Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

12.11.1999 - 

Neue Wege der Personalrekrutierung

Commerzbank setzt auf einen Kobold als virtuellen Karriereberater

Mit einer Mischung aus Computerspiel und Imagewerbung möchte die Commerzbank Studierende für eine Karriere in ihrem Haus begeistern. Mit dem virtuellen Karriereberater http://www.hotstaff.com geht das Unternehmen neue Wege bei der Personalrekrutierung im Internet.

"Der Urgedanke entstand in Brüssel bei einer internationalen Rekrutierungsmesse", so Peter Reggentin-Michaelis, der Erfinder von Hotstaff. "Wieso müssen die Leute nach Brüssel kommen, wenn sie schon im Internet sind?" Die Idee einer Personalmesse im Netz beschäftigte ihn noch, als er schon wieder in seinem Frankfurter Büro im modernen Forster-Hochhaus saß. Was lag näher, als Internet, Personalmesse und das Hochhaus als Schauplatz zu verbinden? Mit einem Team und der fachlichen Beratung der Fachhochschule Darmstadt entwickelte Reggentin-Michaelis von Mitte 1997 bis 1998 eine moderate Variante von Super-Mario für die Bank.

Seit einigen Monaten ist www.hotstaff.com online. Die Zugriffszahlen liegen bei 60 Kandidaten am Tag. Kommentare im Gästebuch wie "Das hätte ich Euch Bankern nicht zugetraut" bestätigen Reggentin-Michaelis, daß seine Idee den Studierenden gefällt. Hotstaff möchte mehrere Anforderungen erfüllen: Das Image der Bank vermitteln, das moderne Hochhaus als späteren Arbeitsplatz vorstellen und mit einem kleinen Eignungstest den Interessierten die Möglichkeit geben, ihre Qualitäten als künftige Banker zu testen. Denn das Ziel ist, geeignete Bewerber für die Bank zu sichten. "Im Prinzip haben wir mit Hotstaff die gleiche Situation wie bei einer Personalmesse: Bewerber und Unternehmen lernen sich kennen und prüfen, ob sie zusammenpassen", so Reggentin-Michaelis. "Der große Vorteil ist, daß alles im Netz stattfindet."

So funktioniert es: Die Bewerber melden sich mit einem Phantasienamen an, um die Anonymität zu wahren, und arbeiten sich durch verschiedene Übungen und Fragen, etwa aus dem mathematischen Bereich. Verständnisfragen zum Bankgeschäft und Informationen zu den Arbeitsplätzen in der Bank runden das Programm ab. "Grundsätzlich soll das Ganze Spaß machen", so der Erfinder.

Statt Super-Mario führt der Hausgeist mit Namen "Cobo" die Spieler durch das virtuelle Hochhaus. Das komplette Angebot der Site ist in Englisch, da die Kenntnis dieser Sprache mittlerweile zu den Standardvoraussetzungen an die Bewerber gehört. "Das ist fast schon das Killerkriterium", so der Personalexperte. Ein anderer Grund war, daß die Commerzbank europaweit neue Mitarbeiter sucht, besonders für das Investmentgeschäft. Reggentin-Michaelis sieht Hotstaff als virtuellen Karriereberater, der den Interessierten den Erstkontakt erleichtert und viele Fragen im Vorfeld der Bewerbung klären hilft.

Am Ende des Programms erhalten die Teilnehmer ein Diagramm, das ihre Stärken und Schwächen bei den einzelnen Aufgaben widerspiegelt. Anschließend kann jeder selbst entscheiden, ob er oder sie sich für einen Bankjob bewerben will. "Wir bieten den Leuten unser Feedback an; was sie mit den Ergebnissen machen, entscheiden sie selbst." Die Personalabteilung erhält nicht automatisch eine E-Mail mit den Ergebnissen. "Wir überlassen die Initiative den Bewerbern."

Für die Idee zu Hotstaff als innovatives Instrument des Human Resources Management erhielt Reggentin-Michaelis beim 8. IIR-Personalkongreß Pekom am 18. Oktober einen Sonderpreis. Allerdings plant er schon weitere Features für Hotstaff. Bisher können die Spieler untereinander chatten, in Zukunft werden die Personaler Sprechstunden anbieten, um mit den Bewerbern via Chat ins Gespräch zu kommen. "Wir wollen die Präsentation von Geschäftsbereichen erweitern und Videoclips einfügen, in denen sich Kollegen vorstellen", so die Visionen von Reggentin-Michaelis. Vielleicht wird Cobo auch noch etwas agiler, um irgendwann den Wettlauf mit seinem großen Vorbild Super-Mario aufzunehmen.

Allerdings sollte man sich bei der Eingabe der Adresse Hotstaff nicht vertippen, denn ein "u" statt eines "a" führt direkt ins Rotlichtmilieu, und das Bankhochhaus steht in Frankfurt am Kaiserplatz und nicht in der Kaiserstraße.

*Ingrid Weidner ist freie Journalistin in München.