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11.02.2000 - 

Tochter für SAP- und Internet-Applikationen gegründet

Comparex: Neuer Anstrich für die brüchige Dienstleister-Fassade

WALLDORF - Mit der neuen Tochtergesellschaft Comsap GmbH, die schwerpunktmäßig SAP-Anwendungen fürs Internet entwickeln soll, nimmt die Comparex Informationssysteme GmbH einen weiteren Anlauf, sich als Systemintegrator zu positionieren. Darüber hinaus erhoffen sich die Mannheimer durch die Tätigkeit ihres im "Partnerport" der SAP angesiedelten Ablegers zusätzlichen Aufwind für ihr Hardwaregeschäft.

Mit einem Anteil von 70 Prozent hält Comparex die Mehrheit an der zum 1. Februar an den Start gegangenen Comsap GmbH. Der Rest entfällt auf Heinz Weible und Oliver Ritter, die auch die Geschäftsleitung innehaben. Beide sind mit der SAP-Welt mehr als vertraut. So gehörte Weible seit 1995 zum Topmanagement-Team der Walldorfer. Zunächst agierte er als Vorstandsassistent von Mitbegründer Dietmar Hopp, dann übernahm er die Geschäftsführung der Tochtergesellschaften Steeb Anwendungssysteme und SAP Systems Integrations GmbH. Ritter wiederum baute 1997 bei Bull die Consulting GmbH auf und machte sie als geschäftsführender Gesellschafter zum SAP-Logopartner und R/3-Systemhaus. Im vergangenen Jahr wechselte er in den Vorstand der Infomatec AG und zeichnete dort weltweit für Vertrieb und Marketing verantwortlich.

Die beiden Manager treten mit ehrgeizigen Vorstellungen an. Zum einen werde man, wie Weible bei der Vorstellung der neuen Comparex-Tochter gegenüber Journalisten erklärte, als klassische Consulting-Gesellschaft agieren - allerdings mit klarem Fokus auf R/3- und Internet-Projekte. Zweitens sollen maßgeschneiderte Web-Applikationen, -Portale und -Marktplätze entwickelt und mit den R/3-Systemen bei Kunden aus Industrie, Handel und öffentlichen Einrichtungen verknüpft werden. Darüber hinaus wolle man, so Weible, den Kunden Services wie Application-Hosting und das Outsourcing der genannten SAP-Anwendungen anbieten. "Das klassische Outsourcing von SAP-Dienstleistungen ist zwar rückläufig. Wir wollen aber Kunden gewinnen, um sie dann in einigen Jahren für das Application-Service-Providing (ASP) zu gewinnen", stellte der ehemalige Hopp-Vertraute klar. Last, but not least zielen die Newcomer auch auf die private Kundschaft ab. So sollen mittelfristig Internet-Produkte entwickelt werden, die den Zugang zu SAP-Internet-Applikationen ohne PC ermöglichen. Vorerst werde aber eindeutig das Geschäft mit der Industrie dominieren, hieß es.

Auch in Sachen Ergebniserwartungen denken die Comsap-Lenker nicht in kleinen Kategorien. Im ersten vollständigen Geschäftsjahr, das in Anlehnung an das Berichtsjahr der Mutter Comparex vom 1. Juni 2000 bis 31. Mai 2001 läuft, rechnen sie mit einem Umsatz von 70 Millionen Mark. Zum Ende dieses Kalenderjahres sollen bereits schwarze Zahlen geschrieben werden. Diese Planungen scheinen realistisch. Denn bei null fängt die neue Company nicht an. An Bord sind bereits 50 SAP- und Internet-Spezialisten. Die stammen zum Teil aus der ERP-Business-Solutions-Abteilung von Comparex, die die Mannheimer erst im Laufe des vergangenen Jahres aufgebaut hatten. Schwerpunkt dieser Division war und ist das SAP-Geschäft, aus dem jetzt bereits laufende Projekte an die neue Tochter übergeben wurden. Zudem wurden direkt von SAP sowie von Unternehmen wie Bull und Plaut Mitarbeiter abgeworben. Bis Mitte des Jahres soll die Belegschaft auf 100 Leute ausgebaut werden. Darüber hinaus plant Comsap, die von Comparex mit zehn Millionen Mark Stammkapital ausgestattet wurde, in den nächsten Monaten die Umwandlung in eine AG.

