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09.09.1983 - 

Trotz Vorpreschen von IBM und DEC

Commodore: Umsatzplus durch SW-Engagement

Während Konkurrenten auf dem Gebiet der Personal Computer und Arbeitsplatzrechner beträchtliche Verluste in diesem Marktbereich hinnehmen mußten, konnte Commodore International seinen Marktanteil weiter steigern. Der jüngste Kurseinbruch bei der Aktie von Commodore International dürfte nach Ansicht von Analytikern als Reaktion auf die Entwicklung in der gesamten Branche zu betrachten sein, da die fundamentalen Aussichten dieses Unternehmens nach wie vor durchschnittlich gut sind.

Nach dem jetzt veröffentlichten Jahresbericht konnte der Betriebsgewinn gegenüber dem Vorjahr von 1,32 Dollar auf 2,86 Dollar je Aktie gesteigert werden. Der Umsatz hat sich im Geschäftsjahr 1983 zum 30. Juni mehr als verdoppelt. Er erhöhte sich von 304,5 Millionen auf 681,2 Millionen Dollar. Dies dürfte vor allem auf das rasche Umsatzwachstum beim "Volkscomputer VC-20" und beim Kleinrechner "Commodore 64" sowie der entsprechenden Peripherie am nordamerikanischen Markt zurückzuführen sein. Die überdurchschnittlichen Gewinn- und Umsatzsteigerungen in den Jahren 1977 bis 1981 werden der erfolgreichen Expansion am europäischen Markt für Personal Computer zugeschrieben. Für das Geschäftsjahr 1984 rechnet das Brokerhaus Merrill Lynch mit einem Gewinn zwischen 4,25 und 4,75 Dollar je Aktie. Auf dem augenblicklichen Kursniveau dürfte der Titel deutlich unterbewertet sein, und der Broker glaubt, daß in den nächsten sechs bis zwölf Monaten eine wachsende Anzahl von Anlegern diese Überzeugung teilen wird. Auf dieser Grundlage wird auch eine massive Kaufempfehlung für Investoren, die an Kapitalwachstum interessiert sind, erteilt. Allerdings dürfte die Kursentwicklung des Titels mit einem gewissen Risiko behaftet sein.

Preisverfall bei Mikros abgefangen

Der Markt für Personal Computer und Arbeitsplatzsrechner wird wohl auch weiterhin rasch wachsen. Derzeit liegt die Steigerungsrate auf der Basis der abgesetzten Einheiten bei 90 bis 100 Prozent im Jahr. Der Marktanteil des Unternehmens dürfte weiter zunehmen. Nach einer Schätzung von Merrill Lynch hat Commodore bis zum Dezember 1982 mehr als 1 Million Computer der Reihe VC-20 und Commodore 64 produziert. Bis zum Ende des Kalenderjahres 1983 dürfte die Monatsproduktion 200 000 Stück erreichen. Bis Mitte oder Ende 1984 dürfte sie dann auch 300 000 bis 320 000 Stück gestiegen sein.

Trotz des jüngst beobachteten Preisverfalls bei Personal Computern konnte Commodore im Gegensatz zu vielen seiner Konkurrenten weiter Gewinne verbuchen. Die Ursache dafür ist in einem anhaltenden Rückgang der direkten Fertigungskosten in den vergangenen Jahren zu sehen. Commodore konnte nämlich während dieser Zeit seinen Bedarf an 64-KRAM-Chips aus der Produktion der Tochter MOS Technologie, die 1978 gekauft worden war, decken. Angesichts der heute zu erwartenden Nachfrage nach elektronischen Komponenten könnte jedoch in den nächsten sechs bis zwölf Monaten ein Engpaß bei diesen Chips auftreten. Davon wäre dann auch Commodore betroffen, da in jüngster Zeit Halbleiter auch von anderen Lieferanten bezogen werden mußten. Dies könnte die Steigerungsrate beim Stückabsatz begrenzen.

Nachdem sich die Gesellschaft in den vergangenen zwei Jahren im wesentlichen auf den Absatz von Hardware konzentriert hatte, ist nun ein Programm zur raschen Ausweitung des Angebots an Softwarepaketen für Unterhaltungs- und Datenverarbeitungszwecke gestartet worden. Anläßlich der letzten US-Messe für Verbraucherelektronik wurden mehr als 70 Softwareprogramme angekündigt. Dazu gehörte auch "Magic Desk", das dem Anwender einen integrierten Satz von Funktionen wie Textverarbeitung und Up-Daten bietet. Merrill Lynch rechnet damit, daß mit dem neuen Software-Angebot in den nächsten zwei Jahren insgesamt 200 bis 300 Millionen Dollar an zusätzlichem Umsatz erzielt werden können. Betrachtet man die Chancen von Commodore im Bereich der Hardware und Software zusammen, könnte die Gewinnwachstumsrate in den Geschäftsjahren 1984 und 1985 bei 50 Prozent oder sogar darüber liegen.

Konkurrenz durch IBM wächst

Während vielfach die Meinung vertreten wird, daß der Erfolg von Commodore noch 12 bis 18 Monate anhalten wird, geben einige kritische Stimmen zu bedenken, daß die Lebensdauer der EDV-Produkte immer kürzer wird. Zu dieser Entwicklung hatte das Unternehmen mit der rasch hintereinander vorgenommenen Einführung der beiden Modelle VC-20 und Commodore 64 selber wesentlich beigetragen. Die Innovationspolitik der Gesellschaft könnte sich jedoch auch gegen sich selber richten, da die bisherige Umsetzgeschwindigkeit neuer Ideen in neue Produkte wahrscheinlich nicht beibehalten werden kann. Der Chefingenieur des VC-20, der nicht mehr für Commodore tätig ist, vertritt die Auffassung, daß derzeit mit keinen neuen Produkten zu rechnen ist.

Was die Vermarktung der Produkte betrifft, so entwickelt sich der Massenabsatz immer mehr zu einem bedeutenden Vertriebsweg. In den nächsten Monaten dürfte der Trend zu Computerzentren innerhalb der großen Kaufhäuser stärker werden. Hier könnte Commodore, obgleich die Gesellschaft derzeit noch als Musterbeispiel für die Ausnutzung dieser Vertriebswege gilt, eine beträchtliche Konkurrenz durch IBM, DEC und Olivetti erwachsen. IBM wird zudem voraussichtlich schon in den nächsten Monaten eine preisgünstigere Version seines Personal Computers herausbringen. Daneben konnte der Branchenführer hervorragende Software- und Systemhäuser für sich gewinnen, was ihn in die Lage versetzt, eine breite Palette leistungsfähiger Programmpakete für professionelle Anwendungsbereiche anzubieten. Auch DEC will nach Aussagen eines Firmensprechers die Akzente eindeutig auf den professionellen Einsatzbereich fixiert wissen. Es sei Utopie zu glauben, daß in nächster Zukunft in jedem Haushalt ein Personal Computer angetroffen werden könne. Dagegen sei der Bedarf nach dedizierten Arbeitsplatzrechnern besonders bei der mittelständischen Industrie enorm.