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21.10.1983 - 

Automatisierung: Innovationschance und Herausforderung

Computer durchdringen die ganze Industrie

Die Situation unserer Industrie "bewegt sich wieder auf den Zustand etwa zur Zeit der Jahrhundertwende zu, wenn auch auf einem ganz anderen Niveau" - und es sei jetzt noch an der Zeit, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Wobei, daran läßt Diplomkaufmann Wilfried Götze von der Berliner Gesellschaft für Prozeßsteuerungs- und Informationssysteme überhaupt keinen Zweifel, diese Maßnahmen bloß in einer intensiven umfassenden Automatisierung der Industrie bestehen könnten.

Götze sprach vor dem Münchner Kongreß "Venture '83" speziell über die guten Chancen, die sich für tatkräftige Innovatoren durch diesen - für ihn unausweichlichen - Zwang zur Industrieautomatisierung ergäben. Die Historie, die zu den heutigen Kalamitäten geführt hat, stellt sich für den Referenten wie folgt dar.

Bis etwa 1900, so Götze, herrschte in der Industrie eine personalintensive Einzelfertigung vor, denn Arbeit war damals billig, Maschinen hingegen teuer. Damals also spezifizierte zunächst ein Kunde individuell seine Wünsche, ein Konstrukteur setzte sie in entsprechende Zeichnungen um, und schließlich wurde das Produkt von Facharbeitern nach Maß gefertigt. Alles in allem gab es, durch die damaligen Verhältnisse bedingt, einen "Käufermarkt"; relativ schlechte Zeiten also für die Hersteller von Produkten.

Das sollte sich gründlich ändern, als im Gefolge der Ideen Taylors (und zuvor schon Adam Smiths) sowie Henry Fords standardisierte Produkte arbeitsteilig immer billiger hergestellt werden konnten, denn die sinkenden Verkaufspreise hatten eine, so Götze, starke Expansion der Märkte zur Folge. Es entstanden typische Verkäufermärkte, die bis etwa Ende der 60er Jahre erhalten blieben.

Doch dann drehte der Wind sich erneut; Sättigungserscheinungen verschärften den Konkurrenzdruck, Energie und Rohstoffe wurden knapper und teurer, und ein steigendes Bewußtsein hinsichtlich der Gefahren, die unsere industrielle Lebensweise für die Umwelt mit sich bringt, tat ein übriges: Erneut wandelte sich die Szenerie, so Götze, zu einem Käufermarkt.

Anforderungen werden immer schärfer

Heute stehen die Unternehmen mithin in einer Situation, die sie zwingt, einerseits immer vielfältigere Produkte zu immer kürzeren Lieferzeiten und mit steigender Qualität bei sinkenden Erlösen anzubieten während sie sich andererseits mit knapper werdenden Rohstoffen, mit unsicheren Bezugsquellen und mit steigenden Einkaufspreisen herumschlagen müssen. Dieser Situation "werden sie mit ihrer herkömmlichen Struktur einfach nicht mehr gerecht" (Götze).

Der Berliner unterscheidet in Industrieunternehmen zwischen dem Informations- und dem Materialfluß, wobei der erstere "vom Arbeitsmarkt (Aufträge, Marktprognosen) her" komme, die Bereiche .Absatz, "Fertigung" und "Beschaffung" durchlaufe und schließlich nach außen auf den Beschaffungsmarkt - wo Rohstoffe beispielsweise eingekauft werden - gehe. Andererseits fließe das Material natürlich vom Beschaffungsmarkt über die Stationen Beschaffung, Fertigung und Absatz stufenweise durch das Unternehmen und dann hinaus auf den Markt.

Die Schwachstellen

Das ist soweit noch nicht weiter aufregend - nur "oft haben die Unternehmen Schwierigkeiten, für Integration zu sorgen", sprich, das Zusammenspiel von Informations- und Materialfluß so zu gestalten, daß ein optimales Resultat erzielt wird. Denn was anderes als mangelnde Information ist denn die Ursache, wenn sich beispielsweise im Eingangslager tonnenweise Bleche stapeln - nur weil nicht rechtzeitig erkannt wurde, daß die so schnell zunächst nicht benötigt wurden.

Für Götze liegen die "Schwachstellen" typischer Industriebetriebe vor allem darin, daß

- zusammenhängende Bereiche wie Produktion, Instandhaltung oder Materialfluß isoliert betrachtet und

- zusammengehörende Teilaufgaben wie die Ermittlung des Materialbedarfs oder auch des Kapazitätsbedarfs voneinander getrennt behandelt würden.

Denn, so der Referent, "die EDV unterstützt in Form typischer Insellösungen eben immer nur Teilbereiche eines Unternehmens". Was fehle, sei "eine Methode zur Integration zusammengehörender Bereiche, also der technischen, der Materialfluß- und der Planungs- und Steuerungssysteme.