Die beiden Comsap-Lenker haben seit Mitte vergangenen Jahres an der Umsetzung ihrer Geschäftsidee gebastelt. Als Startup wollten sie nicht ins Rennen gehen. "Wenn wir im ASP-Business, das 2001, spätestens 2002 ein großer Markt sein wird, erfolgreich agieren wollen, haben wir keine Zeit, über drei oder vier Jahre organisch zu wachsen", begründete Weible das von ihm angeschlagene Tempo. Man bemühte sich um einen finanzkräftigen Partner und führte Verhandlungen mit mehreren Unternehmen. Comparex habe sich dabei als "extrem entscheidungsfreudig" gezeigt. Erst im Dezember 1999 hätten die ersten Gespräche stattgefunden.

Die Entschlusskraft, die Comparex hier offensichtlich an den Tag gelegt hat, kommt nicht von ungefähr. Zwar bieten die Mannheimer dem Branchenführer IBM mit steckerkompatiblen Großrechnern und Speichersystemen von Hitachi nach wie vor Paroli. Doch mit dem Mitte der 90er Jahre erfolgten radikalen Schwenk Big Blues zum lukrativen Geschäft mit IT-Services und den Erfolgen, die man damit mittlerweile aufzuweisen hat, zeigten die Armonker allen anderen Rechnerkontrahenten eindrucksvoll, wo die Zukunft liegt. Alle Versuche von Comparex, den Bereich Systemintegration als zweites Standbein auszubauen, waren bislang jedoch nicht sonderlich erfolgreich. Im November 1999 verkaufte man beispielsweise alle europäischen Netzwerktöchter, weil man die notwendige weltweite Ausdehnung nicht auf die Reihe bekam. Kritik hagelte es dafür vor allem von der Comparex-Nutzergemeinschaft Comfor beziehungsweise deren Vorsitzenden Wolfdieter Schumacher (siehe CW 47/99, Seite 1).

Seither stehen die Mannheimer mehr denn je unter Zugzwang, in Sachen Ausrichtung auf IT-Dienstleistungen endlich voranzukommen. Dies allerdings versuchte Comparex-Chef Herbert Hetz, der im Oktober 1998 die Nachfolge von Rolf Brillinger antrat, jetzt zu relativieren. Gerade durch das Internet sei mehr denn je hohe Rechner-, vor allem aber Speicherleistung gefragt. Verhehlen konnte Hetz indes nicht, dass er hofft, über die Aktivitäten von Comsap einen schnellen Zugang zur R/3-Kundschaft zu bekommen, um dort verstärkt seine Hardware unterzubringen.

Bleibt die Frage, welche Rolle SAP bei dem Comparex-Zögling künftig spielen könnte. Eine finanzielle Verflechtung besteht derzeit noch nicht und wird es laut Weible auch nicht geben, wenn - wie er ankündigte - in den nächsten Wochen eine Änderung der Gesellschafterstruktur eintrete. Allerdings sei eine Beteiligung der Walldorfer längerfristig gesehen durchaus vorstellbar. Weible: "Dabei wird es sich aber höchstens um einen kleinen Anteil handeln." Bis dahin, so fügte er selbstbewusst hinzu, habe "SAP aber schon allein wegen des Lizenzgeschäftes großes Interesse, Comsap zu begleiten". Ganz ohne Hintergedanken dürften die Walldorfer Comsap jedenfalls nicht Räumlichkeiten im "SAP-Valley" zur Verfügung gestellt haben. Vielleicht sichert der Softwareriese aber auch quasi über den Hintereingang seine Interessen an der neuen Company. So wäre es durchaus vorstellbar, dass sich der SAP-Mitbegründer und -Aufsichtsratschef Hopp im Unternehmen seines früheren Assistenten engagieren könnte.