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07.02.2003 - 

Kostendruck zwingt die IT-Abteilungen der Banken zum Umdenken

Commerzbank plant Outsourcing mit IBM

MÜNCHEN (ba) - Die IT-Verantwortlichen der Commerzbank spielen mit dem Gedanken, Teile ihrer IT-Infrastruktur an IBM auszulagern. Damit könnte Big Blue nach dem Deal mit der Deutschen Bank Ende 2002 ein weiterer dicker Fisch aus der deutschen Bankenszene ins Servicenetz gehen.

Die Outsourcing-Pläne beziehen sich konkret auf den IT-Bereich Investment-Banking, neben dem Produktionsbetrieb und der Anwendungsentwicklung eine der drei Säulen der Commerzbank-IT, erklärt Gisela Hawickhorst, IT-Sprecherin des Frankfurter Bankkonzerns. Allerdings könne sie im Augenblick nur bestätigen, dass Gespräche mit IBM-Vertretern zum Thema Outsourcing liefen. Zwar habe es im Vorfeld auch Kontakte zu anderen Dienstleistern gegeben, aktuell werde jedoch ausschließlich mit IBM verhandelt. Ob und wann es zu einem Abschluss komme und was sich damit einsparen lasse, könne man noch nicht absehen.

Die Commerzbank kämpft seit Ende 2001 darum, ihre IT-Kosten in den Griff zu bekommen. Aufgrund der guten Ertragslage hätten die Ausgaben in den vorausgegangenen Jahren sehr hoch gelegen, erläuterte damals Commerzbank-Sprecher Peter Pietsch. Rückblickend seien die Kosten wohl ein wenig aus dem Ruder gelaufen. Daher hätten die Verantwortlichen als Ziel ausgegeben, das IT-Budget für 2002 um 20 Prozent oder 110 Millionen Euro zu kürzen.

Diese Sparvorgabe habe die IT-Abteilung der Commerzbank erreicht, bekräftigt Hawickhorst. Angesichts der momentanen Ertragsschwäche ständen jedoch alle Banking-Bereiche weiter unter dem Druck, ihre Kosten zu senken. So kündigte Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller im November letzten Jahres an, bis Ende 2003 die Gesamtausgaben des Bankkonzerns um weitere 500 Millionen Euro auf unter fünf Milliarden Euro drücken zu wollen.

Vor diesem Hintergrund würden momentan alle Sparten des Bankbetriebs auf Einsparpotenziale geprüft, erklärt Hawickhorst - auch die IT. Der Bereich Investment-Banking habe sich deshalb für die Outsourcing-Pläne angeboten, weil hier der Zwang, schnell mit neuen Technologien auf veränderte Marktanforderungen zu reagieren, besonders groß sei. Das koste Geld. In den aktuellen Verhandlungen werde nun geprüft, inwieweit IBM mit seinen Services hier einen Kostenvorteil bieten könne.

Auf IBM-Seite will man sich bislang zu den laufenden Gesprächen nicht äußern. Annette Dingeldein, Sprecherin des Bereichs Global Services bei IBM Deutschland, geht jedoch davon aus, dass mit dem Outsourcing-Entschluss der Deutschen Bank Bewegung in den Markt kommt.

Allerdings, so warnt Hawickhorst von der Commerzbank, dürfe man gerade in einer Situation, in der es den Banken nicht besonders gut gehe, ein Projekt wie Outsourcing nie leichtfertig forcieren. Die damit verbundenen Risiken müssten genau geprüft werden. "Wenn ich die Kantine auslagere, hat es keine Auswirkungen auf das Bankgeschäft. Betreibe ich jedoch IT-Outsourcing, steckt Risiko dahinter."

