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10.12.1976

Computer im Weihnachtsstreß

O du fröhliche ... Weihnachtszeit!

Zweifelsohne ein Fest der Freude - gibt es doch die kleinen Geschenke, mit denen "alle Jahre wieder" unsere Lieben bedacht werden sollen. Die richtige Weihnachtsstimmung kommt doch auch erst auf, wenn eben diese kleinen Gaben - meist in allerletzter Minute - in der festlich geschmückten Innenstadt gesucht und auch gefunden werden. Recht wenig denkt man bei seinen Weihnachtseinkäufen aber an die Industriezweige, die durch optimale Vorausplanung und umgehendes Disponieren auf noch so verspätete oder ausgefallene Wünsche reagieren können. Dank EDV lassen sich so die sprichwörtlich "leuchtenden Augen unterm Weihnachtsbaum" immer wieder realisieren. Meist beginnen bei den geschenkartikel-verdächtigen Branchen die Computer bereits im Hochsommer mit den Weihnachtsvorbereitungen. Die NRZ in Nürnberg zum Beispiel, wo bereits in der Badesaison 70 Prozent des Weihnachtsgeschäfts der Spielwarenbranche disponiert werden müssen. Oder bei Schöller's Eiscreme, dort muß sich der Computer auf die Verteilung von Lebkuchen umstellen. Am schlimmsten aber steht's um die Bücher - oft Verlegenheitsgeschenke, "wenn einem gar nichts mehr einfällt": Bei der VVA in Gütersloh treffen noch am 23. 12. eilige Bestellungen ein ... hö

Maximilian Wieselhuber, Leiter der EDV, Schöller KG, GmbH & Co, Nürnberg

Wir fabrizieren im Sommer Eiscreme, für die Weihnachtszeit im Winter Lebkuchen. Probleme mit dem Weihnachtsrummel haben wir Gott sei Dank keine, denn unser Computer, eine 370/135 - demnächst sogar eine 370/148 - verkraftet die Lebkuchen vom Arbeitsaufwand her wesentlich besser als die Eiscreme.

Bei der Eisfabrikation fangen wir den traditionellen Bereich in ganz Deutschland ab, das bedeutet ganz andere Vertriebswege: Eis wird stückchenweise vom Einzelhändler bestellt. Hierbei entstehen viele Lieferscheine sowie das Problem der umgehenden Auslieferung mit Kühlwagen. Die Lebkuchen werden von selbständigen Handelsvertretern mit jeweils 700 bis 800 Kunden geordert. Die Umstellung von Eiscreme auf Lebkuchen erfolgt bereits im August - bis Dezember wird "gebacken". Die Lebkuchen haben ja den Vorteil, daß sie immer besser werden, je länger sie liegen. Die Eisproduktion liegt inzwischen auf "Eis" - und für die Leute, die auch zur Winterszeit auf ihre Eiscreme nicht verzichten wollen, gibt es noch genügend Vorrat in den Kühlungen. Eine sinnvolle Einteilung also, um unser Computersystem das ganze Jahr über sinnvoll auszulasten.

Hermann Fifka, Leiter der EDV, NRZ Nürnberger Rechenzentrale GmbH, Nürnberg

Die NRZ ist eine 100prozentige Tochter der VEDES, Europas größtes Handelsunternehmen der Spielwarenbranche mit über 450 angeschlossenen Fachgeschäften. Wir übernehmen alle Arbeiten der VEDES auf EDV. In unserem Haus arbeiten derzeit 9 Systemanalytiker, 10 Operatoren und 12 Datentypistinnen. Unser System IBM 370/135 fährt normalerweise im Eineinhalb-Schichtbetrieb, in Saisonspitzen, wie zum Beispiel beim Weihnachtsgeschäft, bis zu drei Schichten.

