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16.05.1997 - 

Fusionsgespräche ergebnislos abgebrochen

Compaq und DEC finden nicht zueinander

DEC geht es nicht gut. In drei der vergangenen vier Jahre mußte der ehemalige Midrange-Marktführer teils erhebliche Verluste hinnehmen. Deshalb halten sich schon lange die Gerüchte um eine Übernahme der ehemaligen Nummer zwei im weltweiten Computergeschäft. Spekulationen gab es sogar dahingehend, Microsoft sei an DEC interessiert. Vordergründig sehr viel mehr Sinn machten da Verhandlungen, die Compaqs CEO Eckhard Pfeiffer nach Berichten des "Wall Street Journal" 1995 und 1996 mit seinem DEC-Antipoden Robert Palmer führte. Beide Seiten hätten bereits ein generelles Einvernehmen über einen möglichen Kaufpreis für DEC gehabt. Diesen bezifferten sie mit neun bis zehn Milliarden Dollar. Die Verhandlungen seien vergangenen Sommer an Management- und Strukturfragen gescheitert.

Fraglich bleibt, was Compaq von einer DEC-Übernahme hätte. Zu den Aktiva der Palmer-Company gehört zum einen die Alpha-Prozessor-Technologie. Diese RISC-Chips stellen nach wie vor das Maß aller Dinge dar, geht es um die reine Rechenleistung. Die Investitionen in die Alpha-Technologie haben sich zudem mittlerweile amortisiert.

Compaq würde sich eine etablierte und ausgereifte Technologie kaufen. Insbesondere für das Segment hochleistungsfähiger symmetrischer Multiprozessor- (SMP-)Server könnte die Pfeiffer-Company nach einer DEC-Übernahme mit einem Hardware-Angebot aufwarten, das ihre "Prosignia"- und "Proliant"-Server am oberen Ende durch Alpha-Server abrunden würde.

Das Marktforschungsinstitut Forrester Research argumentiert, der texanische PC-Marktführer habe mit NT und Alpha-Systemen eine gute Chance, sich in Marktsegmenten durchzusetzen, in denen anspruchsvolle Aufgaben erledigt werden müssen: bei kommerziellen Software-Applikationen wie R/3 oder bei Data-Warehousing-Anwendungen.

DEC kann darüber hinaus mit einem weiteren Pfund wuchern, das nur zu gut in Pfeiffers ehrgeizige Pläne passen würde: Der alerte Deutsche will mit Vollendung des Jahrs 2000 mit einem Umsatz von 40 Milliarden Dollar zum drittgrößten Computerunternehmen hinter IBM und HP avancieren. Um aber bei Großunternehmen glaubhaft auftreten zu können, braucht Compaq eine Serviceorganisation, wie sie DEC besitzt.

Die zirka 20000 Mann starke Maintenance-Division von DEC erwirtschaftete 1995 etwa sechs Milliarden Dollar Umsatz. Mit den DEC-Leuten würde sich Compaq, argumentiert Forrester Research zutreffend, einen Direktvertrieb mit weitreichender NT-Erfahrung und eine Serviceorganisation mit rund 1200 Microsoft-zertifizierten Ingenieuren einkaufen.

So sehr diese Argumente von einem rein analytischen Standpunkt aus zutreffen mögen, gibt es doch auch kontrapunktische Erwägungen. Im Gespräch mit der CW bestätigte Compaq-Chef Pfeiffer, die Risiken einer Übernahme seien nicht genau kalkulierbar. Der als harter Rechner bekannte Manager fragt sich zudem, wie der Aderlaß an Personal - DEC-Boß Palmer hat sein Unternehmen innerhalb dreier Jahre um die Hälfte auf etwa 55000 Mitarbeiter (Compaq: 20500) reduziert - zu bewerten sei. "Die Besten gehen doch immer als erste", sagte Pfeiffer, der sich darüber hinaus fragt, was für eine Moral bei einem Unternehmen noch herrschen kann, das fast immer nur mit negativen Schlagzeilen assoziiert wird.

Ähnlich sieht es ein DEC-Mitarbeiter, der gegenüber der CW meinte, daß Pfeiffer "erstmal Tausende von Leuten rausschmeißen müßte". Ob die dafür notwendigen Aufwendungen eine sinnvolle Anlage von Compaqs etwa 4,5 Milliarden Dollar Bargeld sein würden, dürfte fraglich sein.