Diese Warnungen scheinen Nachklänge der Skepsis zu sein, die noch bis Ende letzten Jahres gegenüber Outsourcing-Plänen in der Commerzbank herrschte. Insider berichten, dass unter Michael Paravicini, Commerzbank-CIO bis zum 31. Dezember 2002, Outsourcing kein Thema war. Wenn nötig, habe man in der eigenen IT-Abteilung gespart. Seit Martin Blessing, Vorstand für das Privatkundengeschäft und zentrale Services, die IT-Aufgaben mit übernommen hat, zeichnet sich offenbar ein Kurswechsel in Sachen Outsourcing ab. Einen Zusammenhang zwischen dem Wechsel an der IT-Spitze der Commerzbank und den Outsourcing-Bemühungen wollen die Beteiligten jedoch nicht sehen. Paravicini, der seit Anfang des Jahres als Chief Information Technology Officer bei der Schweizer Versicherungsgruppe Zurich Financial Services (ZFS) arbeitet, betont, dass die neue Herausforderung bei der ZFS sowie familiäre Gründe für seine Entscheidung ausschlaggebend gewesen seien.

Dennoch zeigt die Einbindung der IT-Kompetenz in den Vorstand der Commerzbank, welche gewichtige Rolle die IT-Kosten innerhalb des Bankbetriebs spielen. Nach Ansicht von Andreas Burau, Director Consultant bei der Meta Group in Deutschland, werden Entscheidungen wie zum Beispiel über das Thema Outsourcing nicht mehr auf IT-Ebene gefällt, sondern in der Vorstandsetage: "Dort wird gesagt, was getan wird." Dies zeige, welcher Kostendruck augenblicklich auf den Banken laste.

Burau zufolge ist das Thema Outsourcing im vergangenen Jahr für die Banken immer wichtiger geworden. Allerdings ständen dabei fast ausschließlich Kostenaspekte im Vordergrund. Überlegungen, im gleichen Atemzug die dahinter liegenden Prozesse zu optimieren, würden dagegen meist vernachlässigt. Als Initialzündung für das Outsourcing-Geschäft im Bankenbereich könne sich der Deal zwischen IBM und der Deutschen Bank erweisen. Allerdings würden die anderen großen Banken jetzt erst einmal abwarten, ob die Deutsche Bank wie versprochen zu sparen vermöge. Er gehe davon aus, dass IBM bei dem Geschäft mit dem Geldhaus vorerst wenig verdienen werde: "Ein hoher Anteil des Sparpotenzials stammt aus dem Preisverhalten der IBM."

Die Wettbewerber setzen dagegen andere Prioritäten. "Wir machen nur solche Verträge, die sich auch rechnen", erklärt Carsten Gram, Geschäftsführer bei der EDS Deutschland GmbH. Interessant sei vor allem, ganze Geschäftsprozesse von den Outsourcing-Kunden zu übernehmen. Der reine Infrastrukturbetrieb entwickle sich mehr und mehr zu einem bloßen Kostenwettbewerb. Allerdings, so räumt Gram ein, falle es den Banken momentan leichter, sich von Infrastruktur zu trennen, als von Prozessen.

Nach Einschätzung von Bernd Recker, Partner bei Accenture und zuständig für den Bereich Financial Services, beschäftigen sich aktuell rund 80 Prozent der deutschen Banken mit dem Thema Outsourcing. Für die Dienstleister seien als Kunden in erster Linie kleine und mittlere Geldhäuser interessant. Sie seien eher bereit, neben der Infrastruktur auch Anwendungen und Prozesse anzupacken und zu verändern. Das funktioniere allerdings nur im Rahmen eines längerfristigen Plans. Dagegen seien die Großbanken zurzeit hauptsächlich auf rasche Einsparungen aus.

Einen Vorteil der IBM durch den Deal mit der Deutschen Bank und die Gespräche mit der Commerzbank wollen die Wettbewerber nicht eingestehen. Laut Gram und Recker verhandeln EDS beziehungsweise Accenture selbst mit verschiedenen Finanzinstituten. Dass IBM bei den ersten Mega-Deals, wie die großen Outsourcing-Projekte gerne von den Analysten bezeichnet werden, im deutschen Bankenumfeld die Nase vorn hat, lässt sich jedoch nicht wegdiskutieren. Selbst wenn die Geschäfte durch Quersubventionierung finanziert werden müssen, wie viele Experten vermuten, könnte die Rechnung der IBM-Verantwortlichen mit weiteren Bank-Deals und damit verbundenen Synergieeffekten in den nächsten Jahren aufgehen.