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28.02.1986 - 

Drei neue Verfahren für die Friedhofsautomation:

Computer erobern selbst die letzte Ruhestätte

SIEGBURG - Das Friedhofswesen gehörte bis vor kurzem zu den wenigen großen kommunalen Aufgabenbereichen, in die die Datenverarbeitung noch in keinem nennenswerten Umfang Einzug gehalten hat. Nach jüngsten Recherchen des Kreisverwaltungsdirektors von Siegburg, Heinrich Adolfs, gibt es jedoch inzwischen einige brauchbare Verfahren, um die auf diesem Gebiet anfallenden Daten von Lebenden und Toten zu verwalten.

Ein "Massengeschäft" der Friedhofsämter ist die Grabverwaltung. Bei den für diesen Bereich neu entwickelten Lösungen handelt es sich zunächst um ein von dem kommunalen Rechenzentrum Niederrhein in Moers (KRZN) entwickeltes Konzept, das softwareseitig an das zentralrechnerorientierte Datenbanksystem von IBM IMS DB/DC gebunden ist und voraussichtlich im April diesen Jahres in vollem Umfang zur Verfügung steht. Dagegen liegt das zweite einschlägige Verfahren von der Firma Emons aus Köln sowohl für Mikros unter MS-DOS als auch für MDT-Anlagen und Großrechner vor. Diese Programme sind systemneutral erstellt.

Das Kölner Verfahren wird als PC-Variante in Hessen bereits flächendeckend über die fünf kommunalen Rechenzentren Frankfurt, Gießen, Wiesbaden, Kassel und Darmstadt eingesetzt. Den landesweiten Einsatz leitet das Rechenzentrum Darmstadt federführend. Die Anbindung der dort für die Friedhofsverwaltung installierten Mikros an die jeweiligen Großrechner ist für Mitte 1986 vorgesehen.

Auch in Bayern soll die Emons-Lösung zum Zuge kommen. Entsprechende Verhandlungen mit der Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung (AKDB) laufen bereits. Durch seine PC-Konzeption ist dieses Produkt besonders für solche Gemeinden interessant, die nicht an eine gemeinsame kommunale Datenzentrale angeschlossen sind oder deren GKD das Friedhofswesen nicht automatisiert hat beziehungsweise in absehbarer Zeit nicht zu automatisieren gedenkt.

Der große Bestand von Daten bei der Gräberverwaltung zwingt zu einer strengen hierarchischen Ordnung. Nächst den Gemeindekennzahlen - man denke an die gemeinsame

Verwaltung zahlreicher Gemeindedaten in der GKD - ist die Friedhofsnummer Ordnungsbegriff Nummer eins, denn größere Städte und Gemeinden verfügen über mehr als einen Friedhof. Als nächste Kennziffern folgen Feld-, Reihen- und schließlich Grabnummern. Bei den Grabarten wird unterschieden nach Reihengrab, Einzelgrab, Doppel- und Mehrfachgrab, Kindergrab und Urnengrab. Innerhalb der Gräber ist die Lage des Toten - rechts, links, unten und oben, unbelegt - von Interesse und muß gespeichert werden. Hinzu kommen Informationen über Grabfassungen, Denkmäler und möglicherweise die Art der Bepflanzung. Nicht zu vergessen sind darüber hinaus die persönlichen Daten des Toten und diejenigen der Angehörigen. Zu den ersteren zählen Name und Vorname, Geburts-, Sterbe- und Beerdigungsdatum, letzte Anschrift, Geschlecht und Ruhefrist.

Von den Hinterbliebenen beziehungsweise Nutzungsberechtigten werden ebenfalls Namen und Anschrift gespeichert. Nutzungsberechtigt kann eine Personenmehrheit sein. In diesem Zusammenhang muß auch daran gedacht werden, die Daten der Nutzungsberechtigten im Verlauf der 25- bis 30jährigen Ruhefrist zu aktualisieren. Die Speicherung der Gräberarten erlaubt Auswertungen vielfältiger Art, zum Beispiel im Hinblick auf den Schriftverkehr mit den Nutzungsberechtigten. Es können auch ungepflegte Gräber und Angaben über die Standfestigkeit der Grabsteine im Datenbestand vermerkt werden.

Die beiden genannten Verfahren bieten auch Unterstützung bei der Gräberverwaltung. Gerade hierbei werden die Friedhofsämter gegenüber herkömmlichen Methoden durch folgende Leistungen wesentlich entlastet:

- Das Friedhofsamt kann leicht erkennen, welche Gräber zur Belegung frei sind beziehungsweise zur Auswahl stehen.

- Es können Anfragen von Bürgern besonders schnell beantwortet werden, was in Sterbefällen von erheblicher Bedeutung ist.

- Für den Schriftverkehr in solchen Angelegenheiten lassen sich in den Verfahren nach den Regeln der Textverarbeitung Standardschreiben und Textbausteine speichern.

- Die Verfahren bieten umfassende Terminüberwachungen, zum Beispiel für Beisetzung und Trauerfeier.

- Standards oder Extras bei der Trauerfeier, der Ausstattung der Friedhofskapelle und der Wünsche in musikalischer Hinsicht können vermerkt werden.

