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CIO-Circle diskutiert die Gründung eines Vereins

Community nach dem Linux- oder Windows-Modell?

07.05.2004
DARMSTADT (qua) - In dem Maße, wie der "CIO-Circle" neue "Mitarbeiter" gewinnt, wächst die Diskussion, ob es nicht an der Zeit wäre, festerere Strukturen einzuziehen. Doch die etwa 60 Teilnehmer an der zweiten Jahrestagung des "Netzwerks für IT-Manager" sehen die Gründung eines Vereins eher skeptisch.

"Anarchie ist machbar, Herr Nachbar." Als dieser Slogan in der "Szene" die Runde machte, waren viele der heute meinungsbildenden CIOs selbst Studenten - die meisten allerdings weniger auf Krawall als auf Karriere geeicht. Doch auf dem zweiten Jahrestreffen des CIO-Circle (siehe Kasten "Das Netzwerk") in Darmstadt hatten die "Anarchos" das Sagen: "Die Gründung eines eingetragenen Vereins ist Zeitverschwendung", beschrieb ein Teilnehmer die Grundstimmung: "Ich habe keine Lust, vor jeder Versammlung erst einmal den Bericht des Schatzmeisters anzuhören."

Den Anstoß für die Diskussion gaben die Ergebnisse einer Umfrage, mit deren Hilfe der neunköpfige "Initiativkreis" in Vorbereitung des Jahrestreffens die Wünsche und Anregungen der mittlerweile knapp 300 Teilnehmer ausgelotet hatte: Einige Antworten bemängelten das Fehlen eines eindeutigen Ansprechpartners. Und jeder Zehnte gab an, er wolle auf dem Treffen über die Organisation des "Netzwerks für IT-Manager" sprechen.

Offenbar ist der vor allem aus den Gründungsmitgliedern rekrutierte Initiativkreis selbst der Ansicht, er habe sich "überlebt". Er machte auch kein Hehl daraus, dass er Verantwortung und Arbeit gern auf noch mehr Schultern verteilen würde. Stellvertretend für die anderen Mitglieder präsentierte Henning Stams, CIO der Hamburger Unternehmensberatung Mummert Consulting, deshalb zwei Alternativen zum "Business as usual":

1. die Gründung eines eingetragenen Vereins (e.V.) und

2. die Unterstützung des Initiativkreises durch einen Trägerverein, dem nur wenige Circle-Teilnehmer beitreten müssten.

Einige der Zuhörer konnten sich vor allem für den zweiten Vorschlag erwärmen. Eine "juristische Person" trüge zur "Professionalisierung" des Netzwerks bei, lautete ihre Argumentation. Beispielsweise könnte sie für die Homepage des CIO-Circle die Verantwortung im Sinne des Presserechts übernehmen. Zwar ist die Web-Plattform weitestgehend von der Öffentlichkeit abgeschirmt; Jobangebote, Teilnehmerprofile und Fachanfragen stehen ausschließlich den registrierten CIOs offen. Doch für den öffentlichen Bereich des Internet-Auftritts muss bislang der an der Technischen Universität München (TUM) lehrende Wirtschaftswissenschaftler Helmut Krzmar den Kopf hinhalten.

Über einen Trägerverein wäre es zudem einfacher, so die Befürworter weiter, den CIO-Circle als "Marke" zu verteidigen. Einige plädierten auch für eine offensivere Lobby- und PR-Arbeit, wozu ein Führungs- oder Sprechergremium unerlässlich sei. Sie wünschten sich beispielsweise ein "Sprachrohr", um zu bestimmten, die Arbeitswelt der CIOs betreffenden Themen eindeutig Position beziehen zu können. Doch andere verwahrten sich gegen den Zwang, eine mehrheitsfähige Meinung zu bilden.

Bei den meisten der anwesenden Teilnehmer überwog die Skepsis gegenüber der Institutionalisierung ihrer Arbeitsgemeinschaft. Es drohe ein bürokratischer Overhead, der zu Lasten der Inhalte gehen würde, konstatierten sie. "Das wäre für mich ein Grund, wieder auszutreten", bekannte ein CIO vor dem Plenum. Der Circle solle sich auch weiterhin eher am Linux- als am Windows-Modell orientieren, forderte ein anderer.

Erfolgreiche Anarchie

Tatsächlich funktioniert die quasi anarchische Organisation recht gut. Wie der Initiativkreis mitteilte, fanden sich in den vergangenen zwölf Monaten 19 Workshops zusammen. Zudem wurden auf www.cio-circle.org rund 40 "Fachanfragen" platziert, die teilweise umfangreiche Diskussionen nach sich zogen. Mit diesen Anfragen können sich die Teilnehmer Rat und Hilfe bei konkreten Problemen ihres Arbeitsalltags einholen.

