Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.08.2001 - 

Problemlose Umstellung auf Basis von Alpha-Servern und Open VMS

Commerzbank implementiert SAN in Rekordzeit

FRANKFURT/M. (kk) - Die Mitarbeiter des Zentralen Servicebereichs IT Production der Commerzbank sorgten in nur sechs Wochen für die Realisierung eines Mammutprojekts: die Verlagerung des European Data Center (EDC) von London nach Frankfurt.

Mit dem Standortwechsel des EDC sollen die Anwendungen des Commercial Banking für die europäischen Auslandsstellen im Rechenzentrum Frankfurt konzentriert werden. Zur Verarbeitung, Speicherung und Archivierung der großen Datenmengen - täglich sammeln die etwa 1500 europäischen EDC-Benutzer rund 4 TB Daten, die zu verwalten sind - fehlten in der Main-Metropole jedoch Rechner, Platten- und Archivierungskapazitäten.

Den Verantwortlichen war klar, dass die Aufgabe nur durch eine Optimierung der Prozessabläufe sowie mit einer komplett neuen Infrastruktur zu lösen war. Zur Bewältigung der gewaltigen Datenmengen kam ausschließlich ein Storage Area Network (SAN) auf Basis des Fibre Channel (FC) in Frage, das hauptsächlich von vier geclusterten "GS160"-Servern (Codename "Wildfire") gespeist wird.

Trotz allem: Open VMSEines sollte jedoch gleich bleiben: Als Betriebssystem-Basis dient der Commerzbank nach wie vor das von DEC entwickelte Open VMS aber auch True 64, die auf den Alpha-Servern laufen. Josef Rudyk, System-Manager in der Abteilung IT Production, ist ein begeisterter Verfechter von Open VMS. Seiner Ansicht nach war es nur mit diesem System möglich, die Zusatzaufgabe, die der Umzug bedeutet, mit derselben Anzahl von Systemadministratoren zu bewältigen. "Bekannt ist, dass Open VMS sehr stabil läuft. Im Gegensatz zu anderen Betriebssystemen lässt es sich darüber hinaus sehr einfach mittels eines umfangreichen Satzes von Systemparametern gezielt tunen - und das größtenteils im laufenden Betrieb", erläutert der System-Manager. Zudem sei das Betriebssystem so programmiert, dass es dem menschlichen Sprachempfinden nahe komme: "Der in Open VMS implementierte Befehls-Interpreter DCL basiert auf einfachen englischen Standardausdrücken und ist dadurch leicht zu erlernen." Zusammen mit dem umfangreichen Befehlsvorrat und dem nutzerfreundlichen Help-Tool ergebe sich eine Umgebung, die das System-Mangement erheblich vereinfache.

Vier Monate bis zum produktiven EinsatzKürzlich hat Compaq als heutiger Eigner der DEC-Produkte das Ende der Alpha-Prozessoren angekündigt. Doch das bereitet den IT-Managern der Commerzbank kein Kopfzerbrechen. Wichtig sei , dass Compaq die beiden Betriebssysteme Open VMS und Tru 64 Unix "vollkommen transparent" auf den Intel Itanium portieren wolle. Gelinge dies, so sei die Hardwareplattform im Grunde unerheblich, da auf der Betriebssystem-Ebene nichts von dem Wechsel zu merken sein werde.

Die Entscheidung, das EDC von London nach Frankfurt zu verlegen, fiel Ende Dezember 2000. Am 31. März gingen die ersten Anwendungen mit der neuen Umgebung in Produktion. An vier Wochenenden wurden die am EDC beteiligten Filialen auf die neuen Systeme in Frankfurt migriert. Als Leiterin Open-VMS-Systeme innerhalb der IT Production hatte Audrey Rudyk, die Ehefrau des System-Managers, großen Anteil am Gelingen des Vorhabens. Zusammen mit Compaq und der Mount 10 Deutschland GmbH aus Ismaning bei München realisierte ihr Team die neue Hardware- und Netzinfrastruktur.

Die Alpha-Maschinen sind mit jeweils vier Prozessoren und 4 GB Hauptspeicher bestückt. Zudem sind sie in jeweils vier Partitionen unterteilt und arbeiten mit dem Betriebssystem Open VMS. Zwei der vier GS160-Server hosten je eine Partition des Data-Warehouse-Projekts, das unter Compaqs Unix-Version Tru 64 Unix läuft. Alle Daten werden über acht FC-Switches in die Speichersysteme geleitet. Neben 20 "HSG80"-Festplatten-Controllern sind auch vier Bandbibliotheken mit je sechs Laufwerken in das SAN eingebunden. Die Datensicherung der Platten (sowohl der Open-VMS-Daten als auch der Tru-64-Unix-Daten) erfolgt mittels Compaq-Archive/Backup-Software.

Nur vier Glasfaserleitungen nötigAusfallsicherheit hat bei Banken hohen Stellenwert. Daher wurden Rechner und Speichersysteme in zwei Rechenzentren verteilt installiert. Beide Standorte sind über Glasfaserverbindungen gekoppelt. Die von Adva gelieferten Multiplexer nutzen das Wavelength Division Multiplexing (WDM), das die Bündelung der Glasfasereingänge erlaubt. So kommen die Frankfurter mit nur vier der teuren Leitungen aus. Aus Sicherheitsgründen sind sie paarweise doppelt ausgelegt und werden von zwei Providern über unterschiedliche Wege geführt. Neben der zweifachen Sicherheit durch die geclusterten Wildfire-Server erreicht die Bank damit den vierfachen Schutz vor Ausfällen.

Die auf den Servern installierte Open-VMS-Cluster-Software erkennt automatisch Teilausfälle der Hardware und der Leitungsverbindungen und leitet die Datenströme beziehungsweise Rechenaufgaben selbständig auf aktive Systeme um. Das Cluster übernimmt auch die synchrone - und sichere - Spiegelung der Daten (Host-based Volume Shadowing).

Test und Training in den USAAllerdings wollten sich die Verantwortlichen vor der umfangreichen Installation davon überzeugen, dass sich die theoretische Konzeption reibungslos in die Praxis umsetzen lässt. Compaq baute deshalb in seinem Testlabor in Littleton bei Boston die gesamte Konfiguration nach. Die Systemadministratoren vom Main testeten dort die Installation. Der gleichzeitige Betrieb von Open VMS und Tru 64 Unix wurde ebenso untersucht wie die dynamische Verteilung der CPUs zwischen den Partitionen im laufenden Betrieb; diese Funktion übernimmt die "Galaxy"-Software. "Das Zusammenspiel von Host-based Volume Shadowing in Verbindung mit Open VMS sowie die Hard- und Soft-Partitionierung der Wildfire-Server funktionierte reibungslos", berichtet Audrey Rudyk. In Boston erfolgte auch das Training der Commerzbank-Mitarbeiter, die die Systeme in Frankfurt betreuen.

Die SystemeDas neue Commerzbank-Rechenzentrum in Frankfurt erhielt eine komplett neue Infrastruktur. Herzstück ist ein Storage Area Network auf Fibre-Channel-Basis. Im Wesentlichen setzt sich das Daten-Center aus folgenden Komponenten zusammen:

- Vier Wildfire-Server GS160 mit insgesamt 16 Alpha-Prozessoren und 16 GB Memory,

- 364 Festplatten mit je 18 GB Kapazität,

- 20 FC-Raid-Controller,

- acht FC-Switches,

- vier Bandbibliotheken bestückt mit je sechs DLT-Laufwerken,

- Open VMS 7.2-1H1.