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Fehler in der Konzeption verursachen Kosten, aber:


11.11.1988 - 

Computer Based Training setzt sich durch

Bei der Mitarbeiterausbildung werden in den meisten Unternehmen nach wie vor ausgetretene Pfade benutzt. Dabei erfordert die rasante Technikentwicklung neue Lernmethoden: Computer-Based-Training (CBT) ist eine Alternative zu traditionellen Aus- und Weiterbildungsmethoden. Andrea Bodyl* nimmt die CBT-Welt unter die Lupe.

Warum eigentlich lassen sich so viele Unternehmer die Vermittlung von Wissen, das ihre Mitarbeiter einstweilen noch gar nicht brauchen, so viel kosten? Angesichts der Tatsache, daß Aus- und Weiterbildung zunehmend zum Berufsalltag zu gehören beginnen, scheint eine solche Fragestellung nichts weiter als Polemik zu beinhalten. Doch dieser Eindruck trügt. Tatsache ist vielmehr, daß in Sachen Ausbildung fast überall noch die eingefahrenen Wege benutzt werden, obwohl eine Alternative existiert, die das herkömmliche Ausbildungswesen in großem Umfang obsolet macht, und zwar sowohl nach qualitativen als auch nach finanziellen Maßstäben gemessen: CBT (Computer-Based-Training). Es ist schon frappierend: Wo immer das Thema CBT Gesprächsgegenstand ist, wissen die Beteiligten meist sofort Bescheid und haben eine dezidierte Meinung - die ist in aller Regel negativ. Darüber braucht man sich nicht zu wundern, umfaßt doch die Liste der geradezu standardmäßig zum "Beweis" angeführten einschlägigen Beispiele gleich mehrere Positionen. Einige typische Beispiele lauten:

* Ein Anwender hat zwecks Lösung seines innerbetrieblichen Ausbildungsproblems ein sogenanntes Autorensystem gekauft. Schnell zeigt sich, daß eine Host-Lösung für ihn das Optimum wäre, doch er muß feststellen, daß das Autorensystem zwar für PC-orientierte Lösungen taugt, daß er mit ihm aber nicht den Sprung "hinauf" zum Mainframes schafft.

* Ein Anwender weist seine hausinternen Konw-how-Träger an, sich in ein Autorensystem einzuarbeiten, da er auf diese Weise wichtiges betriebliches Wissen konservieren und auf Abruf verfügbar machen will. Doch die "Kurse", die diese Mitarbeiter produzieren, lassen oft auch die wohlmeinendsten Lehrgangs-teilnehmer das Weite suchen.

Was kann an CBT also schon dran sein? Antwort: Eine ganze Menge. Ganz offenkundig gibt es Anwender, die sehr viel an CBT finden. Sie bilden derzeit zwar noch eine Minderheit, immerhin aber ist das steigende Interesse an CBT-Systemen am Markt unübersehbar.

CBT kann den Trainer auch künftig nicht ersetzen

Zweifellos ist CBT keine eierlegende Wollmilchsau, doch steckt in ihm ein Potential, das keine andere Lehrmethodik zu bieten hat: Es ist das einzige mit den Mitteln der Optik und Akustik operierende Lehrverfahren, das zu (fast) jedem beliebigen Zeitpunkt an (fast) jedem beliebigen Ort auch dem einzelnen Lernenden zur Verfügung steht.

Tragende Säulen der herkömmlichen Pädagogik waren und sind der Lehrer und das Buch. Die Vorhersage lautet: Tragende Säulen der zukünftigen Pädagogik (vor allem im Bereich des berufsbezogenen Lernens) werden der Lehrer/Trainer und die CBT-Kurse sein.

Zwischen den Medien CBT und Buch bestehen etliche Gemeinsamkeiten, darunter die, daß CBT und Buch (theoretisch) überall und von jedem benutzt werden können. Außerdem ist ähnlich wie beim Buch auch beim CBT die Spannweite der zu behandelnden Themen nicht limitiert. Und noch eine Gemeinsamkeit: Wie das Buch nicht den Lehrer, so kann CBT den Trainer nicht ersetzen.

