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30.09.1988 - 

Rasante Technikentwicklung erfordert neue Lernmethoden:

Computer-Based-Training trägt zur Kostensenkung bei

Ferdinand Rüschenbaum ist Leiter der Abteilung Büroorganisation/Bürokommunikation bei der Schumann Management Consulting GmbH, Köln.

Der Computer wird als Bildungsmittel entdeckt: Lernprogramme ergänzen die traditionellen Aus- und Weiterbildungsmethoden. Ein PC ersetzt nicht den Ausbilder oder den Lehrer, sondern unterstützt deren Arbeit. Der finanzielle Aufwand für Anschaffung oder Entwicklung von Lernsoftware rechnet sich, meint Ferdinand Rüschenbaum.

Die rasch fortschreitende technische Entwicklung, die Veränderung von Arbeitsprozessen und -verfahren, die Verkürzung von Innovationszyklen im informationstechnischen Bereich und die notwendige Flexibilität von Unternehmen zwingen jeden Arbeitnehmer gleich welcher Hierarchiestufe zu permanentem Lernen. Betrachtet man beispielsweise die Verkürzung der Zeiten, in der neue Produkte der Informationstechnologie am Markt verfügbar werden, so wird klar, daß die "Halbwertszeit des Wissens" heute schon auf weniger als fünf Jahre angesetzt werden kann.

Eine verantwortungsvolle und zukunftsorientierte Personalpolitik muß somit die Qualifizierung von Mitarbeitern sicherstellen, um langfristig den Erfolg und das Überleben des Unternehmens zu sichern. Bei der Auswahl geeigneter Lernmethoden und -instrumente müssen folgende Grundsatzfragen geklärt werden:

- Können - insbesondere in der mittelständischen Wirtschaft - Mitarbeiter überhaupt an ihrem Arbeitsplatz für den Schulungszeitraum entbehrt werden?

- Können - insbesondere in großen Unternehmen - die erforderlichen Kapazitäten geschaffen werden, um allen Mitarbeitern eine sinnvolle und ihren Bedürfnissen angepaßte Weiterbildung zu ermöglichen?

- Stehen genügend Lehrkräfte zur Verfügung, um jeden Mitarbeiter in unterschiedlichen Fachgebieten angemessen zu qualifizieren?

In den meisten Fällen können angesichts des zu erwartenden Qualifizierungsbedarfs die gestellten Anforderungen nicht erfüllt werden. Trotzdem besteht die Frage weiter, wie dem berufstätigen Menschen an seinem Arbeitsplatz zu einem von ihm selbst gewählten Zeitpunkt Gelegenheit zum Lernen gegeben werden kann.

Eine in der letzten Zeit immer stärker beachtete Möglichkeit wird als

"Computerunterstütztes Lernen", "Computerunterstützter Unterricht" oder "Computer Based Training" bezeichnet. Sie beinhaltet die Nutzung von PCs, mit oder ohne spezieller für das Lernen vorgesehener Peripheriegeräte.

Computerunterstützte Lernprogramme stellen eine besondere Form von interaktiven Anwendungsprogrammen dar: Sie werden in Abhängigkeit von didaktisch-pädagogischen Anforderungen eines Themas oder einer Zielgruppe erstellt und auf den konkreten Anwendungsfall ausgerichtet. Als einfachste Vertreter können Tutorials angesehen werden, die in eine Reihe von PC-Softwareprodukten einführen. Sie sind aufgrund ihres engen Themengebietes und der geringen Nutzung von darstellenden und animativen Elementen jedoch nicht typisch. Das gleiche gilt für interaktive Videoprogramme, bei denen die Verarbeitung von Eingaben meistens auf das Suchen der gewünschten Bildnummern beschränkt ist.

Ein computerunterstütztes Lernprogramm im engeren Sinne beinhaltet einen umfangreichen interaktiven Lernteil, grafische und animative Elemente sowie möglicherweise Bewegtbilder, Standbilder und Sprechertexte, die - auf einer Bildplatte gespeichert - den Lernstoff audiovisuell aufbereiten und zur Anschaulichkeit beitragen. Darüber hinaus sollten computerunterstützte Lernprogramme in jedem Fall über ein Glossar und ein Register verfügen, um ein schnelles Nachschlagen von Sachinhalten und einen gezielten Einstieg in ein Themengebiet zu ermöglichen.

