gates am Abend seine Keynote zur Comdex-Eröffnung hielt, stellte Tim Bajarin, President der Creative Strategies Research Inc., eine ganze Palette neuer Information beziehungsweise Internet Appliances vor. Darunter unter anderen der "Easynow"-Rechner von AMD oder der unter Windows CE laufende "Webcompanion" der Firma Vestel.

Um das Feld der Geräte etwas zu verbreitern, haben die Messeverantwortlichen kurzerhand noch einen bereits bekannten Netzrechner von IBM und ein Modell des auf der diesjährigen CeBIT vorgestellten Webpad-Konzeptes dazugestellt. Der Trend wirkt konstruiert, besonders, wenn man etwas nachhakt. So sucht AMD beispielsweise noch nach Lizenznehmern, die den Easynow-Rechner bauen werden. Eine Markteinführung des bunten Geräts in Eiform ist noch längst nicht in Sicht. Auch der zusammen mit Microsoft entwickelte Webcompanion von Vestel legt einen Frühstart hin. Sebla Salkur, Marketing-Manager des Unternehmens, räumt ein, daß die Einführung des Geräts erst für die zweite Jahreshälfte 2000 geplant ist, und dann vorerst auch nur in den USA. Eine internationale Vermarktung sei zwar wahrscheinlich, bislang jedoch noch nicht sicher, erklärt Salkur.

Bajarin, der die neuen Geräte der internationalen Presse auf der Comdex vorstellte, erklärte, man bewege sich auf die PC-Plus-Ära zu, in der der Rechner viele unterschiedliche Formen annehmen werde. Doch ob es genügt, die Rechner in ein buntes Plastikgehäuse zu stecken und damit vollmundig eine neue Ära anzukündigen, darf bezweifelt werden. So entspricht der AMD-Rechner von seiner Ausstattung her einem normalen PC, nur daß er kein Floppy-Laufwerk besitzt. Andere Modelle wie der "I-Paq" von Compaq oder der "E-PC" von Hewlett-Packard, die beide bereits vor der Comdex vorgestellt wurden, gleichen ebenfalls eher dem herkömmlichen PC-Modell, nur etwas anders verpackt.

Auch der E-Commerce, ein weiterer vielbeschworener Hype für die gesamte Computerindustrie, mußte von vielen Seiten Kritik einstecken. Der E-Commerce sei die Essenz des Internet, glaubt Glenda Dorchak, Chefin des Internet-Handelshauses Value America. Doch zur Zeit scheint die Essenz noch sehr getrübt. Die zum Teil sehr unterschiedlichen Zahlen der Marktforscher lassen zwar viel erwarten, doch spielt sich der Löwenanteil des E-Commerce noch immer im Unternehmensgeschäft ab. 70 Prozent der 50 Milliarden Dollar, die 1998 im weltweiten Internet-Handel umgesetzt wurden, stammen aus dem Business-to-Business-Geschäft. Im Jahr 2003, für das ein E-Commerce-Umsatz von 1,3 Billionen Dollar vorausgesagt wird, soll dieser Anteil sogar 84 Prozent betragen, prognostiziert Frank Gens, Vice-President der International Data Corp. (IDC).

Den Anwendern zu Hause fehlt das interaktive Einkaufserlebnis, glaubt Mark Winther, Vice-President der Communications-Division bei IDC. Sie wollen beim Einkaufen eine Stimme hören und sich mit einer anderen Person auseinandersetzen, argumentiert der Analyst. Außerdem müsse der Einkauf Spaß machen. Bestes Beispiel dafür seien die Online-Auktionen, die immer mehr Zulauf finden, erklärt Winther. Hier müßten die E-Commerce-Unternehmen noch viele Hausgaben erledigen, um auch die Millionen Anwender zu Hause ins Netz zu locken.

COMDEX

In diesem Jahr feierte die Comdex ihren 20. Geburtstag. Doch das Jubiläum ging im Messealltag unter. Selbst die Veranstalter wiesen kaum darauf hin. Die Messe selbst kämpft wie in den letzten Jahren mit Problemen. Zuschauer- und Ausstellerzahlen stagnieren. So fanden nach offiziellen Angaben etwas über 200000 Besucher den Weg in die Messehallen. 2100 Aussteller zeigten dort ihre Produkte. Diese Zahlen liegen etwa auf dem Niveau von 1995 und 1996.

Für den amerikanischen Markt bleibt die Comdex jedoch nach wie vor die wichtigste Computermesse. Ihre Rolle als Trendsetter in der Branche hat sie aber vergespielt. Der diesjährige Versuch, mit Information Appliances, E-Commerce und Breitband neue Trends zu setzen, wirkte nicht besonders originell. Im Grunde genommen haben die Veranstalter bekannte Konzepte neu aufgewärmt.

Linux auf dem Vormarsch

Die Linux-Gemeinde verliert allmählich ihre anarchischen Züge. Aktionen, wie Stoffpinguine in die Menge zu werfen, waren eher die Ausnahme. Die Präsentationen auf der Linux-Expo im Las Vegas Hilton waren geprägt von Begriffen wie "Easy to use" oder Gesprächen über Skalierbarkeit und Verfügbarkeit von Linux im Enterprise-Geschäft. Das hohe Lied der Open-Source-Philosophie von Linux glich eher einer wehmütigen Hintergrundmelodie, die mehr und mehr einem härteren Geschäftston weichen muß. Doch der Weg scheint vorgezeichnet. Michael Cowpland, CEO von Corel, setzt beispielsweise voll darauf, daß die Zukunft Linux gehören wird. Der kanadische Hersteller hat auf der Comdex seine eigene Linux-Distribution vorgestellt, die in der Basisversion kostenlos aus dem Netz heruntergeladen werden kann. Red Hat hat die Übernahme von Cygnus Solutions bekanntgegeben. Damit will der Linux-Distributor seine Serviceleistungen rund um das Open-Source-System verbessern.