In mancher Hinsicht hat der Trainer dem CBT etwa voraus, doch auch ein professionelles CBT hat seine spezifischen Qualitäten:

* Ein guter Kurs folgt stets klaren didaktischen Richtlinien und leistet sich keine Ungenauigkeiten, wie sie im Unterricht eines "richtigen" Lehrers unvermeidlich sind.

* CBT nutzt die visuelle Lernfähigkeit des Menschen optimal.

* Für CBT-Kurse bedarf es keiner Schulungsräume und keiner (schwierig zu koordinierenden) Teilnehmergruppen.

* CBT - zumal in seiner interaktiven Version - eignet sich vorzüglich für die präzise "getimte" Vorbereitung von Mitarbeitern auf eine neue Tätigkeit.

Was ein gutes Lehrbuch wert ist, ist jedermann bekannt, und oft schon hat ein didaktisch mißratenes Lehrbuch einen Lernwilligen mehr gequält als vorwärtsgebracht. Daß - dementsprechend - Fehler im CBT-Konzept eines Unternehmens sich zwangsläufig in einer unzureichenden Qualität der Ausbildung niederschlagen müssen, liegt deutlich auf der Hand. Bei genauerem Hinsehen wird dann auch erkennbar, daß die oben in diesem Beitrag aufgeführte CBT-"Mängelliste" in Wahrheit typische Fehler aufzeigt, wie sie CBT-Neulingen allzu oft unterlaufen. Denn: Bei sorgfältiger Auswertung des Marktangebots würde ein CBT-Investor feststellen, daß es inzwischen eine recht große Anzahl standardisierter Autorensysteme gibt, die teils ausschließlich für den PC, teils ausschließlich für den Mainframe, teils aber auch für beide Rechnertypen in Betracht kommen.

Verfügte er über ein gewissens didaktisches Gespür, so wäre dem CBT-Investor schnell klar, daß seine besten Praktiker nicht auch zugleich begnadete Pädagogen sein können. Ja, er würde vorsichtshalber sogar davon ausgehen, daß auch die Dozenten, auf die er sich seit Jahren stützt, von den Anforderungen, die das Design eines CBT-Kurses mit sich bringt, überfordert sein könnten.

Wäre er mit weniger Betriebsblindheit geschlagen, so würde der CBT-Investor erkennen, welche der von ihm gewünschten Lehrgänge Sachverhalte zu behandeln hätten, wie sie in dieser Ausprägung nur in seinem Betrieb eine Rolle spielen, und deren Erwerb als Standardsystem daher von vornherein sinnlos ist.

In der CBT Welt fehlen nach wie vor Standards

Wäre der spitze Bleistift das ständige Handwerkszeug des CBT-Investors, so käme er oft genug (vielleicht auch immer) zu dem Ergebnis, daß ein eigener CBT-Entwicklerstab sich nicht rechnet, ja sogar ein Faß ohne Boden sein kann. Er würde es vorziehen, auf Autorensystem und CBT-Mannschaft zu verzichten. Statt dessen würde er im Bedarfsfall den externen Profi hinzuziehen und diesen dann in die Verantwortung nehmen.

Noch ist die CBT-Welt weit entfernt davon, fehlerfrei zu sein. Was derzeit noch fehlt, sind Standards. Doch sind hier auf europäischer Ebene Bestrebungen im Gange, die hoffen lassen, daß der Anwender auch auf dem CBT Sektor seine Unabhängigkeit von einem einzelnen Anbieter wird bewahren können. Bis es soweit ist, hat der Anwender die Wahl, alles beim alten zu belassen, den Komplex CBT auf eigene Faust anzugehen oder sich an ein Serviceunternehmen zu wenden, von dem er Seriosität erwarten kann.