Die Abbildung zeigt den generellen Aufbau eines computerunterstützten Lernprogramms. Es kann in eine Lernumgebung eingebettet sein, die einen leichten, benutzerfreundlichen Start des Lernsystems (einschließlich der Identifikation des Lernenden) und die Auswahl eines Lernprogramms ermöglicht.

Nur attraktive Programme motivieren die Lernenden

Am Anfang jedes Lernprogramms sollten das Lernziel, die -inhalte und -dauer des Kurses genannt werden, um den Lernenden in Kenntnis darüber zu setzen, ob er das richtige Thema gewählt hat, und ob er über ausreichend Zeit verfügt. Das gleiche gilt für die einzelnen Kapitel des Kurses und - sofern es sich um lange Abschnitte eines Kapitels handelt - auch für die einzelnen Abschnitte. In den einzelnen Kapiteln sind in den meisten Fällen Grafiken zur Veranschaulichung und Fragen zur Lernzielkontrolle enthalten, eine audiovisuelle Unterstützung ist möglich und sinnvoll.

Nach dem Durcharbeiten des Kurses wird wieder in die Lernumgebung verzweigt, um ein ordnungsgemäßes Ende des Kurses zu erreichen und eventuell dem Lernenden ein Zertifikat über seine Leistungen im Lernprogramm oder auch eine kurze Zusammenfassung (Text und Grafiken) ausdrucken zu können.

Weil Ausbilder oder Referenten wegfallen, ergeben sich bei der Entwicklung von computerunterstützten Lernprogrammen eine Reihe von Anforderungen. Sie müssen erfüllt werden, da der Lernende aktiv das Lernprogramm aufrufen und bearbeiten muß, das heißt, der Lernende kann nur durch attraktive Lernprogramme motiviert werden, weitere zu nutzen. Ferner kann möglichem Motivationsverlust des Lernenden nicht durch spontane Gegenmaßnahmen eines Vortragenden begegnet werden.

Bei der Planung und dem Design von computerunterstützten Lernprogrammen sind daher die Reaktionen des Lernenden zu antizipieren und durch geschickten Aufbau zu steuern. Im einzelnen bedeutet dies: Das Lernprogramm muß nach pädagogisch-didaktischen Kriterien aufgebaut sein. Die Gliederung der einzelnen Kapitel muß sich sowohl am fachlichen Zusammenhang eines Themengebietes als auch an den geplanten Lernzielen ausrichten. Außerdem ist auf interaktive Konzeption zu achten. Das heißt, nach einer inhaltlich zusammengehörigen Lernsequenz müssen Verständnisfragen und Übungen folgen, um Aktivitäten des Lernenden auszulösen. Die Qualität des Lernprogrammes wird maßgeblich durch die Komplexität und Genauigkeit der Programmreaktionen (Antwortanalysen) auf Eingaben des Lernenden bestimmt.

Animation ist wichtiger Bestandteil eines Lernprogrammes. Durch interaktive, grafische und audio-visuelle Elemente muß die Aufmerksamkeit des Lernenden gefesselt und er zum Weiterarbeiten motiviert werden. Die Einführung in ein Themengebiet stellt andere Anforderungen an sprachlichen Ausdruck und Lerngeschwindigkeit als ein Trainingsprogramm für Spezialisten. Orientierung an Zielgruppen und Themen ist wichtig. Ein Beispiel: Die Einführung in die Anwendung und Wirkungsweise eines Betriebssystems muß in anderer Form erfolgen als ein Operatortraining für das gleiche Betriebssystem.

Ein Lernprogramm muß die Möglichkeit bieten, Material zur Gedächtnisstütze zu drucken. Das bedeutet, im Lernprogramm müssen Texte und Grafiken definiert werden, die ausgedruckt und in schriftlicher Form mitgenommen werden können. Durch diese Funktion wird das Lernprogramm von schriftlichem Begleitmaterial (Lehrbücher, Lerntexte) entlastet, und es wird verhindert, daß der Lernende nur das Betätigen eines PC-Druckers lernt.

