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23.10.1992 - 

OEM-Vertrag mit SCO und Service von der Telekom

Compaq rundet Server-Angebot ab und setzt noch einen drauf

MÜNCHEN (jm) - Die Compaq Computer Corp. hat ihre diesjährige Produktoffensive mit der Vorstellung der preisgünstigen "Prosignia"-Server und der leistungsstarken PC Hosts "Systempro/XL" sowie der Massenspeicher-Erweiterung "Proliant" abgeschlossen. Außerdem gaben die Texaner ein Serviceabkommen mit der Telekom sowie einen OEM-Vertrag mit SCO bekannt.

Mit der Zangenstrategie, sowohl sehr preisgünstige als auch extrem leistungsfähige Server anzubieten, könnte Compaq ähnlich viel Bewegung in das Segment der PC-Host-Systeme bringen wie schon mit dem Einstieg in die Niedrigpreis-Klasse der PCs im Juni dieses Jahres.

Kim Brown vom Marktforschungsinstitut International Data Corp. sieht auf den PC Host-Bereich durch Compaqs Ankündigung eine regelrechte Springflut zukommen: "Das wird die gesamte Server-Landschaft verändern." Die Topsysteme der XL-Server sollen zukünftig statt bislang mit zwei mit vier CPUs ausgestattet werden können, wobei bei beiden Modellfamilien die Hochrüstmöglichkeit auf Intels P5-Rechenwerk bestehen soll.

Mit der neuerlichen Produkt. offensive könnten die Compaq Entwickler um Chefingenieur Gary Stimac gegenüber Big Blue im drei Milliarden Dollar schweren PC-Server -Markt wieder Boden gutmachen. Auf diesem Terrain einstmals Champion, fielen die Texaner auf einen weltweiten Marktanteil von weniger als zehn Prozent, während IBM 18 Prozent hält.

Wegen der zunehmenden Konkurrenz durch Superserver Anbieter wie Parallan, (deren Technologie hat Big Blue jetzt in die Server 295 der Premium-Line übernommen, außerdem hält die IBM eine Minderheitsbeteiligung an der Firma aus Mountain-View, Kalifornien) Tricord oder Netframe und Wettbewerber, die ebenfalls Mehrprozessor-PCs ins Rennen schicken, etwa Everex, DEC, ALR, SNI etc., entwickelten sich die Umsätze bei Compaqs Leistungsträger Systempro eher enttäuschend. 1992 erwarten Analysten aus diesen Verkäufen lediglich 220 Millionen Dollar.

Vor allem mit den Prosignia Rechnern hofft die Company den Rahm vom als besonders Lukrativ eingeschätzten Marktsegment der kleinen und mittleren Unternehmen abschöpfen zu können. In diesem Geschäftsbereich sind nach Meinung von Technik-Guru Stimac die Kunden zu bedienen, die für ihre kleinen Büronetze einen Server benötigen.

Michael Schiffers, Manager Bereich Technik bei der Compaq Computer GmbH, führte die vier Prosignia-Rechner "1/EL", "1/SCSI-NIC", "550" sowie "1120" denn auch als preisgünstige File-Server für kleine und mittlere Betriebe ein. Die Einstiegs-Hosts kosten zwischen 4000 und 13000 Mark.

Die drei neuen Systempro XL-Modelle ("1", "1020" und "1050") hingegen seien - unter anderem wegen der erstmals präsentierten "Triflex-"Busarchitektur - für höhere Leistungsanforderungen ausgelegt.

Auch im Preis heben sie sich erheblich von den Prosignia-Maschinen ab: Mindestens 19 000 Mark, in der höchsten Ausbaustufe bis zu 28 000 Mark muß der Kunde bezahlen. Allerdings schränkte Schiffers gleich ein: " Das sind nur unsere Preisempfehlungen." Die Straßenpreise, gab er den Schwarzen Peter an die Händler weiter, werden wohl weit unter diesen Angaben liegen.

Die Massenspeichererweiterungs-Einheit Proliant erhielt ein Design, das sich an die Systempro-Rechner anlehnt. Pro Einheit lassen sich bis zu sieben SCSI-II-Festplatten, zu eine maximalen Speicherkapazität von 7,35 GB zusammenfassen Wiederum bis zu vier Proliant, Erweiterungen ergeben zusammengekoppelt eine Höchstausbaustufe an Peripheriespeicher von 29,4 GB. Die Technologie hat Compaq von NCR geborgt die Plattenlaufwerke stammen von Hewlett-Packard und Fujitsu.

In Sachen Betriebssystem bestehen laut Schiffers Vereinbarungen mit Novell für Netware 3.11 sowie mit Microsoft für das erst noch auszuliefernde Windows NT. Zudem unterhalte man ein "Joint Integration Agreement" mit Banyan für Vines sowie eine "Zusammenarbeit" mit der IBM für OS/2.