Auf dem Spielwarenmarkt werden etwa 200 000 unterschiedliche Artikel angeboten. Unsere Aufgabe nun ist es, aus diesem umfangreichen Angebot ein optimales Sortiment für die VEDES-Kunden zusammenzustellen - das können etwa 30 000 bis 40 000 Artikel sein. Für das Weihnachtsgeschäft muß der Kunde bereits im April etwa 70 Prozent seines Bedarfs in Auftrag geben - für uns entsteht dann in den Monaten Mai bis August die meiste Arbeit. Die vom Kunden disponierten Waren müssen umgehend zur Produktion an den Hersteller weitergeleitet werden. Bei der Rücklieferung gilt es, die ankommenden Spielwaren schnellstens zu bearbeiten, also einzulagern und zu Warensendungen zusammenzustellen, damit unser Lager nicht überfüllt und somit eine optimale Steuerung unmöglich wird. In den sieben Wochen vor Weihnachten tätigen die Spielwarenhändler etwa 60 Prozent ihres gesamten Jahresumsatzes. Damit wir schnell reagieren können, füllen unsere Kunden maschinenlesbare Ordersätze aus, die in den Monaten Mai bis August täglich einmal, in der Vorweihnachtszeit, wenn die kurzfristigen Nachbestellungen hereinkommen, zweimal erfaßt werden. Um diese Arbeiten termingerecht durchführen zu können, stellen wir zusätzliches Datenerfassungspersonal ein, das teilweise am Klarschriftleser, Locher/Prüfer und an Bildschirmen arbeitet, und zwar in einer zusätzlichen Abendschicht. Die dritte Schicht im Rechenzentrum können unsere Operatoren alleine bewältigen - natürlich gegen entsprechende zusätzliche Bezahlung.

Jürgen Gössmann, Leiter der EDV-Organisation, VVA - Vereinigte Verlagsauslieferung OHG, im Rahmen des Bertelsmann-Verbundes, Gütersloh

Als großer Bücherkommisionär bekommen wir den Weihnachtsgeschenke-Boom unmittelbar zu spüren, denn Bücher wurden und werden nach wie vor gerne auf den Gabentisch gelegt. Speziell das letzte Quartal im Jahr bringt für die VVA die größten Probleme: Die Arbeitsspitzen beginnen im Oktober und steigern sich Ende November/Anfang Dezember, - die letzten Bestellungen kommen sogar noch am Tag vor Heiligabend. Und hier wird von den Buchhändlern erwartet, daß die Lieferung bereits am 24. 12. in den Läden eintrifft. Wir haben also - bezogen auf die Dialogbelastung - bis zum letzten Tag Eingaben.

Wir arbeiten auf der EDV-Seite zusammen mit dem Bertelsmann-Rechenzentrum, dort steht ausschließlich für uns eine Siemens 7740, an die unsere 50 Auftragsbildschirme und 12 Bildschirme für die Debitoren-Buchhaltung angeschlossen sind. Zusätzlich gibt es noch Bildschirme für die Lagerdisposition. Alle Aufträge, die per Post eintreffen, werden umgehend an die Erfassungsplätze verteilt, dort verarbeitet, anschließend in einem Batchlauf zu Rechnung und Packzettel verarbeitet.

Um die Spitzenbelastungen personell bewältigen zu können, werden für das letzte Quartal zusätzliche Mitarbeiter für die Erfassungsbildschirme eingestellt. Teilweise sind das Sachbearbeiterinnen, die für diese drei Monate als Datenerfasserinnen eingesetzt werden. Neben dieser Stamm-Mannschaft haben wir noch Stamm-Aushilfen, die wir ohne Probleme zu gewissen Zeiten kurzfristig anheuern können. Hier in Gütersloh ist der Markt für Aushilfskräfte sehr gut, so daß wir umgehend Personal, mit dem wir bereits guten Kontakt aus den Vorjahren haben, anfordern können. Eine zusätzliche Schicht ist nicht erforderlich, denn die Dialoge mit dem Computer laufen bis zum 23. 12 etwa 17.00 Uhr. Die nachts erstellten Rechnungen gehen noch am 23. 12. in den Versand. Da wir ohnehin 24 Stunden Arbeiten, ist eine Steigerung zur Weihnachtszeit nicht möglich. Unsere Operatoren arbeiten also im Dreischicht-Betrieb.