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PC-Hersteller steigt in Printermarkt ein


11.09.1992 - 

Compaqs Drucker sollen HP und Konsorten das Fürchten lehren

BRÜSSEL (jm)-Mit zwei Laserdruckern der gehobenen Leistungsklasse betritt Compaq unbekanntes Terrain und hofft, das Image der Ein-Produkt-Firma ablegen zu können.

Nachdem Mitte Juni 1992 die Low-cost-Systeme der "Prolinea"-Familie aus der PC-Division für einige Aufmerksamkeit sorgten, will sich der PC-Cloner aus Houston, Texas, mit der Peripherals Division eine weitere Produktplattform aufbauen, um sich gegen marode Tendenzen im PC Segment besser absichern zu können (vgl. CW Nr. 36 vom 4. September 1992, Seite 26: "Compaq stellt...").

Mit den beiden "Pagemarq"-Modellen entfernt sich die texanische Company erstmals von ihrer Strategie, auf eine einzige Produktklasse zu setzen. Immer wieder aufkommende Gerüchte, Compaq werde zumindest die alleinige Ausrichtung auf Intel-CISC-Prozessoren aufgeben und sich auch im RISC-Bereich mit leistungsstarken Workstations engagieren, dürften vom Tisch sein: Spätestens seit Compaqs Austritt aus der ACE-Initiative sowie der vor einigen Wochen erfolgten Vorstellung der "Prolinea"-Low-end-Produkte als Goldesel scheint klar, daß man in Houston wieder ausschließlich auf CISC und Intel setzt.

Dies gilt auch vor dem Hintergrund der zu erwartenden sehr leistungsstarken P5-CPUs von Intel, die für PC-Nutzer durchaus attraktive Leistungsoptionen offerieren werden - für Compaq offensichtlich Grund genug, nun doch das Wohl und Wehe der Company einer einzigen Prozessorarchitektur anzuvertrauen.

Für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 1992 konnte Compaq übrigens sowohl beim Umsatz (plus 15 Prozent) als auch beim Nettogewinn (plus 43 Prozent) Steigerungen melden. Für diese positive Wende ist dabei der Absatz der am 15 Juni 1992 vorgestellten neuen Systeme noch nicht verantwortlich.

Das ändert nichts daran, daß das Geschäft mit PCs zunehmend härter wird: Als erstes Opfer strich Kyocera die Segel Die Japaner stellen die PC-Linie ein und konzentrieren sich aufs Druckergeschäft.

Auch Cloner Everex und die Zeos International Ltd. sehen möglicherweise keinen guten Zeiten entgegen.

Beide müssen Personal entlassen, zumindest Zeos wurde die Kreditlinie um die Hälfte auf acht Millionen Dollar zusammengestrichen.

Ob der Ausstieg "auf eigenen Wunsch" von Wolfgang Hirsch, General Manager des Vertriebsbereiches Information Processing Systems bei der Toshiba Informationssysteme GmbH und damit verantwortlich für die tragbaren Systeme, auf Probleme beim japanischen Laptop-Spezialisten in Deutschland zurückzuführen ist, bleibt abzuwarten.

Andreas Barth jedenfalls, Senior Vice- President Europe der Compaq Computer Corp., machte vor der Presse deutlich, daß der Edelcloner aus Texas darum bemüht ist, in der Öffentlichkeit Vielseitigkeit zu demonstrieren: "Compaq ist jetzt keine One-Product-Company mehr." Allerdings subsummiert er PCs und Server-Systeme nicht unter einer Kategorie, sondern fächert sie mit der seit dem 29 Juni l992 etablierten Peripherals Division zu drei unterschiedlichen Geschäftssegmenten auf.

Der Markt ist extrem wettbewerbsträchtig

In der Tat ist diese Dreiteilung nur der zweite Schritt einer hausinternen Reorganisation, bei der im vergangenen Oktober die Bereiche PC-Division und Systems-Division eingerichtet wurden. Hiermit wollen die Texaner eine schärfere Fokussierung der jeweiligen Geschäftsaktivitäten erzielen.

Barth ist sich allerdings im klaren darüber, daß Compaq mit dem Vorstoß in den Druckermarkt ein ebenfalls hartumkämpftes Terrain angeht: "Wir wissen, daß wir in einen extrem wettbewerbsträchtigen Markt einsteigen", gestand der Top-Manager für Compaq Europa ein.