Der OEM-Deal mit SCO berechtigt Compaq, sowohl Unix-Betriebssystem V/386 als auch andere Software in Europa, Asien und dem pazifischen sowie dem lateinamerikanischen Raum zu vertreiben. Hierzu gehören die Version 4 des Unix-Betriebssystems selbst die Multiprozessor-Variante "MPX " sowie SCO-Netz- beziehungsweise Entwicklungs-Software.

Die Pfeiffer-Company landete anläßlich der Server-Vorstellung übrigens noch einen kapitalen Seitenhieb auf ihre texanische Konkurrenz Dell Austin: Die Direktvertreiber vergeben bislang für ihre per Telefon verkauften Systeme ein Jahr kostenlose Garantie. Compaq gewährt Kunden ab sofort auf die Prosignia- und Systempro/XT Server-Modelle eine dreijährige Garantie.

Vice-President Kurt Dobitsch schränkte übrigens die Support Kooperation mit der Telekom insofern ein, als er den für Neugeräte ab 1. Oktober 1992 gültigen zwölfmonatigen kostenlosen Vor-Ort-Service durch Kundendienst der Ricke-Organisation zwar für Compaq PC Benutzer angewandt wissen wollte, jedoch " in der ersten Phase nur für die Prosignia und Contura-Linie". Hierbei handelt es sich um die im Juni vorgestellten Low-level-PCs der Texaner.

Kein anderer Dienstleister der Bundesrepublik biete ein dermaßen flächendeckendes Servicenetz wie die Unterabteilung von Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling, erklärte Dobitsch die ungewöhnliche Allianz zwischen deutschem Beamtentum und amerikanischen Entrepreneuren. Die bürokratischen Hilfsdienste reichten. so der Compaq-Manager, von der Installation über die Wartung bis zu individuell zu gestaltenden Wartungsverträgen in Projekten.

Compaq mit der Telekom unter einem Servicedach

Im Falle einer Störung wendet sich der Anwender wie gehabt an den technischen Kundendienst von Compaq, der wiederum den Einsatz von "in den letzten Wochen produktspezifisch ausgebildeten" Telekom-Mitarbeitern initiiert.

Die XL-Server arbeiten jetzt mit bis zu zwei 486DX-CPUs (50 Megahertz), zukünftig können nach Unternehmensangabe bis zu vier P5-Prozessoren eine Rechenleistung bringen, bei der typischen Midrange-Systemen etwa eine AS/400, das Fürchten gelehrt werden könnte. Zu der Systemgesamtleistung dürfte nicht unerheblich die Aufsplittung des Buskonzepts beitragen: Bei Compaqs Triflex-Architektur entkoppelten die Ingenieure den 64 Bit breiten Prozessorbus vom 128-Bit-Speicher- sowie dem 32-Bit-EISA-Systembus. Der Datenfluß dieser Bussysteme- zwischen Prozessor- und Speicherbus beträgt der Datendurchsatz 267 MB/s- wird durch einen "Dataflow-Manager" verwaltet.

Von Bedeutung, weil als Herz eines Netzes gedacht, ist der vorinstallierte 32-Bit-"Netflex"-Controller bei beiden Server-Linien: Er unterstützt die Topologien von Ethernet 10Base-T, Ethernet AUI und läßt sich - optional - auf Token Ring STP sowie UTP umrüsten.

Einen sehr interessanten Aspekt der Wandlungsfähigkeit der XL-Architektur offenbarte John Dunkle, President des Marktforschungsinstituts Workgroup Technologies Inc. aus Hampton, New Hampshire. Seiner Meinung nach ist die Architektur sowohl für Intel-CISC Prozessoren als auch für RISC CPUs ausgelegt.

Solch ein Zwittercharakter würde zu den unbestätigten Informationen aus Motorola-Kreisen passen, die die Edelcloner aus Houston mit der IBM-Motorola Gemeinschaftsentwicklung, dem RISC-Baustein Power-PC, in Beziehung gebracht hatten.

Eckhard Pfeiffer, deutsches Oberhaupt des Unternehmens, hatte sich in bezug auf Compaqs scheinbar ad acta gelegtes RISC Engagement gegenüber der COMPUTERWOCHE sibyllinisch ausgedruckt: " Als wir - im Februar glaube ich - sagten, jetzt hören wir auf mit RISC, haben wir ausdrücklich betont, daß wir auch weiterhin Augen und Ohren offenhalten, um, die Entwicklung weiter zu verfolgen." Man wolle, wenn sich bei RISC Dinge vollziehen, die nicht mehr mit den damaligen Überlegungen und Entscheidungen in Einklang zu bringen seien, am Ball bleiben.