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21.05.1982 - 

Der iberischen Halbinsel bleibt die Hoffnung auf zukünftige EDV-Entwicklungen:

Computer kommen den Spaniern spanisch vor

MADRID - Ausländische Hersteller haben den spanischen DV-Markt fest im Griff. In den vergangenen Jahren arbeiteten die spanischen Behörden mehrfach Pläne zur Unterstützung der eigenen Datenverarbeitung aus die sich nach kurzer Zeit als Fehlschlag erwiesen. Nun soll ein Sonderprogramm für die Einrichtung von Datenbanken endgültig dafür sorgen, die spanische DV-Industrie aufzupolieren. Kurzfristige Marktentwicklungen lassen sich noch nicht abschätzen.

Den spanischen Behörden ist es bis zum heutigen Tag nicht gelungen, Statistiken über DV-Installationen zu führen. Deshalb liegt der gesamte Hardwarebereich ziemlich im dunkeln. Die nachfolgenden geschätzten Zahlen dürften aber aufgrund von Erfahrungswerten der Wirklichkeit ziemlich nahekommen. Rund 5120 Großcomputer und MDT-Anlagen sind in Spanien installiert. Dazu kommen noch zirka 14 300 Minicomputer. Hauptabnehmer ist mit etwa 33 Prozent das Kreditgewerbe (Banken, Sparkassen, Versicherungs- und Finanzierungsgesellschaften), dem Industrie- und Dienstleistungsunternehmen mit rund 31 Prozent folgen. Den dritten Platz nimmt die öffentliche Verwaltung mit 23 Prozent ein.

Den ersten Computer, eine IBM-Anlage, erwarb im Jahre 1959 die Nationaleisenbahn. Zwischen dem Ende der 60er und dem Beginn der 70er Jahre begann der DV-Markt zu wachsen. Die Zuwachsrate betrug damals 30 Prozent jährlich.

Ausländische Unternehmen

In den vergangenen Jahren entfielen rund 80 Prozent des Umsatzes auf IBM, Honeywell Bull und Sperry Univac Davon erzielte IBM allein zwischen 55 und 60 Prozent. Allerdings mußten sowohl Honeywell Bull als auch Sperry Univac erhebliche Rückschläge hinnehmen. Während Honeywell unter der von Mitterand in Frankreich angekündigten Verstaatlichungspolitik leidet, macht Sperry Univac die fehlende Produkt- und Vertriebsstrategie zu schaffen. NCR und Siemens weisen konstante Wachstumsraten auf. Spanische Branchenkenner wundern sich allerdings, warum Siemens sich trotz der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten immer noch mit einem Mittelplatz begnügt.

Seit ein paar Jahren hat auch Fujitsu den spanischen Markt entdeckt und bereits die ersten Erfolge verbuchen können. Big Blue wurde ein paar Mal von den Japanern, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von 600 Millionen Peseten erzielten, aus dem Rennen geworfen. Wie ernst es Fujitsu ist, zeigt auch die 25prozentige Beteiligung an dem spanischen Unternehmen Secoinsa. Gute Resultate im Bereich der mittelgroßen Systeme konnten Digital Equipment Hewlett-Packard und Nixdorf Computer erreichen.

Eigene Produktionsstätten in Spanien besitzen IBM (Valencia), Nixdorf (Toledo) und das spanische Unternehmen Secoinsa (Malaga).

Gegründet wurde Secoinsa im Jahre 1975. Das Unternehmen beschäftigt 630 Mitarbeiter und erreichte 1980 einen Umsatz von rund drei Milliarden Peseten. In ihrem Werk in Malaga werden mit Hilfe von Fujitsu Minicomputer, Datenstationen, Drucker und Bildschirme hergestellt. Die Geschäftsleitung sieht voller Optimismus in die Zukunft und beabsichtigt, bis zum Jahr 1985 die Summe von über 20 Milliarden Peseten zu investieren. Eine Milliarde Peseten davon sei für die Entwicklung neuer Produkte vorgesehen. Bis 1986 sei die Schaffung von 300 neuen Arbeitsplätzen geplant, gleichzeitig soll der nationale Markt bis zu 20 Prozent erobert werden.

Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen

Über 60 Prozent der spanischen Beratungsunternehmen gehören zur SEDISI (Sociedad Espanol para el Desarrollo de las Industrias de Servisios de Informatica), deren Ziel die Förderung des Dienstleistungssektors ist. Rund 150 Unternehmen mit insgesamt 6000 Arbeitnehmern sind im Dienstleistungs- und Beratungsbereich tätig. Der Umsatz betrug im Jahre 1981 rund 18 Milliarden Peseten, was eine Steigerung von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Die gleiche Zuwachsrate wurde mit dem Verkauf von Softwarepaketen erreicht. Die SEDISI ist stolz darauf, Gründungsmitglied der European Computing Services Association zu sein und über diesen Verband ein Mitspracherecht an internationalen Organisationen wie CCITT und CEPT zu besitzen.

