Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

06.10.1989 - 

Bei CBT-Gehversuchen auf eigene Faust ist Frustration programmiert

Computer Based Training kontra konventionelle Lehrmethoden

Ulrich Kobusch ist Leiter des CBT-Bereiches bei der ADV/Orga F.A. Meyer AG, Wilhelmshaven.

Die richtige Qualifikation der Mitarbeiter ist eine entscheidende Ressource jedes Unternehmens. Aufgrund der immer größeren Anforderungen an das berufliche Know-how muß die Aus- und Weiterbildung optimiert werden. Ulrich Kobusch hält Computer Based Training (CBT) für das adäquate Medium, um die Ausbildung effizient und kostenbewußt durchzuführen.

Bereits Ende der 60er Jahre wurden Versuche unternommen, den Computer als "Lernhelfer" einzusetzen. Langsame, teure Computer und unattraktive Software verhinderten zunächst einen durchschlagenden Erfolg von CBT. Akzeptanz oder gar Euphorie war bei den Lernenden mit der damaligen Aufbereitung des Ausbildungsstoffes nicht zu erwarten. Erst die Durchdringung der Arbeitswelt mit Personal Computern brachte hier den Durchbruch. Inzwischen führte die Optimierung von Hardware und Programmiersprachen zur Entwicklung benutzerfreundlicher Software (zum Beispiel motivierende Lernprogramme). Grafische Benutzeroberflächen, Maus-Bedienung und Help-Menüs sind mittlerweile zukunftsweisende Standards für den unkomplizierten Umgang mit dem "Kollegen Computer" geworden.

Einige innovationsfreudige Anwender haben die Chance der computerunterstützten Lehrstoffvermittlung bereits in die Tat umgesetzt und Teile von Ausbildungsinhalten in CBT-Programmen realisiert: Bei der Bundesbahn "erfahren" Lokführer die ersten Kilometer mit dem Computer, die Post vermittelt Grundlagenkenntnisse per EDV, Piloten der Lufthansa fliegen gefahrlos ihre ersten Einsätze ohne Passagiere per Computer-Simulation, die Wartung und Instandsetzung von Technologiekomponenten üben Nixdorf- oder NCR-Mitarbeiter am Bildschirm, die Bundeswehr nutzt auf Grund kurzer und häufiger Ausbildungsintervalle CBT im Bereich der technischen Schulung und Simulation.

Dies sind nur einige wenige Beispiele aus einer ganzen Reihe von Firmen, die jetzt sukzessive von der konventionellen Lehrmethode auf CBT umsteigen. Vereinfacht wird der Einstieg durch die Tatsache, daß

die Ausbildungsprogramme auf unterschiedlichster Hardware laufen und andere Ausbildungsmittel wie Videofilme, digitalisierte Bilder und/oder Audio integriert werden können.

Es gibt eine ganze Reihe guter Gründe, die dem Anwender den Einsatz von CBT schmackhaft machen: Der Einsatz von Lernprogrammen ist zeit- und ortsunabhängig. Damit entfallen für den Benutzer Reisezeiten und -kosten. Durch die flexible Einteilung der Lerndauer und des Lernzeitpunktes werden Fehltage und Fehlzeiten auf ein Minimum reduziert. Ein weiterer Vorteil ist, daß das Wissen bei Bedarf beliebig aufgefrischt werden kann. Außerdem wird das "Vorratslernen" ersetzt durch "Just-In-Time-Lernen". Das heißt, ein Lerninhalt wird erst dann erarbeitet, wenn er gebraucht wird. Das Lernprogramm kann sich an die Stärken und Schwächen des Lernenden anpassen. Damit ergibt sich ein optimaler Lernfortschritt und schnelleres und effektiveres Lernen. Dieses Ziel kann duch lerngruppenbezogenen und lernzielorientierten Programmaufbau realisiert werden.

Durch grafische Unterstützung, Animation und Simulation werden komplexe Lerninhalte leichter erfaßbar, wodurch sich Ausbildungszeiten verkürzen. Durch bewegte Abläufe am Bildschirm können Verfahren trainiert sowie Grenz- und Notsituationen simuliert werden, die in der Realität nicht oder nur begrenzt geübt werden könnten. Der Lernende kann den Lernprozeß individuell steuern und erfährt zu jeder seiner Aktionen eine entsprechende Reaktion. Durch dieses interaktive "Learning by doing" wird die Motivation und die Behaltensleistung erhöht. Durch die weitgehende Ausbilderunabhängigkeit der Programme ändert sich auch die Rolle des Ausbilders. Er wird von der Routineausbildung befreit und kann sich verstärkt konzeptionellen, innovativen Ausbildungsaufgaben widmen. Auch für die Förderung zwischenmenschlicher Beziehungen und die Beantwortung besonderer Probleme und Fragen wird ein größerer Spielraum frei.

Die besonderen Vorteile der Animation, Simulation und Interaktivität von Lernprogrammen findet man heute leider noch relativ selten verwirklicht. Gerade das sind aber die Punkte, die ein anspruchsvolles Lernprogramm von einem einfachen Lernprogramm unterscheiden. Denn bei reiner Vermittlung von Lerninhalten in Textform erfüllt ein Lehrbuch zu einem wesentlich günstigeren Preis den gleichen Zweck. Computer Based Training versteht sich nicht als ein Informationssystem, bei dem die Aktion des Lerners auf das Drücken der "Enter"-Taste beschränkt bleibt.

