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12.10.1979 - 

Bundesbahn-Feldversuch automatische Fahrplanauskunft:

Computer-Karlchen spricht mit SAMT und Siemens

MÜNCHEN (CW) - Fahrplanauskünfte über die Verbindung vom Frankfurter Hauptbahnhof nach 300 Zielorten erteilt im Ortsnetz Frankfurt ein Computer. Per Telefon wendet sich der Ratsuchende über die Rufnummer 7 54 32 an den Rechner des bei der Bundesbahn bestehenden Systems "Elektronische Reisezug-Auskunft" (ERA). Über eine Nebenstellenanlage können bisher zehn Anrufer gleichzeitig bedient werden. Der Sprachsynthetisator ist mit 32 Sprachkanälen herstellbar. Reiseziel und -Zeit werden über Wählsignale eingegeben, die Ausgabe der empfohlenen Verbindung geschieht im Vocoder-Verfahren, da der große Wortvorrat nur synthetisch erzeugt werden kann. Der Anschluß von Ausgabe-Bildschirmen in Reisebüros und an Bahnhöfen ist vorgesehen. Das System arbeitet selbsterklärend, so daß der Benutzer keine zusätzliche Bedienungsanleitung braucht. Mit dem System vertraute Kunden können ihre Wünsche sofort hintereinander eingeben, ohne die einzelnen Aufforderungen und Eingabebestätigung abzuwarten.

Der Dialog mit "Karlchen" läuft wie folgt ab: Die automatische Fahrplanauskunft stellt sich vor und gibt schrittweise ihre Gebrauchsanweisung bekannt. Nach Aufforderung wählt der Kunde die Vorwahlnummer seines Zielortes und erhält "mündlich" die Bestätigung. Hat Karlchen falsch verstanden, wählt der Teilnehmer eine Null.

Ein ähnlicher Vorgang wiederholt sich bei Abfahrtszeit und Reisetag. Karlchen empfiehlt ein Verbindung mit Abfahrtsund Ankunftszeit, nennt die Umsteigebahnhöfe und den Fahrpreis. Falls der Reisewillige einen weiteren Vorschlag wünscht, wählt er eine Eins; ein neuer Dialog beginnt.

An der Sprachausgabe im Projekt "Karlchen" sind die Fernmeldetechnische Zentrale der Deutschen Bundespost (Darmstadt), das ihr angeschlossene Forschungsinstitut sowie Dornier System GmbH (Friedrichshafen) beteiligt, die Bundesbahn stellt das Experimentierfeld und die Fahrplandaten für den Versuch, das Bundesministerium für Forschung und Technologie übernahm die Finanzierung.

Sprachmelodie und Sprachgeschwindigkeit

Seit rund dreieinhalb Jahren entwickelt die zur Simulation des menschlichen Stimmbildungssystems dienen, erklärte Hans Jürgen Braun, wissenschaftlicher Mitarbeiter an dem von Herbert Wolf geleitetem SAMT-Projekt. Die Eingabecodes für die rund 46 Laute oder besser 1200 Übergangslaute der deutschen Sprache mit Lautstärke, Sprachmelodie und Sprechgeschwindigkeit werden von einem Mikroprozessorkomplex (Bit-Slice-System AMD 2901) nach der Lautfolge über Steuerparameter ausgewählt, in Lautdaten umgewandelt und an den Stimmbildungskomplex weitergegeben. Die richtigen Informationen über die verschiedenen Lautübergänge sind in Steuerparametern abgespeichert.

310 Impulse werden verstanden

Wenn SAMT "spricht", werden also Lautübergänge aus dem Speicher abgerufen und an den Mikroprozessorteil der Anlage übergeben. Hier wird eine Lautübergangfolge gebildet, die Steuerparameterauswahl getroffen und vom Speicher abgerufen. Die digitalen Signale gehen nun an den Sprachtrakt-Simulator weiter, der sie in akustische Signale umwandelt und in Form von Lautkombinationen über Telefon ausgibt.

Mit Hilfe eines Formantsynthetisators wurden die Formandaten in Computeranalysen parallel zur übrigen Hard- und Software bei der Fernmeldetechnischen Zentrale ermittelt.

Realisiert ist SAMT allerdings noch nicht. In etwa einer Woche soll die Entscheidung fallen, ob das jetzt arbeitende Votraxsystem der Vocal Interface Division (USA, in der Bundesrepublik vertreten von Herrn Soscuti, Wiesbaden) von der Entwicklung der Post oder dem System des Heinrich Hartmann Institutes (Berlin), SIZ, abgelöst wird, so Dr.

Rolf Zimmermann, Leiter der Hauptabteilung Systemtechnik bei Dornier. Nach

seinen Angaben übernahm Dornier von der Bundesbahn als Projektleiter den Auftrag, die Kanalansteuerung, die technische Einrichtung zur Erkennung von Wählimpulsen sowie die Interfaces zu liefern. Die von Dornier erbrachte Software besteht aus der Dialogführung, der Umsetzung von Teilnehmerwünschen in die ERA-Codes und dem Erkennen der ERA-Daten. Nach den vom Dornier-Rechner Siemens 310 verstandenen Impulsen werden die gewünschten Züge ausgewählt, die Verbindungen optimiert und schließlich die Lautschrift erzeugt, nach der die Sprachausgabe erfolgt.

Verspäteter Feldversuch

Da für die Verbreitung der automatischen Sprachausgabe die Reaktion der direkten Anwender nicht unbeachtet bleiben kann, wurde die wissenschaftliche Begleituntersuchung an das Roland Berger Forschungsinstitut (München) vergeben. In drei Wellen, so Guido Jossi als Mitarbeiter an diesem Projektteil, soll die Aufnahmebereitschaft der Bevölkerung ergründet werden. Da der einjährige Feldversuch "Karlchen" wegen technischer Schwierigkeiten verspätet in Betrieb genommen wurde, ist mit den ersten Ergebnissen über die Akzeptanz erst Anfang kommenden Jahres zu rechnen.

In einem einjährigen Feldversuch, finanziert vom BMFT, gibt "Karlchen" Auskunft über Zugverbindungen von Frankfurt. In der gegenwärtig realisierten Ausbaustufe antwortet die synthetische Stimme gleichzeitig zehn Partnern, vorgesehen ist die Bedienung von 32 Kunden.