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27.06.2003 - 

Mehr als 400 Mitarbeiter sollen zu IBM wechseln

Commerzbank lagert IT-Entwicklung aus

MÜNCHEN (wh) - Die IT-Outsourcing-Pläne der Commerzbank gehen weiter als bisher bekannt. Neben dem RZ-Betrieb für das Investment Banking will das Geldinstitut mehrere hundert Anwendungsentwickler an eine IBM-Tochter abgeben.

Nach dem spektakulären Outsourcing-Deal der Deutschen Bank scheinen in der Finanzbranche alle Dämme zu brechen. Hatte IT-Chef Hermann-Josef Lamberti vor einem Jahr noch darauf gepocht, Produktentwicklung, Prozesskontrolle und die Steuerung der Anwendungen im Haus zu behalten, geht die Commerzbank nun einen Schritt weiter. Zwischen 400 und 500 IT-Experten aus dem Bereich Investment Banking sollen zu einer IBM-Tochtergesellschaft wechseln.

Bei den meisten Betroffenen handelt es sich um Softwareentwickler, ist aus dem Unternehmen zu hören. Nur etwa 90 Kollegen seien dem RZ-Betrieb zugeordnet. Als im Februar dieses Jahres erstmals Outsourcing-Pläne des Frankfurter Geldinstituts bekannt wurden (siehe CW 6/03, Seite 1), gingen Beobachter noch davon aus, dass vornehmlich die IT-Infrastruktur, sprich der Betrieb zentraler Server- und Speichersysteme, einem Dienstleister übergeben werden solle.

Martin Blessing, als Vorstandsmitglied interimsweise auch für die IT der Commerzbank zuständig, hatte im Februar bereits ein Umdenken angedeutet: Neben der Auslagerung des Rechenzentrum-Betriebs, der Netze und Desktop-Services sei für den Bereich Investment Banking auch eine externe Anwendungsentwicklung denkbar, erklärte er in einer Diskussionsrunde mit IT-Verantwortlichen von Großbanken.

Der künftige CIO Frank Annuscheit, der sein Amt am 1. September 2003 antritt, gilt ebenfalls als Outsourcing-Befürworter.

Für Andreas Burau, Director Consultant bei der Meta Group, kommt die Entwicklung nicht überraschend: "In Sachen IT-Auslagerung gibt es bei den Banken keine Tabus mehr." Nach seinen Erfahrungen beginnen Finanzdienstleister typischerweise mit der Abgabe kleinerer Einheiten wie Helpdesk oder Call-Center, danach folge häufig der RZ-Betrieb. Schließlich sei der Schritt, sich von der Entwicklung zu trennen, nicht mehr fern.

Dabei spielten keineswegs nur finanzielle Gründe eine Rolle. Gerade in der Softwareentwicklung achteten IT-Verantwortliche auch auf Qualität und den Zugang zu Ressourcen und aktuellen technischen Entwicklungen durch den Outsourcing-Dienstleister. Probleme könnten entstehen, wenn nur Teile der Anwendungsentwicklung aus der Hand gegeben werden, wie dies die Commerzbank vorhat. Sind die internen Entwicklungsabteilungen nicht klar voneinander abgegrenzt, sei es schwierig, die Schnittstelle zum Dienstleister sauber zu beschreiben.

Angesichts der anhaltend schwierigen Marktlage und des immensen Kostendrucks überdenken immer mehr Finanzdienstleister ihre strategische Ausrichtung und stellen Geschäftsfelder auf den Prüfstand. Dass die geplante Auslagerung der Softwareentwicklung mit einer Neubewertung der Investment-Banking-Sparte zu tun haben könnte, bestreitet man in der Frankfurter Commerzbank-Zentrale heftig: "Investment Banking ist ein integraler Bestandteil unseres Leistungsangebots", betonte ein Sprecher auf Anfrage. Daran ändere auch ein mögliches Outsourcing der Anwendungsentwicklung nichts.

Die Geschäfte mit Applikations-Management und Business Process Outsourcing (BPO) bewegen sich in Deutschland noch immer auf niedrigem Niveau, beobachtet Burau. Gerade im Bankenumfeld aber sei ein wachsendes Interesse zu beobachten. Dabei spielten immer häufiger Offshore- und Nearshore-Programmierung eine Rolle. Eine Reihe spezialisierter Anbieter sei dabei, auch in Deutschland Präsenzen aufzubauen und den etablierten Dienstleistern einen harten Preiskampf um Großkunden zu liefern.

Im Fall der Commerzbank scheint allerdings IBM die Nase vorn zu haben. Die Hessen verhandeln exklusiv mit dem IT-Konzern, wollen aber noch keine Angaben zum Zeitrahmen oder dem anvisierten Einsparpotenzial machen. Ähnlich wie beim Outsourcing-Projekt der Deutschen Bank erweist sich die Frage des Personalübergangs als schwierig. Der Betriebsrat strebt einen Interessenausgleich mit Sozialplan an, der auch für Mitarbeiter gelten soll, die nicht zu IBM wechseln. (wh)

Gerüchte um West LB

Das Thema Outsourcing steht womöglich auch bei der West LB auf der Tagesordnung. Wie die "Wirtschaftswoche" unter Berufung auf interne Quellen berichtet, will der Vorstand die Hälfte der 1200 Mitarbeiter der ausgegründeten IT-Tochter West LB Systems in das Mutterhaus zurückholen und in die Fachabteilungen der Bank integrieren. Im gleichen Zug sei geplant, den Rechenzentrumsbetrieb zu verkaufen oder an einen Partner auszulagern. Angeblich haben sowohl IBM als auch T-Systems bereits entsprechende Outsourcing-Angebote abgegeben.