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30.04.1981 - 

Noch sind die Pädagogen überfordert:

Computer als Bildungsinstrument anerkannt

BASEL (sg) - Die kürzlich beendete 18. Internationale Lehrmittelmesse, Didacta, die in den Hallen der Schweizer Mustermesse Basel 736 Aussteller aus 29 Ländern zusammenführte, hat wieder deutlich werden lassen, daß der Computer inzwischen fest in die Reihe der "Bildungsmedien" aufgenommen worden ist. Entsprechend hat sich auch die Zahl der auf der Didacta vertretenen Computerhersteller erhöht; so waren es diesmal bereits 48, die den gegen 60 000 Besuchern aus 90 Ländern ihr Angebot an Rechner unterstützten Lehrmitteln in zum Teil hervorragend übersichtlichen Sonderschauen vorstellten.

Anklang fanden auch die Rahmenveranstaltungen, in denen zum Beispiel Themen wie "Micro-Computer und Unterricht" oder "Video im Unterricht" behandelt wurden, oder das von der Gesellschaft für Pädagogik und Information (GPI) veranstaltete, dreitägige Symposium "Mit Medien lernen - Mit Medien leben".

Gerade dieses Thema hatte nichts von seiner Aktualität und Attraktion für die Lehrerschaft verloren.

Pädagogik und Pädagogen, sogar die spezialisierten Medienpädagogen, fühlen sich durch die Möglichkeiten der Informationstechnik herausgefordert. Sie und ihre Adressaten müssen es nämlich in vielen Fällen erst noch lernen, mit den elektronischen Medien umzugehen. In seinem Eingangsreferat wies Dr. G. E. Ortner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der GPI darauf hin, daß trotz der bekannten Innovationsträgheit des Bildungswesens der Einsatz von Unterrichtscomputern in den letzten Jahren relativ rasch zugenommen hat. Während jedoch noch an der didaktisch-methodischen Integration von mittlerweile schon traditionellen Medien gearbeitet werde, böten die Hersteller bereits die nächste Generation von Medien, die sich ebenfalls für didaktische Zwecke eignen oder eignen könnten, massenhaft an.

Die Herstellungsverfahren lassen relativ günstige Preise zu. Ein Teil der neuen Medien wird damit auch für die Schüler persönlich verfügbar. Gerade deshalb werden die Pädagogen vor Probleme gestellt. Sie könnten jedoch nicht erst langdauernde Grundsatzüberlegungen über den didaktischen Sinn und methodischen Stellenwert der neuen Medien anstellen. Sie müßten sich vielmehr fragen, wie sie die bereits existierenden und eingesetzten Medien in den von ihnen zu verantwortenden Bildungs- und Erziehungsprozeß einbeziehen können.

Damit rücken die bislang eher auseinanderstrebenden Teilbereiche der Medienpädagogik, nämlich Medienerziehung und Mediendidaktik, wieder enger zusammen. Denn auch der Umgang mit didaktischen Medien beziehungsweise Bildungsmedien muß gelernt werden.

Dies gilt besonders für den Computer. Professor Dr. P. Banderet von der Universität Neuchatel wußte hierzu interessante Beispiele zu nennen, wobei er zunächst davon ausging, daß es, auf die Schweiz bezogen, immerhin möglich wäre, daß die 26 unabhängigen Erziehungsdirektionen der Kantone auf verschiedenen Wegen versuchen könnten, den Computer in den Schuldienst einzuführen. Und so hat es auch angefangen. Denn die Kantone mit Großstädten haben aus eigener Initiative Versuche unternommen.

Glücklicherweise wurde jedoch bald erkannt, daß, was die Weiterbildung anbetrifft, sich die interkantonale Zusammenarbeit lohnen würde. Es wurde deshalb versucht, einen gemeinsamen Plan zu realisieren, zum Beispiel alle Schüler der Gymnasialstufe dem Computer "näher zu bringen". Dieses Projekt lief unter der Bezeichnung "24 Stunden Informatik".