- Druck von Verhandlungsniederschriften und Urkunden, zum Beispiel über Nutzungsrechte. (Die Verfahren automatisieren allerdings nicht die Belange der in Sterbefällen auch stets betroffenen Standesämter.)

- Die notwendigen und vielfältigen Abstimmungen mit den Bestattungsunternehmern laufen automatisiert ab. Gleiches gilt für den Datenfluß zwischen Friedhofsamt und den Friedhofsanwärtern, der ja besonders dort eng sein muß, wo in einer Stadt mehrere Friedhöfe bestehen und gewisse Geräte zu den einzelnen Grabaushebungen dirigiert werden müssen.

- Wiedervorlagen werden automatisiert verwaltet.

DV auch für Friedhofsgärtner

Das Systemhaus Emons bietet neben seinen Verfahren für Friedhofsämter ebenfalls Programme für Friedhofsgärtnereien an. Ihre Aufgaben bestehen im Verwalten der Stammdaten, im Führen von Arbeitsbüchern, im Fakturieren, im Zahlungs- und Mahnbereich. Dazu gehört auch die Finanzbuchhaltung. Schließlich sollten Aufgaben der Werbung automatisiert ablaufen können.

Zu den Stammdaten zählen zum Beispiel die Artikel-Stammdaten. Hier werden sämtliche Artikel und Dienstleistungen gespeichert. Auch die Kunden- und Vertriebsdaten zählen zur Stammdatei. Sie beinhalten Grab-, Vertrags- und Bepflanzungsinformationen, Termin-, Dauer- und Zusatzaufträge. Werbeadressen und Texte für Werbeschreiben mit Preisen können gespeichert werden.

Zu den automatisiert erstellten Arbeitsbüchern gehören Pflege- und Bepflanzungslisten. Ein Terminkalender wird geführt, Arbeitskarten werden gedruckt, der Pflanzenbedarf berechnet. Somit können Pflanzen in entsprechender Menge abgerufen werden. Der Bedarf an Pflanzen läßt sich für ein ganzes Jahr oder nach Perioden berechnen.

Das Systemhaus Emons entwickelt zur Zeit gemeinsam mit der Stadt Bonn eine Grünflächendatei (Einsatz ab Frühjahr 1986). Da Friedhofsverwaltung und Grünflächenverwaltung Parallelen aufweisen und sogar beide Bereiche oft in einem gemeinsamen Amt zusammengefaßt sind, ist dieses Projekt erwähnenswert. Besonders hinsichtlich des Umwelt- und Naturschutzes leistet eine solche Datensammlung besondere Dienste.

Rechner treiben Gebühren ein

Beerdigungen und andere Dienstleistungen im kommunalen Friedhofswesen lösen vielfältige Gebührenberechnungen aus (zum Beispiel Grabkauf, Grabbereitung, Trauerfeier, Sargträger). Über die zu berechnenden Beträge können alle hier angesprochenen DV-Verfahren entsprechende Bescheide erteilen (sogenannte Veranlagung). Mit der Bescheiderteilung (bei privatrechtlicher Organisation des Friedhofs- oder Gärtnereiwesens muß man von Rechnungen sprechen) ist stets eine entsprechende Verbuchung der gemeindlichen Geldforderung verbunden (Sollstellung). Die Verfahren erlauben dabei eine vielfältige Differenzierung nach Haushalts- und Kostenstellen, so daß eine periodische Auswertung für Zwecke der Betriebskostenrechnung ermöglicht wird.

Die Überwachung der Zahlungseingänge und das sich nötigenfalls anschließende Mahn-, Vollstreckungs- und Stundungsverfahren sollen hier nicht näher beschrieben werden, da sich diese Bereiche nicht von denjenigen anderer kommunaler Einnahmen - einmaliger mit periodischer - unterscheiden. Die sind Aufgaben der Stadt- und Gemeindekassen, deren Arbeiten seit langem automatisiert sind (Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen). Hier weist das Friedhofswesen keine Eigenständigkeiten auf.

Alle angesprochenen DV-Verfahren ermöglichen schließlich die Erstellung umfangreicher Statistiken für Planungsarbeiten des Friedhofsamtes. Gerade hier bieten manuelle Verfahren den Gemeinden wenig Chancen für sorgfältiges Arbeiten. So erlauben zum Beispiel die DV-Verfahren des KRZN Moers und von Emons folgende statistische Auswertungen:

- Anteile der einzelnen Bestattungsarten

- Verhältnis der Einheimischen zu den Auswärtigen (zum Beispiel zu unterscheiden an der Postleitzahl des letzten Wohnortes des Verstorbenen)

- Häufigkeit des Graberwerbs und des Wiedererwerbs

- ablaufende Nutzungsrechte

- freie und belegte Grabstellen/Grabarten.

Neben dem Beratungsbüro für Datenverarbeitung Emons und dem Kommunalen Rechenzentrum Niederrhein in Moers hat auch die Landeshauptstadt Saarbrücken ein Verfahren für die Friedhofsautomation entwickelt, was allerdings nur die Bereiche Gebührenwesen mit Sterbetagebuch und einige Statistiken abdeckt.