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25.10.1996 - 

ProjekteProjekt in zwei Monaten durchgezogen

Commerzbank-Niederlassung in Südafrika - just in time

Seit der Aufhebung der Apartheid wächst in Südafrika der Handel mit dem Ausland kräftig. Johannesburg entwickelt sich zusehends zu einer Wirtschafts- und Finanzmetropole von internationaler Bedeutung. Die Commerzbank hat als erste deutsche Großbank dort eine Niederlassung eröffnet.

Mit einer Repräsentanz war das Institut bereits seit 37 Jahren in Johannesburg vertreten. Heute kann die neue Filiale einheimischen und ausländischen Unternehmen die gesamte Palette von Finanzdienstleistungen anbieten. Wesentliche Voraussetzung dafür war - neben geeigneten Räumen - eine leistungsfähige lokale DV-Infrastruktur mit Anbindung an ein Rechenzentrum in London und den Hauptsitz der Bank in Frankfurt.

Da die erforderlichen Umbaumaßnahmen über den Eigentümer des Gebäudes abgewickelt wurden, konnte sich der Finanzdienstleister auf die Planung und Implementierung der DV und der entsprechenden Infrastruktur konzentrieren. Zu diesem Zweck schrieb er die komplette Planung, Implementierung und Inbetriebnahme der Installation einschließlich des gesamten Projekt-Managements aus. Dabei galt es, die hausinternen Standards zu berücksichtigen und existierende Softwarepakete einzubinden.

Den Zuschlag für die DV-Systeme und die Netzwerkprodukte erhielt die ortsansässige Niederlassung von Digital Equipment. Die Commerzbank setzt in ihrer Zentrale teilweise und in den ausländischen Niederlassungen ausschließlich Systeme dieses Herstellers ein. Die wichtigsten Anwendungen laufen unter dem Digital-Betriebssystem Open VMS. Zudem fördert die südafrikanische Regierung die Ansiedlung ausländischer Unternehmen und die Auftragsvergabe an ortsansässige Firmen.

Die DV-Installation in Johannesburg basiert heute auf einem Server des Typs VAX 4505 mit Terminals, PCs und X-Terminals an den einzelnen Arbeitsplätzen. Zentrum des Netzes ist ein intelligenter Hub von Digital mit Patch-Feldern für den Anschluß der einzelnen Systeme. Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) soll die kritischen Komponenten der Installation sichern - in erster Linie den Server, den Hub sowie die Terminals, die als Händlerarbeitsplätze eingesetzt werden. Auch die Informationsdienste von Reuters und Telerate werden durch die USV gegen Stromausfall gesichert.

Die Verkabelung erfolgte ausschließlich mit Verbindungen des Typs "UTP Category 5". Im Händlerraum installierte die Bank zudem redundante Leitungen sowie ein Nottelefon, um auch im schlimmsten Fall einen ununterbrochenen Betrieb gewährleisten zu können.

Auf dem VAX-System laufen die allgemeine Bürokommunikation (mit "All-in-one" von Digital) sowie verschiedene Commerzbank-spezifische Anwendungen für die lokale Auswertung der Datenbestände, dazu das interne Berichtswesen sowie "Pathworks" für PC-File- und Print-Services. Überdies werden dort die Berichte für die ortsansässigen Aufsichtsbehörden sowie die lokalen Bilanzen erstellt.

Zur Kommunikation mit der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt und dem in London ansässigen regionalen Rechenzentrum Europa (organisatorisch zählt Johannesburg zum alten Kontinent) dient eine Frame-Relay-Verbindung. Derzeit plant das Unternehmen, in Johannesburg eine zweite VAX zu installieren, die einige Anwendungen übernehmen soll. Das Konzept sieht zudem eine redundante Konfiguration vor: zwei Systeme, von denen jedes die Aufgaben des anderen übernehmen kann, wenn dieses einmal ausfällt.

Um einen reibungslosen Ablauf des Vorhabens zu gewährleisten, entschied sich die Commerzbank dafür, das Projekt-Management für die gesamte IT-Infrastruktur dem in Olching bei München beheimateten Systemhaus Forum GmbH zu übertragen. Laut Michael Heine, der als Projektleiter bei der Commerzbank für die Realisierung dieser Infrastruktur verantwortlich war, hatte Forum schon andere Projekte der Commerzbank realisiert, darunter eines für die Niederlassung in Shanghai.