Als Beispiele für selbständige Versuche, den Informatikunterricht in den Schulen aufzubauen, erwähnte Professor Banderet die Städte Genf und Zürich. So benutzten heute die Genfer Mittelschulen einen Prime-Computer, der als Zentrum eins ausgebauten Netzes von in vielen Schulhäusern verteilten Terminals fungiert. In Zürich dagegen sind, etliche Schulen am IBM-Rechner der Universität angeschlossen, was die Arbeit der Lehrer wesentlich erleichtertere und zudem einen guten Boden für die Zusammenarbeit zwischen Hoch- und Mittelschulen vorbereite.

Die Erfahrungen aus diesen Projekten haben gezeigt, daß das Hauptproblem weniger bei der Beschaffung von Computern als bei der Ausbildung der Lehrer liegt. Die Erziehungsdirektoren haben die Vorteile beziehungsweise die Notwendigkeit der Zusammenarbeit längst erkannt und eine entsprechende Konferenz gebildet sowie eine Weiterbildungszentrale für die Mittelschullehrer ins Leben gerufen.

Letztere hat die Organisation von Kursen und Seminarien in Informatik für die Ausbildung und für den den Erfahrungsaustausch zu übernehmen. Besonderer Wert wird darauf gelegt, nicht nur Mathematik- und Physiklehrer zu erfassen, sondern auch, der Vielseitigkeit der Computeranwendungen entsprechend, Lehrer aus anderen Sparten.

Computer und Informatik ändern sich sehr schnell. Auch die Entwicklung der Didaktik ist im vollen Gange. Daraus ergeben sich viele Widerstände bei der Einführung der Informatik in der Mittelschule. Professor Banderet kann dem allerdings auch einige positive Seiten abgewinnen. Nämlich die, daß sorgfältig geplante Neuerungen letztlich zu einer Steigerung der Qualität führen könnten.

Von dergleichen Neuerungen sprach auch der Bremer Professor Dr. K. Haefner, der für das nächste Jahrzehnt extrem leistungsfähige und preiswerte "Persönliche Informations und Telekommunikations-Systeme" (PITS) auf uns zukommen sieht. Diese würden ein breites Spektrum kognitiver Arbeiten unmittelbar unterstützen: zum Beispiel Sprachübersetzung, Schreiben gesprochener Sprachen, algebraische Operationen, das Wieder auffinden von Informationen, Modellbildung und Simulation etc.

Angesichts dieser technischen Erweiterung des menschlichen Denkens müsse sich das Lernen zwangsläufig auf neue Inhalte, Methoden und Fertigkeiten konzentrieren. Denn eine Qualifizierung des Menschen zum Konkurrenten der technischen Informationsverarbeitung erscheine ihm menschlich und ökonomisch sinnlos.

Professor Haefner stellte hierzu potentielle Persönliche Informations und Telekommunikations-Systeme für die Zeithorizonte 1983, 1986 und 1989 vor. Dabei machte er deutlich, daß es sich hier nun nicht mehr nur um kleine Veränderungen unserer curricularen Ziele, sondern um einen grundsätzlichen Wandel handelt. Dieser ergebe sich allein schon aus der sich drastisch verändernden informationellen Umwelt des Menschen.

An dieser neuen Welt müsse sich das Bildungswesen zukünftig orientieren. Es sei zudem erkennbar, daß der berufsqualifizierende Bereich sofort und unmittelbar angesprochen sei, da viele Berufsfelder durch die "lnformatisierung" betroffen sind. Aber auch für das allgemeinbildende Schulwesen ergäben sich Probleme. Denn die Motivation der Schüler, solche Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erlernen, die bereits technisch verfügbar sind, werde naturgemäß abnehmen .

Hierzu sei insbesondere die Frage zu stellen, inwieweit unsere stark kognitiv orientierten Sekundarstufen nicht Menschen qualifizieren, die in Mathematik, in Sprachen, in den Naturwissenschaften, sogar in der Kunst den Fertigkeiten informationstechnischer Systeme unterlegen sind. Andere menschliche Fähigkeiten bleiben im Bildungswesen unterberücksichtigt.