So will man sich zukünftig auch mit der Position als Nummer zwei am Markt begnügen, weil Hewlett-Packard für Compaq dann doch noch eine Nummer zu groß sei: Nach den Angaben von Ken Willett, Compaqs Peripherals Business Manager, hält HP in Europa einen Marktanteil von 40 bis 50 Prozent, in den USA müssen sich die Konkurrenten sogar mit einem Rest von 40 Prozent zufrieden geben. Nach von HP noch nicht bestätigten Gerüchten sollen die Preise für die gesamte Laserjet-III-Familie als Reaktion auf die Compaq-Ankündigung erheblich gesenkt werden.

Als direkten Konkurrenten im Druckerwettstreit hat Compaq für den 15-Seitendrucker "Pagemarq 15" neben HPs "Laserjet-III"-Modellen "LZR 1555/ 1560" ausgemacht. Für das 20-Seiten-Modell "Pagemarq 20" akzeptieren die Texaner als nennenswerte Konkurrenz neben HP noch QMS ("PS-1700") sowie Kyocera ("F-1800/3300" und "F-5000"). Dabei scheint Kyocera nach der PC-Pleite auch im Druckersegment nicht ohne Probleme zu agieren. So zitiert das Brancheninformationsblatt "Infomarkt" Vertriebspartner, die ihren Unmut über hausinterne Querelen und den dadurch entstandenen Imageverlust der Japaner dafür verantwortlich machen, daß Kyocera-Drucker wie der FS-1500 "nicht die Resonanz finden", die man sich erhofft habe. Außerdem scheinen manche Kyocera-Partner wie der Darmstädter Händler Laserprint mit Dumping-Preisen über von Belgien bezogene Drucker anderen Kyocera-Vertreibern das Leben schwer zu machen.

Die Compaq-Drucker sind einem Joint-Venture entsprungen, das die Texaner mit der Fuji Xerox Ltd. aushandelten. Nach dieser Vereinbarung liefert die Xerox International Partners - ein Gemeinschaftsunternehmen von Xerox und dessen japanischer Niederlassung Fuji Xerox Co. Ltd.-Drucker-Produkte an OEMs. Im Falle Compaq ist das die Druckmaschine selbst. Ein ähnliches Abkommen unterhält HP mit dem japanischen Hersteller Canon. Da Xerox selbst auch Drucker vertreibt, könnte es hier zu Reibereien mit Compaq kommen. Willett stritt dies allerdings ab mit dem Verweis darauf, daß Compaq zwar die gleiche Hardware biete, unter anderem habe man die Software der Drucker aber selbst entwickelt.

Diese "Administrator Utility" scheint nach ersten Eindrücken in der Tat sehr anwenderfreundlich zu sein: Zwar offeriert Apple mit seinen Laserwritern schon seit langem die Möglichkeit, durch Nutzung bidirektionaler Kommunikation Fehlermeldungen via Appletalk direkt auf die Bildschirme angeschlossener Anwender zu senden. Doch sind die Pagemarg-Benutzer direkt über eine intelligente Netzwerkkarte (NIC) an Netware eingebunden, optional stehen NICs für Ethernet, Token Ring und Appletalk zur Verfügung.

Als Besonderheit stellte Compaq heraus, daß die Drucker dank eines intelligenten Emulationssensors (IES) automatisch je nach Art der vom Anwender abgesandten Datenformate zwischen den beiden unterstützten Druckersprachen Postscript Level 2 und HPs PCL 5 wechseln können.

Allerdings besitzt Compaq auch hier kein Alleinstellungsmerkmal: Epsons Laserdrucker "EPL-8100" und "EPL-4300"

merken bei installierter Postscript-Karte ebenfalls, welche Betriebsart (wahlweise Postscript, PCL 5, ESC/P 9 sowie ESC/P24 für 9- und 24-Nadeldrucker etc.) gerade angesagt ist. Sinnigerweise nennen die Japaner diese Funktion ganz ähnlich Intelligent Emulation Switching (IES).

Compaqs Drucker sollen für 7500 (Pagemarq 15) beziehungsweise 9500 Mark vertrieben werden.