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25.07.1980 - 

Schweden diskutieren Automationsrisiken:

Computer Abhängigkeit bereitet Unbehagen

Sind heute noch "Datenschutz" und "Arbeitsplatzgefährdung" die häufigsten Schlagwörter in der allgemeinen Diskussion über Computer, so könnte sie bald schon das Stichwort "Abhängigkeit" verdrängen. In Schweden, einem Land mit anerkannt wachem Bewußtsein, was mögliche Risiken unserer technischen Zivilisation betrifft, hat ein einschlägiger Expertenbericht inzwischen jedenfalls schon die Diskussion eröffnet.

"SARK" nennt sich abgekürzt das Komitee/ das in einem Bericht für das Verteidigungsministerium warnt, die wachsende Abhängigkeit von Computern könne die Sicherheit des Landes gefährden - und das gleich in mehrerlei Hinsicht. Einmal könnten die Rechner und Rechnernetze ja unversehens ausfallen, zum anderen könnten vertrauliche Daten in falsche Hände gelangen (übrigens: was sind, in einer Demokratie, jeweils die "falschen Hände"?) und schließlich sei es ja auch nicht unproblematisch, sich fast schon blind auf die von Computersystemen gelieferten Daten, auf maschinell gefällte Entscheidungen zu verlassen: jedenfalls dann, wenn sie das Resultat hochkomplexer Algorithmen und Input-Verknüpfungen sind.

Bislang, so mahnt SARK, habe die Regierung die Entwicklung, die zu unserer computerisierten Gesellschaft geführt habe, höchstens unzureichend gesteuert.

Der reibungslose Normalbetrieb von komplexen Computersystemen wird laut SARK von zwei Seiten her bedroht: extern beispielsweise durch terroristische oder kriegerische Handlungen sowie durch Katastrophen, intern durch übertriebene Zentralisierung, durch die Abhängigkeit von bestimmten Computer-Fachkräften und durch die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten, deren (Ersatzteil-) Lieferungen ja erst einen störungsfreien Betrieb ermöglichen. Gerade Schweden beispielsweise sei in puncto Computer gegen mögliche Embargos sehr anfällig - und was das heißen kann, erfährt jetzt ja beispielsweise die Sowjetunion . . .

Daß, wie es oft so schön heißt, "Computer aus unserem modernen Leben nicht mehr wegzudenken sind", erfüllt wache Köpfe inzwischen also schon mehr mit Besorgnis als mit Stolz über den wundervollen Fortschritt. Die Schweden etwa fürchten bleiben Ersatzteile für ihre Rechner eines Tages aus - sehr bald nur noch vor blinden Terminals und toten Tastaturen zu sitzen. Das gilt für den Staat wie für die Wirtschaft.

Potentielle Gefahren für den Betrieb ihrer Computer sehen die Schweden auch in der Tatsache, daß heute bereits Datennetze existieren, die mehrere Länder umfassen. Und fremde Mächte dürften sich wohl auch für die Einwohner-Dateien und für geographische Daten interessieren, fürchten die sicherheitsbewußten Schweden weiter.

In Stockholm wird zur Zeit ein Gesetzentwurf diskutiert, der ein Genehmigungsverfahren für alle Computer der öffentlichen Hand vorsieht (militärische Rechenanlagen ausgenommen) und in dem von einer neuen Behörde die Rede ist, die die Strukturen der einzelnen Computersysteme samt aller sie schirmenden Sicherheitsmaßnahmen untersuchen soll.

Diese Behörde soll dann auch Regeln erlassen, die die Art der vom jeweiligen System zu speichernden Daten festlegen, die die nötigen Sicherheitsvorkehrungen definieren und die Mindestanforderungen an die Dokumentation stellen. Auch soll festgelegt werden, inwieweit Daten an anderer Stelle fernverarbeitet werden dürfen. Generell sieht der Gesetzentwurf für private Computer jeweils weniger strenge Regelungen als für staatliche vor.

Sollten die Schweden mit ihren Versuchen, ihre Computer gegen unerwünschte Einflüsse stärker als bisher abzuschotten Ernst machen, dürfte das auch die Beschaffungsstrategien von Behörden und Wirtschaft beeinflussen: Experten erwarten, das Sicherheitsdenken werde den Trend zum Distributed Processing verstärken und die Absatzchancen für zentrale Großrechner beeinträchtigen.

* Egon Schmidt ist freier Wissensaftsjournalist in München.