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28.11.2005

Computacenter sucht seine Service-Nische

Der Wandel zum IT-Dienstleister ist richtig, kommt aber spät. Die Abhängigkeit vom Resale-Geschäft bringt das Unternehmen in Finanznöte.
Die Serviceeinnahmen von Computacenter in Deutschland stagnieren und können den Umsatzverlust im Resale-Geschäft nicht ausgleichen.
Die Serviceeinnahmen von Computacenter in Deutschland stagnieren und können den Umsatzverlust im Resale-Geschäft nicht ausgleichen.

Vier Mitglieder des Verwaltungsrats von Computacenter, darunter die Firmengründer Philip Hume und Peter Ogden, haben dem gesamten Gremium vergangene Woche einen Buyout mit anschließender Reprivatisierung angeboten. Offenbar traut die Firmenleitung dem Unternehmen gute Erfolgschancen zu - trotz der enttäuschenden Geschäftszahlen: Bei einem Jahresumsatz von 2,5 Milliarden Pfund (2004) sind 475 Millionen Pfund Marktkapitalisierung ohnehin nicht viel. Dramatisch entwickelte sich das Geschäft des im britischen Hatfield ansässigen Unternehmens jedoch in der ersten Hälfte dieses Jahres: Die Einnahmen sanken von 1,23 Milliarden auf 1,15 Milliarden Pfund, der Nettogewinn brach um 90 Prozent ein - von 20,3 Millionen auf 2,1 Millionen Pfund.

Hier lesen Sie …

• mit welchen Problemen Computacenter kämpft;

• warum das reine Resale-Geschäft keine Zukunft mehr hat;

• und wo Experten gute Marktchancen für das Unternehmen sehen.

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www.computerwoche.de/go/

568963: Angebot zu Management-Buyout;

566322: Ergebnisse erstes Halbjahr 2005;

564752: Die Probleme der Systemhäuser;

550873: Integration der deutschen CC-Tochter.

Hardwaremargen fallen

Schuld war Firmenvertretern zufolge die schwache Marktlage. Erst seit Ende September zeichne sich eine konjunkturelle Erholung ab - zu spät, um die Ausfälle im ersten Halbjahr zu kompensieren. Zudem verschärfte sich besonders im Heimatland Großbritannien der Margenverfall im Produktgeschäft durch härtere Konditionen der Hardwarehersteller: "Die lahme Konjunktur hat die Reseller am stärksten getroffen", fasst Karsten Leclerque, Berater bei Pierre Audoin Consultants (PAC), zusammen. Computacenter habe die Probleme im reinen Resale-Geschäft zwar frühzeitig erkannt und sein Serviceportfolio stark ausgebaut. "Solche Veränderungen lassen sich aber nicht von heute auf morgen stemmen."

Auch in Deutschland machen Konjunkturflaute und Margendruck dem Unternehmen zu schaffen, das zudem noch immer mit den Folgen der im vergangenen Jahr eingeleiteten Reintegration zu kämpfen hat. Trotz einiger Erfolge im Servicemarkt ging der Umsatz im ersten Halbjahr um 3,8 Prozent zurück. Zudem musste Computacenter Deutschland einen operativen Verlust von 2,23 Millionen Euro hinnehmen. In der ersten Hälfte des Vorjahres hatte das Unternehmen noch umgerechnet 3,69 Millionen Euro erwirtschaftet.

Deutschlandchef ist optimistisch

Computacenter ist mit seinen Problemen nicht allein. Auch das zweite große Systemhaus in Deutschland, die Bechtle AG, musste seine Umsatz- und Gewinnprognosen für 2005 zurückschrauben. Gelitten hat laut Leclerque die gesamte Resale-Branche: "Auch die meisten IT-Dienstleister, die unter anderem als Wiederverkäufer von Hardware auftreten - etwa T-Systems oder SBS - haben hier an Umsatz verloren." Da Computacenter allerdings nach wie vor rund 67 Prozent des Gesamtumsatzes mit dem Hardwareverkauf und 33 Prozent mit IT-Dienstleistungen erzielt, wirkt sich der Einbruch im Handelsgeschäft besonders drastisch auf das Ergebnis aus.

Colin Brown, CEO von Computacenter Deutschland, zeigt sich dennoch zuversichtlich: "Wir werden in der zweiten Jahreshälfte wieder schwarze Zahlen schreiben und damit auch das Gesamtjahr positiv abschließen." Anlass zu so viel Optimismus gibt das Geschäft mit IT-Dienstleistungen und hier vor allem mit Managed Services, auf die inklusive Maintenance derzeit rund 45 Prozent des Serviceumsatzes entfallen. Dank einer Reihe von neuen Vertragsabschlüssen seien die Einnahmen hier seit Dezember letzten Jahres um 5,7 Prozent gestiegen.

PAC-Experte Leclerque sieht das ähnlich: "Computacenter wandelt sich immer mehr zum Serviceanbieter, und genau hier findet das Wachstum statt." Dank seiner Größe könne das Unternehmen im Managed-Services-Bereich durchaus mit den führenden Anbietern mithalten. Hinzu komme, dass sich inzwischen fast alle IT-Dienstleister, auch ehemalige Infrastrukturanbieter wie IBM und HP, auf höherwertige Servicebereiche - etwa Applikations-Management und Business Process Outsourcing (BPO) - verlegt haben. Damit könnte sich das Geschäft mit IT-Infrastrukturdienstleistungen nach Einschätzung von Leclerque zu einer interessanten Nische entwickeln, für die Computacenter als Infastrukturspezialist gut positioniert sei.

Services für den Mittelstand

Wachstum erhofft sich Deutschland-Chef Brown zudem von der Anfang des Jahres beschlossenen Fokussierung auf mittelständische Kunden: "Während es den Großkunden vor allem darum geht, mehr Nutzen aus ihrer bestehenden IT zu ziehen und auf diese Weise ihre Kosten zu senken, ist der Mittelstand stärker auf die Anschaffung von IT ausgerichtet", argumentiert der Firmenchef. Damit eröffne sich für Computacenter ein neuer Markt.

Auch Leclerque sieht im Mittelstand noch viel Wachstumspotenzial, speziell für das Servicegeschäft. Zudem sei hier der Druck nicht so groß wie im Großkundensegment: "Ein Großkonzern hat natürlich viel mehr Einkaufsmacht als ein Mittelständler", so der Experte. Zwar sei es nicht einfach, den Mittelstand zu adressieren. Wegen seiner Herkunft - vor der Übernahme durch den britischen Mutterkonzern agierte Computacenter Deutschland als regionaler Anbieter unter dem Namen Compunet - werde das Unternehmen hierzulande aber nach wie vor eher als Systemhaus wahrgenommen. "Dadurch kann Computacenter sein lokales Image mit den Vorzügen eines großen Konzerns verbinden."