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20.11.1992 - 

Zum Datex-J-Start erhebt die Telekom eine Nutzungsgebühr

Comeback für Btx im Datex-J mit überarbeiteter Konzeption

URG (CW) - Großes hat die Telekom 1993 vor. Neben der flächendeckenden ISDN-Versorgung soll einem bereits totgesagten Kind neues Leben eingehaucht werden: Btx feiert im Januar seine zweite Geburt im Datenmehrwertdienst Datex-J.

Ab 1. Januar 1993 wird es keinen Gast-Account mehr geben. Wer sich nach diesem Termin als Gast einwählt, wird nach Auskunft von Eric Danke, Fachbereichsleiter Informationsdienste bei der Telekom, nur noch ein Btx-Demo sehen. Zudem erhebt das Unternehmen zu den anfallenden Telefongebühren noch eine Nutzungsgebühr von sechs Pfennig in der Minute und zwei Pfennig während den Billigtarifzeiten. Der Bonner Carrier will damit die Einnahmesituation verbessern und mit den erhofften höheren Umsätzen die früheren Verluste ausgleichen.

Ob dies gelingt, wird wesentlich von der Qualität der Anbieter abhängen. "Wir wollen endlich weg vom Mickymaus-TV", so Danke zu den ehrgeizigen Plänen der Telekom. Allerdings stehen diesem Vorhaben die Länder im Wege, die unter der Führung Bayerns für den Staatsvertrag verantwortlich sind. Auf Anfragen der Telekom nach einer Änderung des Staatsvertrages - der vorsieht, daß jeder Btx-Anbieter werden kann und die Telekom keinen Einfluß auf den Inhalt hat - erhalte man nur Schweigen aus der Münchner Staatskanzlei. Gleichzeitig fordert Edmund Stoiber, bayerischer Innenminister, von der Telekom immer wieder, endlich den Schmuddelanbietern einen Riegel vorzuschieben. Danke zu der rechtlichen Situation: "Die Länder haben uns faktisch enteignet, wir können nicht über unser Eigentum verfügen."

Dank der PCs ist die Zeit für Datex reif

Trotz der rechtlichen Querelen zwischen bayerischer Staatskanzlei und Telekom erfreut sich auf Anwenderseite der Btx-Dienst wieder größerer Beachtung. So bieten die Banken ihren Kunden verstärkt Btx-Einsteigerpakete um das Electronic-Banking schmackhaft zu machen. Aus einer ganz anderen Branche kommt ein neuer Datex-J-Kunde: das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge (BAFL). Das Amt will die Asylbewerber und ihre Verteilung in die einzelnen Bundesländer künftig via Btx verwalten, da dies der einzige Netzdienst ist, der auch in den neuen Bundesländern flächendeckend verfügbar ist, so ein Regierungsdirektor des BAFL.

Neben den professionellen Anwendern, um die sich die Post in ihren Marketing-Kampagnen bemüht, hofft Danke, daß jetzt auch bei den privaten Anwendern mit PCs die Zeit für Btx und Datex-J reif ist. "Im ersten Quartal 192 wollten 84 Prozent unserer Kunden den Btx-Anschluß für den PC", so Danke. Mit "Plug & Play" -Angeboten versucht der Carrier, künftige Btx- respektive Datex-J-Kunden zu ködern. Die Sets, beispielsweise "Btx-Light", enthalten Modem, Softwaredecoder, Anschlußkabel und Handbuch. Der Inhalt von Btx-Light (Kostenpunkt: 149 Mark) hin Modem mit einer Übertragungsrate von 1200/75 Bit/s entspricht nicht dem Stand der Technik.

Bis Ende des Jahres plant das Unternehmen, die Verbindung mit dem französischen Minitel zu verwirklichen. Weitere Übergänge sollen folgen. Hinzu kommen Konzepte zur Bildung zielgruppenorientierter Anwendungspakete, die je nach

Marktsegment entweder jedem Nutzer oder nur einer geschlossenen Benutzergruppe offenstehen.

Auf der technischen Seite erweitert die Telekom die Knotenzahl auf 64 und später 150 Vermittlungsstellen. Eine flächendeckende Einwahl mit 2400/2400 Bit/s statt mit 1200/75 Bit/s zum Nahtarif soll dann Möglich sein. Bei ISDN-Anschlüssen sind Übertragungsraten von 64 000 Bit/s realisierbar.

Ab 1994 oder 1995 soll laut Danke ein analoger Zugang mit Transfergechwindigkeiten von 9600 Bit/s geschaffen werden. Heute scheitert dies noch an der Rechenleistung der Vermittlungsstellen.

Zur Decodierung der Signale sind Rechner mit 80 MIPS erforderlich. Bei einer Erhöhung auf 9600 Bit/s werden jedoch Rechnerleistungen im Bereich von 640 MIPS benötigt. Zusätzlich besteht ein Softwareproblem: Die derzeitigen Algorithmen sind nur für eine 4-Phasen-Modulation verwendbar, künftig ist jedoch eine 16-Phasen-Modulation notwendig, wofür es noch keine effizienten Algorithmen gibt, so Danke.

Neben den technischen Plänen will das Unternehmen über die Videotel Infoservices GmbH eine Konzeptstudie für eine neue Btx-Dienstleistung erarbeiten. Danke schwebt dabei ein Dienst vor, der dem amerikanischen Prodigy, einem Online. Endbenutzer- und -Konsumenten-Service, ähnelt.