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30.01.1998 - 

Thema der Woche/Höhen und Tiefen

Compaqs langer Weg vom Cloner zum IT-Giganten

Nicht immer waren die Ergebnisse von Compaq so hervorragend wie im gerade abgeschlossenen Quartal (siehe Seite 9). Dabei hatte alles so schön angefangen: Im Dezember 1983 hatte die Firma in ihrem ersten vollständigen Geschäftsjahr mit 615 Mitarbeitern einen Umsatz von 111 Millionen Dollar und einen Gewinn von 2,6 Millionen Dollar erzielt. Bereits 1984 konnten die Texaner ihren Umsatz und Gewinn auf 329 beziehungsweise zwölf Millionen Dollar hochschrauben. Danach folgten weitere äußerst erfolgreiche Jahre, die von einem enorm boomenden PC-Markt getragen wurden. Zu Beginn der 90er Jahre allerdings änderte sich das Bild.

Im Mai 1991 erwarten die Texaner für das zweite Quartal ein Fünftel weniger Erträge als im Vorjahr, Grund sei der gesättigte Markt vor allem in Europa. Die Compaq-Aktie fällt daraufhin um mehr als die Hälfte. Daraufhin muß im November 1991 CEO Canion überraschend seinen Hut nehmen. Ihn beerbt Eckhard Pfeiffer, der den Posten heute noch innehat. Der Hersteller kündigt weltweit die Entlassung von 1200 Mitarbeitern an, gleichzeitig soll die Company in zwei Bereiche (PCs und Systeme) aufgeteilt werden. Außerdem strebt Pfeiffer ein verstärktes Engagement im unteren Marktsegment an. Später wird bekannt, daß im Zuge der Umstrukturierung sogar 1700 Leute entlassen werden.

Nach 100 Tagen Amtszeit muß CEO Pfeiffer im Februar 1992 die schlechteste Bilanz der Firmengeschichte präsentieren. Der Umsatz geht im Geschäftsjahr 1991 um neun Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar zurück. Noch drastischer fallen mit einem Rückgang um 71 Prozent auf 131 Millionen Dollar die Gewinneinbußen aus.

Mitte 1992 gibt Deutschland-Chef Kurt Dobitsch Details der neuen Firmenpolitik bekannt. Aufgrund stagnierender Verkäufe bei Firmenkunden soll nun auch das untere Marktsegment verstärkt beackert werden.

Im Oktober 1992 erwartet Compaq bereits wieder Rekordumsätze. Pfeiffer scheint es gelungen zu sein, nach nur einem Jahr das Ruder herumzureißen. Mit neuen Servern ("Prosignia","Proliant" und "Systempro/XL") verstärken die Texaner ihr Produktangebot.

Im September 1993 präsentieren die Texaner ihre neuen "Presario"-PCs, die speziell für Heimanwender konzipiert sind. Pfeiffer verkündet, seine Company werde 1996 größter PC-Anbieter sein.

Für 1993 verbucht Compaq bereits 7,3 Milliarden Dollar Umsatz, eine Steigerung um 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Niedrigpreispolitik trägt Früchte.

Im ersten Quartal 1994 hält der Aufwärtstrend an: In Europa liegen die Texaner mit 11,8 Prozent Marktanteil erstmals vor der IBM (elf Prozent). Zur Mitte des Jahres meldet Dataquest das gleiche Ranking weltweit.

1994 bekundet Compaq die Absicht, Prozessoren des Intel-Konkurrenten Advanced Micro Devices (AMD) einzusetzen. Das Verhältnis von Compaq und Intel scheint getrübt, CEO Pfeiffer plant wenig später, auch Cyrix als zusätzlichen Alternativ-Lieferanten anzuheuern.

Die SAP kündigt Ende 1994 R/3 für Windows NT an und heizt damit das PC-Server-Geschäft an. Anfang 1995 vermeldet Compaq erneut ein Rekordergebnis. Auf der PC Expo in New York legt der PC-Hersteller den Streit mit Intel bei.

Anfang 1996 gibt Compaq sogar eine zehnjährige Kooperation mit Intel bekannt, die die gegenseitige Nutzung von Patenten einschließt. Die Texaner halten auch 1995 ihre Spitzenposition im PC-Markt. Im April vermarktet der Hersteller erste eigene Netzwerkprodukte, einen Switch und einen Ethernet-Adapter. Ein Jahr später verleibt sich Compaq die Networth Inc. (Hubs, Switches) und Thomas-Conrad (Adapterkarten, Hubs) ein.

Ende Mai kündigt der Hersteller zeitgleich mit den Konkurrenten HP und DEC Vier-Wege-Server für Windows NT an. Compaq spricht sich gegen die Java-basierten Network Computer (NCs) aus, zeigt aber Interesse an der Citrix-Technik "Winframe".

Mitte 1996 erfolgt eine interne Umstrukturierung. Das Unternehmen besteht fortan aus drei Divisionen, und zwar für die Bereiche Enterprise Computing, PC-Produkte sowie Consumer-Produkte. Neue Aktivitäten werden für das Workstation-Marktsegment sowie Inter- und Intranet angekündigt.

Im November stellen die Texaner ihre "Professional Workstations" unter NT vor, die alteingesessene Unix-Anbieter das Fürchten lehren sollen. Gleichzeitig erfolgt ein frühzeitiges Bekenntnis zu Intels kommender 64-Bit-Prozessorgeneration "IA 64" (Codename "Merced").

Nach dem Jahreswechsel bescheinigt die IDC den Texanern im dritten Jahr in Folge die Marktführerschaft im weltweiten PC-Markt. Mit gut sieben Millionen verkauften Rechnern kommt Compaq auf einen Marktanteil von über zehn Prozent.

Compaq plant nun auch den Kauf des Modemanbieters Microcom. Die Übernahme ist zwei Monate später unter Dach und Fach. In New York steht Compaq in vorderster Reihe der Hersteller, die den von Intel propagierten Net-PC bauen, der stark erweiterte Management-Funktionen aufweist.

Der Einstieg in das High-end-Geschäft erfolgt endgültig mit der rund drei Milliarden Dollar teuren Übernahme von Tandem Computers Inc. im Juli 1997. Mit dem Know-how der auf Hochverfügbarkeit, Echtzeitanwendungen und vor allem Cluster-Technik spezialisierten Firma machen sich die Texaner endgültig auf den Weg nach oben. Compaq selbst profitiert vor allem von der Service- und Vertriebsmannschaft. Der neue Kurs wird in Deutschland von einem Wechsel in der Geschäftsführung begleitet.