EDV und Fabrik von morgen

Was folgt aus alledem für die Fabrik des Jahres 2000 (und früher)? Welche Anforderungen werden an ihre Organisation, und vor allem an ihre Datenverarbeitungskonzepte in Hard- und Software gerichtet werden?

Götze nannte folgende Punkte:

- Teilaufgaben werden entsprechend ihrem "Planungshorizont" also der mit ihren einhergehenden Fristsetzungen, aufeinander abgestimmt und organisatorisch in ein größeres Ganzes eingeordnet werden müssen;

- die Genauigkeit der Planung muß - in der Grob- wie in der Feinplanung - exakt auf den Planungshorizont abgestimmt werden und

- die Teilaufgaben der unterschiedlichen Bereiche, also etwa der Produktion, der Instandhaltung und der Qualitätssicherung, müssen nach Maßgabe ihrer Fristigkeiten ebenfalls noch genau aufeinander abgestimmt werden.

Und für dies alles dürfte der herkömmliche Terminkalender eben kaum mehr ausreichen.

Für Götze sind die einzelnen Komponenten einer modern organisierten Fabrik von morgen in vielfältiger, gewissermaßen mehrdimensionaler Art und Weise aufeinander abgestimmt. Dieser Abstimmungsprozeß werde das Werk von Regelkreisen sein, die endlich unter Nutzung moderner Informationstechniken eingerichtet und unterhalten werden.

Für die Erklärung des Begriffs, "in unterschiedlicher Art und Weise" führte Götze eine Art dreidimensionales Modell vor, das zeigt, daß einmal ein vertikaler Regelkreis einzurichten sei, der vom Absatz über die Fertigung bis zur Beschaffung aller Teilgebiete verbindet (und der natürlich für die einzelnen Produktbereiche jeweils separat eingerichtet werden muß).

Die einzelnen Produktbereiche quer verbindend, sind weitere, horizontale Kreise zu installieren, die auf den einzelnen Ebenen (wie eben Absatz oder Fertigung oder Beschaffung) die Produktteilbereiche informatorisch miteinander koppeln und gewissermaßen ein unfruchtbares, blindes Nebeneinanderherwursteln verbinden sollen.

Und dann gebe es noch eine dritte Dimension, in der verknüpfende Regelkreise einzurichten seien, meinte Götze. Es gelte nämlich, Kreise einzurichten, die die eigentliche Produktion (mit ihren erwähnten Unterebenen Absatz, Fertigung und Beschaffung) nahtlos mit den begleitenden Funktionen Qualitätssicherung und (betriebsinterne) Anlagentechnik verbinden.

So könne die Qualitätssicherung unverzüglich merken, wenn in der Fertigung etwas schief laufe. Fast gleichzeitig läßt sich die Anlagentechnik alamieren, um eine ausfallbedrohte Maschine instand zu setzen, ehe sie weiteren Schaden anrichten kann.

Von Einzellösungen zur Integration

Viele Elemente, deren es bei der Verwirklichung des von Götze vorgestellten Konzepts bedarf, gibt es in unseren Betrieben schon heute, sagte der Referent, "aber das sind alles immer noch Einzellösungen".

Auf der unteren Ebene der Produktionstechnik sei beispielsweise der Einsatz von Handhabungsautomaten, ,Roboter" genannt, erforderlich, ferner die intensive Nutzung speicherprogrammierbarer Steuerungen sowie der Einsatz von Prozeßrechnern und Mikroprozessoren.

Die höhere Ebene der Produktionsplanungs- und Steuerungssysteme (PPS-Systeme) wiederum rufe, so Götze, nach dem Einsatz integrierter standardisierter Planungs- und Steuerungssysteme. Dieser Einsatz müsse das Ziel verfolgen - auch wenn es vielleicht beim heutigen Stand der Dinge noch ein äußerst ehrgeiziges, schwierig zu verfolgendes Ziel sein mag -, dem Anwender ein rechnerunterstütztes Instrumentarium an die Hand zu geben, das von der Erstellung eines Angebots bis zur Werkstattsteuerung und zur Kostenrechnung reichen und alle Funktionen integrieren müsse.

Götze sieht die Vorteile, was das dann bringen könnte, in rosigem Lichte, denn die computerisierte Fabrik von morgen sollte, so seine Worte,

- überschaubare Betriebsabläufe,

- reduzierte Lagerbestände

- hohe Liefertermine und

- kurze Durchlaufzeiten in der Fertigung bringen.

Dazu komme noch, daß man dank der komplex miteinander zu vermaschenden Rechner und Programme künftig schon früh werde erkennen können, wo es Reserven und wo es Engpässe an Kapazität gebe.