Programm muß später Probleme lösen können

Und schließlich sollte ein Lernprogramm gleichzeitig auch Nachschlageprogramm sein. Das bedeutet, das Lernprogramm muß über Einrichtungen verfügen, um auch zu einem späteren Zeitpunkt gezielt Fragen und Probleme zu lösen. Entsprechende Funktionen sind üblicherweise als Register und Glossar verfügbar.

Der Nutzen computerunterstützter Lernsoftware hängt sowohl von den Anwendungsgebieten als auch von der Anwenderanzahl ab. Computerunterstützte Lernprogramme sind kein Allheilmittel für grundlegende und umfangreiche Qualifikationsdefizite. Sie ergänzen vielmehr den traditionellen Frontal-/Klassenunterricht, besonders dann, wenn für einen Lehrgang mit großem Teilnehmerkreis gleiche Grundlagen zu schaffen sind. Außerdem können aktuelle Informationen schnell an Interessenten weitergegeben und Verbesserungsvorschläge eingearbeitet werden. Manuelle Fertigkeiten können an einem Personal Computer trainiert werden. Jedes Programm kann beliebig oft kopiert und an verschiedenen Standorten in der gleichen Version verfügbar gemacht werden, um eine einheitliche Wissensbasis in einem Unternehmen/Unternehmensbereich zu schaffen.

Nicht quantifizierbare Nutzenaspekte jedes einzelnen Lernprogrammes sind darin zu sehen,

- daß der Zeitpunkt, die Reihenfolge von Programmen oder Programmteilen, die Geschwindigkeit und die Wiederholungshäufigkeit vom Lernenden frei gewählt werden können,

- daß je nach Qualität des Lernprogrammes ein mehr oder weniger individuelles Reagieren des Programms auf Erfolg oder Mißerfolg des Lernenden erfolgt und

- daß eine Kontrolle des Lernerfolges möglich ist.

Eine implizite Kontrolle des Lernerfolges, die nur für den Lernenden erkennbar ist, liegt in jeder Reaktion des Lernprogrammes auf Eingaben vor. Eine ausdrückliche, nach Möglichkeit abschaltbare Kontrolle kann in Form eines Zeugnisses oder Zertifikates erfolgen.

Lernprogramme können als fertige Courseware aus dem Markt-Angebot beschafft werden, oder in Eigenentwicklung mit Hilfe von Autorensystemen beispielsweise, erstellt werden. Standard-Lernprogramme können schon zu geringen Kosten erworben werden. Den Kostenvorteilen stehen jedoch in vielen Fällen mangelnde Flexibilität und fehlende Anpassung an die unternehmenseigenen Aufgabenstellungen gegenüber. Die Tatsache, daß Lernprogramme auf verschiedenen Typen von Personal Computern ablauffähig sind, beschränkt unter Umständen den Einsatz grafischer und audio-visueller Elemente, bis hin zum generellen Verzicht.

Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, daß der Einsatz und die Erstellung eines guten Lernprogrammes ein komplexes und aufwendiges Projekt ist. Zu berücksichtigende Kostenarten sind:

- Sachkosten der hardwaretechnischen Ausstattung für Entwickler und Lernenden,

- Sachkosten der gewünschten Standard-Lernsoftware,

- Sachkosten des Autorensystems bei Eigenentwicklung,

- Personalkosten für das Design, die Programmierung und den Test des Lernprogrammes. Hinzu können Kosten für grafische Entwürfe, für die Produktion von Video-Clips und Tonunterlagen durch einen Videoproduzenten und für die Pressung von Bildplatten kommen. Geht man von einem mehrstündigen Lernprogramm aus, so sind Entwicklungskosten in Höhe von mehr als 100 000 Mark durchaus realistisch. Der Endbetrag hängt weitgehend von dem Detaillierungsgrad und damit der Länge des Lernprogramms, dem angestrebten Bedienungskomfort und dem Umfang interaktiver, grafischer und audio-visueller Elemente ab.