Fast ein Ding der Unmöglichkeit

Das Projekt-Management bezog sich nicht allein auf die Implementierung der Netzinstallation, sondern erstreckte sich auf die gesamte Informationstechnik der Niederlassung - einschließlich der physikalischen Verkabelung, der Telekommunikation und der von der Commerzbank genutzten Informationsdienste.

Das Team mußte mit einem sehr engen Zeitplan arbeiten: Im November 1994 hatte sich die Commerzbank entschieden, die Niederlassung in Johannesburg zu eröffnen. Die Vorstudien nahmen einige Monate in Anspruch, so daß der Auftrag erst im Februar 1995 erteilt wurde. Am 1. Mai desselben Jahres sollte die Niederlassung bereits ihren Betrieb aufnehmen.

Dieser Termin war insofern schwer zu halten, so Friedrich Jokel, von Forum-Seite für das Projekt verantwortlich, als die Planungen eine Bautätigkeit bis Mitte April vorgesehen hätten. "Es schien uns selbst bei pünktlichster Lieferung aller Komponenten fast unmöglich, die gesamte Installation innerhalb von nur zwei Wochen zu einzurichten."

Zusammen mit dem Filialleiter der Commerzbank in Johannesburg, Götz Hagemann, und dessen Stellvertreter Clive Kellow versuchte das Forum-Team, den Zeitplan so zu modifizieren, daß der Eröffnungstermin eingehalten werden konnte. Zu den ersten Aktivitäten von Kellow und Jokel gehörten intensive Verhandlungen mit dem Gebäudeeigentümer und den am Umbau beteiligten Unternehmen - mit dem Ziel, die Fertigstellung der Räume deutlich zu beschleunigen. Schließlich einigte man sich auf einen Termin im März, der dann auch eingehalten wurde.

Lieferanten zeigten sich flexibel

Als nächster Programmpunkt folgten die Verhandlungen mit den verschiedenen Unternehmen, die mit der Verkabelung sowie der Lieferung und Installation der aktiven Komponenten beauftragt waren. Vor allem ging es darum, die Verkabelung möglichst frühzeitig abzuschließen, da hiervon alle anderen Installationen abhingen. Die ortsansässige AC Advanced Cabeling, die mit der Verkabelung beauftragt worden war, zeigte sich flexibel und konnte noch vor dem endgültigen Abschluß der Baumaßnahmen mit dem Kabelziehen beginnen.

Siemens Johannesburg lieferte die Telefonanlage, während das südafrikanische Telecom-Unternehmen Telkom die Anschlüsse zur Verfügung stellte. Auch Digital Johannesburg lieferte die Systeme und die aktiven Netzkomponenten termingerecht. Danach konnten Spezialisten der Commerzbank aus Frankfurt die Systeme konfigurieren, die Applikationen installieren und die Anwender vor Ort in das System einweisen.

"Die an diesem Projekt beteiligten Partner haben sich gesucht und gefunden", lobt Commerzbank-Manager Heine die termingerechte Abwicklung des Projekts. Wegen der zielgerichteten Vorgehensweise und guten Zusammenarbeit aller Beteiligten sei die Filiale zum geplanten Termin voll einsatzbereit gewesen.

Derzeit arbeiten in der Commerzbank Johannesburg etwa 40 Mitarbeiter. Da die Bank von einem weiteren kräftigen Wachstum ausgeht, wurde die DV-Infrastruktur gleich auf bis zu 70 Mitarbeiter ausgelegt. Dafür müssen nur zusätzliche Endgeräte eingebunden werden.

Angeklickt

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, dachte sich die Commerzbank, als die Apartheid in Südafrika aufgehoben wurde. Nachdem sie sich im November 1994 zur Gründung einer Niederlassung in Johannesburg entschlossen hatte, gab sich die Bank ein halbes Jahr Zeit, um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Die Kommunikations- und DV-Infrastruktur baute sie innerhalb von zwei Monaten auf.

*Thomas Hertel ist Inhaber der Prolog PR GmbH in München.