Den größten Nutzen des Netzwerks sehen die Teilnehmer allerdings in der Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zum Networking. Dazu tragen sie selbst bei, indem sie eigenständig Arbeitsgruppen einberufen und beherbergen. Die Spannbreite der möglichen Themen reicht dabei vom "IT-Marketing" bis zur "ERP-Auswahl". Einige der in den vergangenen zwölf Monaten abgehaltenen Workshops präsentierten in Darmstadt ihre - vorläufigen - Ergebnisse. Den weitaus größten Zulauf hatte dabei die vom frisch gebackenen Chef der Bayer Business Services, Andreas Resch, moderierte Veranstaltung zum Thema "IT-Strategie" - möglicherweise ein Indiz dafür, dass die CIO-Zunft vor allem daran interessiert ist, die Grundlagen ihres Geschäfts zu diskutieren.

Ein anderer Workshop ist angetreten, einen zusätzlichen Anreiz für die Teilnahme am CIO-Circle zu schaffen. Dank eines im Aufbau befindlichen Benchmarking-Werkzeugs sollen die CIOs zumindest eine grobe Vorstellung davon erhalten, wie sie mit ihren IT-Kosten im Vergleich zu anderen Unternehmen derselben Branche und Größenordnung dastehen.

Als Initiator des Workshops appellierte Stams an die Teilnehmer, ihre jeweiligen Daten möglichst alle in das Tool einzuspeisen. Die Kosten sind dabei aufgespalten in Anteil am Umsatz sowie Ausgaben pro IT-Mitarbeiter, Arbeitsplatz und User-Call, wobei die letztgenannten Kriterien noch mehrfach unterteilt sind. Jeder brauche aber nur das auszufüllen, was zu ermitteln er in der Lage sei, erläuterte Stams.

Benchmark-Tool für Mitglieder

Wenn eine gewisse Datenmenge erreicht ist, kann das Werkzeug einen detaillierten Benchmark vielleicht nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen, indem es für den gewählten Datenausschnitt die Durchschnittswerte und die Abweichungen ermittelt. Zudem bietet Stams an, quasi als Clearing-Stelle zu fungieren, über die sich - anders als bei eingekauften Performance-Vergleichen - im Bedarfsfall der Kontakt zu Teilnehmern mit besonders interessanten Datenkonstruktionen herstellen lasse. Derzeit haben allerdings erst 21 Unternehmen ihre Daten eingestellt.

Hier lesen Sie ...

- wie die CIO-Community funktioniert,

- welche Themen sie derzeit diskutiert und

- was für eine Teilnahme an dem Netzwerk spricht.

Geplante Workshops

Wenn gefragt wird, wer organisatorische Arbeit übernehmen will, halten die meisten Versammlungen kollektiv den Atem an. Nicht so der CIO-Circle. Auf die Frage, wer zu welchem Thema einen Arbeitskreis einberufen möchte, konnte sich der Protokollführer kaum retten vor Angeboten. Hier eine Auswahl:

- IT-Strategiefindung,

- Leistungverrechnung und Kosten,

- technologischer Forecast,

- Projekt-Management,

- Itil, Prince II & Co.,

- IT-Lifecycle-Management,

- mobile Kommunikation,

- IT-Selbst-Marketing,

- Voice over IP,

- Portaltechnik,

- Balanced Scorecard,

- IT-Sicherheit,

- Rezentralisierung,

- Business Continuity und

- Auswahl eines ERP-Systems.

Das Netzwerk

Im September 2002 von einer Handvoll IT-Verantwortlicher und dem Wirtschaftswissenschaftler Helmut Krczmar gegründet, hat sich der "CIO-Circle" zu einem Netzwerk mit fast 300 Teilnehmern entwickelt. Es versteht sich als "Arbeitsgemeinschaft", die von der Eigeninitiative der "Mitarbeiter" getragen wird. Die treffen sich einmal im Jahr zum Erfahrungsaustausch, zur Klärung organisatorischer Fragen und zum "Networking". Vor allem aber sind sie aufgerufen, selbständig regionale Workshops zu ihnen am Herzen liegenden Themen zu veranstalten. Auf das beträchtliche IT-Know-how der Community können sie aber auch durch Web-basierende "Fachanfragen" zugreifen. Die Mitarbeit am CIO-Circle ist kostenlos, erfordert aber eine detaillierte Qualifizierung via www.cio-circle.com. Teilnehmen dürfen - anders als beim kostenpflichtigen "CIO-Forum" - nur CIOs, also keine Dienstleister und Berater.