Bei einem Kostenvergleich zwischen computerunterstützten Lernprogrammen und traditionellen Lehr- und Seminarveranstaltungen, müssen die folgenden Kostenelemente berücksichtigt werden:

Kosten der Lehrgangsdurchführung

- Sach- und Personalkosten der Abteilung Aus- und Weiterbildung oder

- Gebühren für Seminarveranstaltungen oder

- Referentenhonorare,

- Raummiete

- Verpflegungs- und Getränkekosten,

- Kosten für Lehrgangsunterlagen.

Kosten der An- und Abreise der Lehrgangsteilnehmer

- Reisekosten

- Übernachtungskosten

- Spesen

Kosten der ausgefallenen Arbeitszeit im Betrieb

- Sofern eine Ausbildung nicht am Arbeitsplatz oder am Arbeitsort durchgeführt wird, fallen Reisezeiten und damit Lohn-/Gehaltskosten für die Reisezeit an.

Ein Vergleich dieser beiden Qualifizierungsalternativen hängt von einer Reihe von unternehmensbezogenen Faktoren ab. Neben der Anzahl der zu schulenden Mitarbeiter spielen der Kenntnisstand der Mitarbeiter, das Thema, der Detaillierungsgrad und der Komfort des Lernprogramms eine große Rolle. Wenn eine Aus- und Weiterbildungsabteilung in einem Konzern existiert, sind andere Parameter zu berücksichtigen als bei der (dauernden/häufigen) Inanspruchnahme von externen Seminarveranstaltungen.

Kein genereller Ersatz für andere DV-Schulungen

Dennoch: Geht man davon aus, daß PCs in einem Unternehmen an verschiedenen Arbeitsplätzen verfügbar sind, stellen die Kaufpreise für computerunterstützte Lernprogramme von 100 bis 5000 Mark (je nach Thema, Komplexität, Dauer und Komfort) kein Nutzungshindernis dar. Selbst die Anschaffung von zusätzlichen peripheren Geräten (Bildplattenspieler, Maus oder ähnlichem) wird den Amortisationszeitraum dieser Investitionen kaum verlängern: Geht man von einem Investitionsvolumen von zirka 10 000 bis 20 000 Mark für die Fremdbeschaffung von Courseware und durchschnittlichen Kosten einer Seminarveranstaltung von 1500 Mark pro Mitarbeiter und Tag aus, so sind hierzu maximal 14 Nutzungen des Lernprogramms notwendig. Diese werden erfahrungsgemäß bei einem interessanten und wichtigen Thema innerhalb eines Jahres anfallen.

Die Amortisation einer Eigenentwicklung von computerunterstützten Lernprogrammen verdeutlicht folgendes Beispiel: Zur Schulung von 150 Außendienstmitarbeitern über aktuelle Produktmerkmale, Zahlungsmodalitäten und neue Arbeitsabläufe in der Verwaltung (Formularaufbau) ist eine eintägige Seminarveranstaltung vorgesehen. Kosten von 1000 bis 1500 Mark pro Mitarbeiter und Tag bedeuten in diesem Fall einen Gesamtaufwand von

150 000 bis 225 000 Mark. Auch hier kann also eine kurze Amortisationsdauer der Entwicklungskosten eines computerunterstützten Lernprogramms erreicht werden.

Abschließend kann gesagt werden, daß computergestützte Lernprogramme für Unternehmen aller Größen interessante Möglichkeiten zur Mitarbeiterqualifikation darstellen. Für mittelständische Firmen ist trotz der eingeschränkten Flexibilität der Software und der allgemeinen Themen insbesondere das Angebot an Standard-Lernprogrammen interessant, um die hohen Entwicklungskosten zu vermeiden. Für große Unternehmen mit dezentralen Werken, Niederlassungen, Lägern stellt auch die Eigenentwicklung von Lernprogrammen eine in die Überlegungen zur Personalentwicklung einzubeziehende Alternative dar, um unternehmensindividuelle Problemstellungen unter den Gesichtspunkten der Aktualität und der Corporate Identity zu bearbeiten.

Es sollte jedoch beachtet werden, daß computerunterstützte Lernprogramme kein genereller Ersatz für andere Schulungen sind. Zur Bildung von Grundlagen, für aktuelle Problemstellungen und das Trainieren erworbener Fähigkeiten sind sie gut geeignet und sichern damit nicht zuletzt auch den Lernerfolg des Klassenunterrichts.