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18.01.1985 - 

Offensive im Business-Sektor wird vorbereitet:

Commodore schwenkt auf IBM-PC-Linie ein

MÜNCHEN/FRANKFURT - Ein Sperrfeuer an zwei Fronten bekommt derzeit Highflyer Commodore: In die Homecomputer-Domäne des 64er streben Im US-Markt die Japaner - entsprechende Geräte von doppelter Leistungsfähigkeit sind angesagt -; darüber hinaus drängt der IBM PC die angestammte Kommerz-Serie 8000 aus den Regalen der Händler.

MS-DOS, also IBM-Kompatibilität, und ein Kampfpreis (kontra IBM) sollen nun das in den Home-Bereich abgedriftete Unternehmen wieder auf Platz Nummer eins auch im Business-Sektor puschen.

Der Markterfolg der vergangenen zwei Jahre, teilweise mit Umsatz-Zuwachsraten von 267 Prozent (Deutschland 1983), flacht sich ab. Die Commodore International Ltd. erwartet Agenturmeldungen zufolge neuerdings einen niedrigeren Quartalsabsatz, immerhin noch" den

zweitbesten ihrer Geschichte". Wie der Branchendienst Computergram ermittelt hat, sollen die aktuellen Gewinne unter der Summe von 50,1 Millionen Dollar liegen, die im entsprechenden Vorjahresquartal erwirtschaftet wurden. Der Umsatz des zweiten Quartals 83/84 habe 431,4 Millionen betragen. Zwar liefen die Geschäfte sowohl in Europa als auch in den übrigen Märkten "rosig", doch beeinträchtige auch die Dollarstärke die Ergebnisse.

Eine Zäsur, wenn nicht einen Bruch, kündigt eine aufwendige Anzeigenkampagne in der deutschen Wirtschaftspresse an: Commodore präsentiert sich (wieder) als Lieferant kommerzieller Rechner. Beworben wird der 8296-D, eine "im Windkanal gestylte Maschine" - wie Designer ihr überholtes Chassis bekritteln auf der Basis des bewährten, aber doch technisch überholten 8-Bit-Prozessors 6502. Zwar ist die sieben Jahre alte Maschine in vielen Computerläden nach den IBM PCs die Nummer zwei auf den Verkaufslisten, so zum Beispiel bei Data Becker in Düsseldorf, und auch die Aufsteigermaschine für die zahlreichen Commodore-Kunden, denen der 64er nicht mehr genügt, doch ein in absehbarer Zeit untergehendes Flaggschiff. So urteilen selbst Commodore nahestehende Software-Schmieden.

Die Vorstellung des MS-DOS-fähigen Commodore PC steht unmittelbar bevor. Am 28. Januar werden ihn die Commodore-Händler, die in der Mehrzahl auch IBM-PC-Händler sind, bewundern können. Die künftige in Deutschland von Grund auf neu entwickelte Business-Maschine segelt unter bislang fremder Betriebssystem-Flagge; die Software der 8000er Reihe ist nicht übertragbar. Jedenfalls "nicht mit normalem Aufwand", wie Commodore-Geschäftsführer Alvin Stumpf zugibt. Preislich werden die neue und die alte Maschine ungefähr gleich liegen, nämlich unter 6000 Mark. Stumpf, der über die Preisalternative hinaus auch noch die Firmenalternative bieten muß, tut dies nicht gerne, aber es sei eine gewisse Stagnation eingetreten: "Doch es muß weitergehen. Ich persönlich bedauere, daß es mit dem PC in der MS-DOS-Welt weitergeht, aber das sind Fakten, die nicht von uns gesetzt sind." Die zu 90 Prozent in der Bundesrepublik gefallene Managemententscheidung pro MS-DOS sei "ganz einfach eine Referenz an den Namen IBM". Bedauerlich allerdings findet er die Entscheidung nur deshalb, "weil das Betriebssystem als solches schlechter ist".

Zwingend wurde der Sprung in die IBM-Kompatibilität auch durch die starke Überlappung des Händlernetzes. Dort hatte dem ursprünglichen, Mikromarktführer die IBM weltweit zusammen mit Apple den Platz eins streitig gemacht. Position zwei oder je nach Land und Laden drei passen aber nicht in die Strategie der auf Massenmarkt und -produktion zielenden Gesellschaft. "Wir sind nicht Missionierer, sondern diejenigen, die vorhandene und bekannte Techniken zu besonders günstigen Preisen in großen Stückzahlen bringen", umreißt der Frankfurter Geschäftsführer die Philosophie des Hauses.

Und große Stückzahlen sind in der 8000er Serie, jedenfalls für die Bundesrepublik nach Auslieferung des Commodore PC, wohl nicht mehr zu erwarten. "Ausverkauf" des 8296-D allerdings, dementieren sowohl Händler als auch die Niederlassung am Main.

Daß ein "Bruch kommen muß", bestätigte der deutsche Statthalter, "und der kommt eben jetzt." Überdeutlich erteilt er allen Hoffnungen auf Aufwärtskompatibilität im Hause Commodore eine Absage: "Wenn ein genereller Generationswechsel ansteht, muß die Kompatibilität auf der Strecke bleiben - sonst läßt man die technischen Möglichkeiten aus. "

Analysten halten den Schritt Commodores in die Welt der "Lookalikes" für unausweichlich, wenn auch nicht für ungefährlich. IBM-Kompatibilität ist, falls sie zum wesentlichen Standbein in einem begrenzten Marktsegment wird - wie zahlreiche Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit gezeigt haben - oft der Anfang vom Niedergang eines Unternehmens. Als Beispiele wurden Columbia, Eagle und Kaypro genannt.

Wieder eine eigene Weit

Noch in petto hat der Mikromarktführer einen 32-Bit-Rechner, der im August '84 aufgekauften kalifornischen Hardware-Schmiede Amiga. Dem Rechner auf der Basis des 68000 geht ein guter Ruf voraus, als hinderlich für die Vermarktung dieses vermutlich wiederum nicht Commodore-kompatiblen Produktes stellten sich zunächst Rechtsprobleme dar. "Mackiller", so der US-Nickname, soll unter 1 000 Dollar kosten und ein Marktsegment erobern, das sich in Teilen mit denen des Macintosh von Apple deckt, ferner den PC überlagert und auch noch an den 64er heranreicht. Die Maschine ist also sehr variabel geplant, wie Alvin Stumpf betont, aber noch nicht fertig. Es sei jedoch davon auszugehen, daß sich hier wieder eine eigene Welt mit eigenem Betriebssystem, möglicherweise auch mehreren auftut. Anvisierter Präsentationstermin ist die Hannover-Messe.

Eckdaten* des Commodore PC

CPU:

8088, Taktfrequenz 4,77 MHz

Arbeitsspeicher:

256 KB-RAM, erweiterbar auf 640 KB

Massenspeicher:

Zwei 5 1/4-Zoll-Diskettenlaufwerke, Kapazität 360 KB, wahlweise ein Diskettenlaufwerk und

eine 10-MB-Festplatte

Schnittstellen:

einmal parallel (Centronics), einmal seriell (RS232)

Betriebssysteme:

BIOS, MS-DOS, Coherent,

Entwicklung:

komplette Eigenentwicklung in Deutschland

Fertigung:

Braunschweiger Commodore Werk

*Nach informellen Vorabinformationen aus

dem Markt