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Streit um Interoperabilität geht unvermindert weiter

Compaq und EMC schließen Speicherpakt

23.11.2001
MÜNCHEN (ba) - Compaq und EMC wollen gegenseitig die Schnittstellen ihrer Speichergeräte offen legen. EMC wertet dies als Beitritt Compaqs zur eigenen Auto/IS-Initiative, doch Compaq spricht nur von einer begrenzten Kooperation.

"Diese Vereinbarung unterstützt unsere Kunden dabei, ihre Informationen besser verwalten zu können", wirbt Don Swatik, EMCs Vice President für die Bereiche Allianzen und Information. Mit dem nun getroffenen Lizenzabkommen reagieren beide Unternehmen auf die Nachfrage nach plattformübergreifenden und interoperablen Speicherlösungen, die sich zentral verwalten lassen, bestätigt Mark Sorenson, Vice President für die Bereiche Lösungen und Software innerhalb der Compaq Enterprise Storage Group.

Vorgesehen ist, dass beide Beteiligten die Application Programming Interfaces (APIs) ihrer Storage-Devices für den anderen offen legen. Dies erlaubt den Vertragspartnern, Speicher-Management-Anwendungen zu entwickeln, mit denen sich neben den eigenen Produkten auch Geräte des anderen Herstellers verwalten lassen.

Trotz aller Beteuerungen von Branchengrößen wie EMC, Compaq, IBM oder Hitachi Data Systems (HDS), die Interoperabilität in Speichernetzen zu verbessern, kämpfen die Anwender bis heute mit Schwierigkeiten auf diesem Gebiet. Das soll sich laut EMC und Compaq nun ändern.

Nicht alle Probleme vom TischEines ist nach Ansicht von Experten jedoch klar: Auch mit der jetzt getroffenen Vereinbarung sind längst nicht alle Speicherprobleme vom Tisch. So bezieht sich der Deal zwischen dem Storage-Primus und dem PC-Hersteller vorerst auf ein begrenztes Produktspektrum. EMC wird die Schnittstellen seiner Highend-Speicherfamilie Symmetrix offen legen. Im Austausch dafür offeriert Compaq die APIs seiner Storage-Systeme vom Typ "HS G80". Allerdings arbeite man daran, auch andere Produkte einzubeziehen, erklären beide Seiten.

Ob das geschehen wird, ist jedoch zweifelhaft. Schon die jetzt beschlossene Kooperation wird von beiden Seiten unterschiedlich interpretiert. EMC versteht die Vereinbarung als Beitritt Compaqs zur eigenen Auto/IS-Initiative. Im Rahmen dieses Vorhabens sollen auf Basis der Middleware "Wide Sky" Anwendungen entwickelt werden, damit sich auch Geräte anderer Hersteller verwalten lassen.

Analysten werten die Vereinbarung als Pluspunkt für EMC. Je mehr Teilnehmer EMC für das neue Programm gewinnen kann, desto mehr Funktionen wird die neue Speicherverwaltung bieten, erläutert Tony Prigmore, Analyst der Storage Enterprise Group.

Bei Compaq sieht man die Kooperation jedoch in anderem Licht. Es wäre leichtsinnig, einer Initiative beizutreten, in der EMC die Steuerzentrale besetzt, zitiert der britische Nachrichtendienst "Computerwire" einen Compaq-Sprecher. Wide Sky sei eine proprietäre Middleware, die man nicht unterstützen werde. Compaq arbeitet weiter an der eigenen Speicher-Management-Suite "Versastore".

Allgemein scheint sich ein Trend zu mehr Offenheit im Speichergeschäft abzuzeichnen. Dies sei aus Kundensicht positiv zu bewerten, resümiert Meta-Group-Berater Norbert Deuschle. Andererseits bleiben die Speicherhersteller Konkurrenten in einem gnadenlosen Wettbewerb.