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18.11.1994

Compaq hat Plaene fuer den neuen Markt Die Verbindung zwischen PC und Consumer-Elektronik wird enger

MUENCHEN (kk) - Multifunktionalitaet und/oder Kommunikationsfaehigkeit heissen die Anforderungsprofile, die die Marketiers den Entwicklern in den PC-Labors vorgeben. Schon seit laengerem sind Geraete auf dem Markt, die ein komplettes Buero mit PC, Drucker, Fax, Scanner und Anrufbeantworter beherbergen. Bisher stammen sie meist von Peripherieherstellern. Die PC-Bauer gehen nun einen Schritt weiter und naehern sich der Heimelektronik, wie unter anderem die juengsten Plaene von Compaq beweisen.

Die Euphorie der PC-Hersteller scheint - noch dazu vor dem Weihnachtsgeschaeft - ungebremst: Der Anwender zu Hause ist in das Fadenkreuz der Marketingkanonen gerueckt. Multimedia- und Kommunikationsfaehigkeiten der Hardware sollen die Hausbank in das Wohnzimmer und die elektronischen Briefe auf den Kabelweg bringen - alles in Farbe, und moeglichst mit Musik.

Die einzelnen Hersteller variieren dabei Geraete und Zielgruppen nur um Nuancen. Angesprochen sind der multimediale Privatmensch und oft in Personalunion der kommunikationshungrige Betreiber eines Soho

(Small office, home office).

Apple beispielsweise fuehrt in diversen Fernsehspots die vielfaeltigen Nutzungsmoeglichkeiten seiner Heim-PCs vor und laesst den Jungen auf Knopfdruck von seinem Computerspiel in die Laenderdatenbank springen und Vaters Frage nach der Einwohnerzahl Australiens (17 Millionen) umgehend beantworten. Fast wie im richtigen Leben kann auch der Vater seine Tabellenkalkulation unterbrechen und sich das Tor des Tages live in ein Fenster auf den Bildschirm holen.

Noch Zielgruppen-orientierter sind die Plaene von Compaq, ueber die kuerzlich im "Wall Street Journal" zu lesen war. Unter die Rubrik "Heimelektronik" laesst sich "Mr. PC Head" subsumieren, den die Pfeiffer-Company schon im kommenden Jahr auf den Markt bringen will. Dahinter versteckt sich eine optische Scheusslichkeit mit violetten Fuessen, Bierbauch und Prinz-Charles-Ohren.

Das Fuenf-Kilogramm-Geraet ist fuer Kinder gedacht und bietet in einem Gehaeuse einen tragbaren PC, Stereoanlage, Telefon und Fernseher. Der Prototyp einer entsprechenden Version fuer Teenager ist ebenfalls fertig. Beide Multifunktionsgeraete sollen ab 600 Dollar zu haben sein.

Daryl White, Finanzverantwortlicher bei Compaq, wuerde es nicht wundern, "wenn in fuenf Jahren Sony unser schaerfster Konkurrent waere". Getrieben wird das Unternehmen allem Anschein nach von der Angst, den Anschluss zu verlieren und "die IBM der Neunziger zu werden", wie das Blatt den Manager zitiert. Die traditionelle Consumer-Elektronik benoetigt staerkere Prozessoren und mehr Speicherkapazitaet.

Mit dieser Meinung steht man bei Compaq nicht alleine. Auch IBM, Hewlett-Packard oder seit kurzem AT&T Global Information Solutions (vormals NCR) setzen auf das Zusammenwachsen beider Maerkte. Die andere Seite, also die grossen Hersteller von Unterhaltungselektronik wie Sony, Sega oder Nintendo strecken ihre Fuehler nach mehr Leistung aus. Bekannt geworden ist unter anderem eine Kooperation zwischen Silicon Graphics und Nintendo fuer die Entwicklung von 64-Bit-Prozessoren auf Basis der Mips-RISC-Technik oder die Zusammenarbeit der Hitachi Ltd. mit Sega Enterprises Ltd. Das Positive an solcher Kombination ist, dass es keine Rolle spielt, ob und wann die Datenautobahn kommt und was die Benutzung kostet.

In den USA herrscht derzeit Raetselraten darueber, wie sich der Entschluss der Arpa - einer Agentur des Verteidigungsministeriums - , die Zuschuesse in Hoehe von zwoelf Millionen pro Jahr fuer das Internet zu streichen, auf den Datenverkehr in dem wohl beliebtesten Weitverkehrsnetz auswirken wird.

Mit milliardenschweren Fusionen von Telefon-, Kabel- und Filmgesellschaften in den vergangenen zwei Jahren versuchten sich die alteingesessenen Unternehmen eine gute Startposition fuer den erhofften Boom im interaktiven Geschaeft mit dem Endverbraucher zu sichern. Softwareguru Steven Jobs spricht in einem Interview mit der Musikzeitschrift "Rolling Stone" den Experten bei den Telefon- und Kabelbetreibern allerdings jegliches Verstaendnis fuer die Problematik ab: "Die kapieren nicht, dass nur ein stinknormaler Computer notwendig ist, um alle Funktionen zu steuern. Aber dass sie, damit dieser Computer ueberhaupt funktionieren kann, eine verdammt ausgefuchste Software auf die Beine stellen muessen."

Kommunikationsfreudige PCs fuer den Soho-Markt

Begriffen hat das offensichtlich die deutsche Telekom, die kuerzlich in Dresden ein Entwicklungszentrum fuer Software gegruendet hat. Dort sollen Programme fuer Home-Shopping oder interaktiven Fernunterricht entstehen. Zuvor sicherte sich Telekom-Chef Ricke die Zusammenarbeit mit Microsoft und Intel, um im Multimedia- Geschaeft der Zukunft als globaler Anbieter auftreten zu koennen.

Telekommunikationsspezialist AT&T und dessen Tochter Global Information Solutions (GIS) verfuegen - zumindest in den USA, spaeter einmal auch bei uns - bereits ueber die entsprechenden Leitungswege fuer seine kuerzlich vorgestellten PCs. Sie zielen ab auf "Personal Computing & Communications" und sollen in den Soho- Bereich verkauft werden.

Unter dem Namen "Globalyst" bringen die Amerikaner Notebooks und Standgeraete auf den Markt, die sich insbesondere durch das vorinstallierte Softwarepaket "Officecom plus" von Konkurrenzprodukten abheben sollen. Neben Textverarbeitung und Tabellenkalkulation beherrscht die Software auch das Telefaxen und uebernimmt Funktionen wie Anrufbeantworter, Home-Banking, Compuserve oder Datex-J. Integriert in jedem Geraet ist ein Voice- Fax-Datenmodem, fuer ein CD-ROM-Laufwerk muss extra bezahlt werden. Globalyst-PCs sind ab 2299 Mark zu haben.