Nationaler Informatikplan schlug fehl

Auch die spanischen Behörden erkannten, daß ein so komplexes Gebiet wie Informatik und Datenverarbeitung analysiert und systematisch gefördert werden muß. Der erste ernsthafte Versuch erfolgte im Jahr 1976 durch die Ausarbeitung des Plan Informatico Nacional (PIN). Der Plan wurde von dem inzwischen längst nicht mehr existierenden Entwicklungsplanungsministerium ausgearbeitet und zielte darauf ab, die inländische Produktion auszubauen. Der nachfolgende Wechsel in der politischen Kursrichtung legte dieses Vorhaben erst einmal wieder auf Eis.

1978 unterzeichnete König Juan Carlos I. einen Erlaß, mit dem ein Interministerialausschuß zur Ausarbeitung des Nationalen Informatikplanes ins Leben gerufen wurde. Hauptaufgabe der Kommission war es, die derzeitige Situation des DV-Marktes in Spanien zu analysieren und danach einen ausführlichen Bericht abzugeben. Diesmal glaubten alle DV-Interessierten an ein Zustandekommen des PIN. Allerdings stellte sich nach Ablauf einer Frist von zehn Monaten heraus, daß der Ausschuß lediglich ein paar oberflächliche Betrachtungen vorlegen konnte. Die ganze Aktion war ein gewaltiger Fehlschlag, aber bis zum heutigen Tage wurde deshalb niemand wegen Unfähigkeit zur Rechenschaft gezogen.

Datenübertragungsdienste

Ende des Jahre 1971 entschloß sich die CTNE (Compania Telefonica Nacional de Espana), ein öffentliches Datennetz auf der Basis der Paketvermittlung einzurichten. Derzeit verfügt die RETD (Red Espanola de Transmision de Datos) über sieben Vermittlungszentren: drei in Madrid und je eines in Barcelona, Bilbao, Valencia und Sevilla.

Es gibt 68 000 Anschlüsse für Datenstationen, 21 000 davon sind Telexgeräte. Von den restlichen 47 000 sind 11 500 über RETD angeschlosssen, 35 000 verteilen sich auf Stanleitungen und das Telefonnetz. Im Netz arbeiten auch 42 Compututer, bei denen Zugriffe in Echtzeit oder durch blockweise Übertragung von allen Terminals möglich sind. Ebenso besteht die Möglichkeit einer Kommunikation zwischen den Computern über ein Verfahren mit der Bezeichnung ICA Interkommunikation von Teilnehmerzentren) sowie die Übertragung von Nachrichten zwischen allen Datenstationen der RETD. Den derzeitigen Verkehrsumfang schätzt man auf über elf Milliarden Zeichen im Monat.

Sonderprogramm für Datenbanken

In der Parlamentssitzung im vergangenen Jahr, am 18. Dezember, wurde der vom Industrie- und Energie-Ministerium eingebrachte und von der Elektronik- und Informatik-Generaldirektion ausgearbeitete Antrag für ein "Sonderprogramm für die Einrichtung, die Verteilung und die Verwendung von Datenbanken" gebilligt. Das Programm fordert die öffentliche Verwaltung auf, den Einsatz der Telematik bei Informations und Dokumentations-Aktivitäten zu unterstützen und einen Beitrag zur Nutzung der Datenbankenindustrie" zu leisten.

Dieser Trend wird Konsequenzen für die Ausweitung der Märkte der eigentlichen Informatik-Industrien, für die Weiterentwicklung und -gabe der Technologie der Unternehmen nach sich ziehen.

Das Sonderprogramm sieht 45 Projekte vor, für die in den kommenden vier Jahren eine Summe von 547 Millionen Peseten zur Verfügung steht.

Die wirtschaftliche Verteilung nach Jahren sieht wie folgt aus:

Analog zur CeBIT-Veranstaltung in Hannover und der Sicob in Paris findet in Madrid die Simo, eine internationale Messe für Büromaschinen, statt. Nachdem auf dieser Ausstellung bereits seit Jahren die gesamte Palette der Informatikprodukte vorgestellt wird, lautet ihr neuer Untertitel internationale monografische Mustermesse für Büromaschinen und Informatik". Die Messe wird jedes Jahr in der zweiten Novemberhälfte durchgeführt (19. bis 26. November 1982). Parallel dazu läuft eine Hardware-Show. Als Rahmenprogramm findet die Internationale Informatik-Konferenz statt, zu deren fast zehn Fachveranstaltungen mehr als dreihundert Experten erwartet werden. Im vergangenen Jahr veranstalteten die Spanier in Torremolinos den ersten Iberischen Mikrofilm-Kongreß. Es ist geplant, diese Veranstaltung alle ein bis zwei Jahre zu wiederholen.

In Spanien gibt es die Möglichkeit sich zum Diplominformatiker ausbilden zu lassen. Das Studium dauert fünf Jahre, die Abschlußprüfung wird entweder an der Politechnischen Üniversität Madrid, Barcelona oder an der Universität in Navarra abgenommen. Der Erwerb des Doktortitels erfordert zwei weitere Studienjahre an einer der Universitäten.

Außerdem können DV-Interessierte sich an der Universitätsschule für Informatik in Madrid einschreiben, um dort einen dreijährigen EDV-Kurs zu absolvieren.

*Eugenio S. Ballesteros, Computerworld Espana, Madrid