Im folgenden werden einige Kriterien für den Einsatz von CBT aufgezeigt. Besonders hier stellt die computerunterstützte Ausbildung die Alternative zu den herkömmlichen Methoden und Mitteln dar.

-Für die Ausbildungszwecke ist kein Originalgerät verfügbar oder es ist zu teuer.

-Simulatoren sind zu kostenintensiv oder der Originalablauf ist zu gefährlich.

-Am Originalgerät ist eine Fehlersimulation nicht möglich.

-Einsatz bei häufiger Wiederholung von Lerninhalten, zum Beispiel Einüben von Schaltvorgängen, wodurch die Originalgeräte geschont werden können.

-Es sollen schnell Rückmeldungen und Bewertungen der Schüleraktion und eine objektive Leistungsmessung gewährleistet sein.

-Ein häufiges Auffrischen des Wissensstandes ist erforderlich.

-Die Ausbildung soll standardisiert werden.

-Die Bindung vieler qualifizierter Ausbilder (häufig nicht verfügbar) in der regelmäßigen Ausbildung vieler Lerner soll reduziert werden.

-Vorkenntnisse müssen zur Erreichung eines gemeinsamen Lernlevels verbessert werden.

-Engpässe bei der Ausbildung, zum Beispiel durch stark wachsende Mitarbeiterzahlen, müssen abgefangen werden.

-Durch weit verteilte Mitarbeiter in Filialen, Zweigbetrieben etc. wird eine dezentrale Ausbildung notwendig.

-Die Referenten für bestimmte Fachschulungen sind sehr kostenintensiv.

In letzter Zeit ist zu beobachten, daß in verschiedenen Firmen erste "CBT-Gehversuche" auf "eigene Faust" durchgeführt werden, die jedoch über das Experimentierstadium nicht hinausgehen, da man meistens nicht über das notwendige Know-how verfügt und sich über den Aufwand überhaupt nicht im klaren ist. Die Frustration ist vorprogrammiert. Nichtakzeptanz ist das Ergebnis, und die computerunterstützte Ausbildung wird als ungeeignet verworfen.

Wie wird ein Lernprogramm so erstellt, daß es zum einen dem Lernenden Spaß macht und ihn motiviert und zum anderen kurzfristig zu einem überdurchschnittlichen Lernerfolg führen kann? Zunächst sind in einem Grobkonzept die Lernziele festzulegen. Dabei müssen der Lernweg und die Lernerfolgskontrollen festgehalten werden. Zusätzliche Medien wie Audio und Video sind einzuplanen. In einem darauffolgenden Feinkonzept werden die Lerninhalte den Lernzielen zugeordnet und die Art der Lehrstoffdarbietung festgelegt.

Grundlage für die Erstellung des Feinkonzeptes ist das zu vermittelnde Wissen, das durch Ausbildungsunterlagen oder über den Experten des Auftraggebers zu erwerben ist. Ergebnis des Feinkonzeptes ist ein Drehbuch, in dem jede Bildseite mit jeder Interaktion, Rückmeldung, Hilfe-Information etc. aufgeführt ist. Das Drehbuch wird vom Auftraggeber abgenommen. Je mehr Kenntnisse der Drehbuchautor über das zu vermittelnde Wissen besitzt, desto schneller und einfacher ist das Drehbuch entwickelt und in das Lernprogramm umgesetzt. Idealerweise wären der Drehbuchautor und der Experte dieselbe Person. Leider ist diese Idealkonstellation in der Praxis selten gegeben. Es hat sich als sinnvoll erwiesen, daß sich ein erfahrener Drehbuchautor mit guten pädagogischen Kenntnissen mit einem Experten zusammensetzt, um das Expertenwissen in didaktisch sinnvoller Weise umzusetzen. Es handelt sich dabei um die Hauptarbeit bei der Lernprogrammentwicklung.

Anschließend gelangt das Drehbuch in die Hände des Autorensystemspezialisten. Ein Autorensystem ist ein Tool zur Lernprogrammerstellung, mit dessen Hilfe die Programmentwicklung möglichst ohne Programmierung erfolgen soll. Komplexe Simulationen müssen mit anderen Programmiersprachen wie zum Beispiel "C" entwickelt werden. Deshalb muß der Autorensystemspezialist nicht nur das Autorensystem, sondern auch verschiedene Programmiersprachen sowie die allgemeinen Methoden und Mittel für die Softwareproduktion (zum Beispiel Struktrogramme und Programmentwurfsmethodik) beherrschen. Nur auf diese Art kann die Zeit für die Realisierung minimiert und ein anspruchsvolles Lernprogramm produziert werden. An dieser Stelle muß gesagt werden, daß die Inhouse-Entwicklung von CBT nur bis zu einer bestimmten Grenze lohnend ist.

Lernprogramme mit hohen Anteilen von Simulation und Animation sollten außer Haus an den Spezialisten gegeben werden, um auch bei einem hochwertigen Lernprogramm die Kosten im Griff zu behalten.