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03.04.1980

Computer mit Stern und Chip in der Krone

Auf was wartet die Menschheit unter der Frühlingssonne des Schaltjahres 1980 sehnsüchtig und voller Ungeduld? Auf den Boykott des Olympia-Boykotts? Auf die nächste Schwangerschaft der schwedischen Königin? Auf die erste Auslieferung der Strich-Achtunddreißig?

Mitnichten. Sie wartet auf das große Informatikon von Professor Günther Glessen, auf das universale Systemhandbuch, das in der Manier des "Guide Michelin" beziehungsweise des "Varta-Führers" gelayoutet ist und somit dem künftigen Käufer von Computern endlich die Möglichkeit bietet, mit einem kurzen Daumenaufschlag nicht nur schnell herauszufinden, wer überhaupt die benötigte Gerätschaft liefert, sondern auch die wichtigsten Merkmale des einzelnen Angebots sinnlich zu erfassen: durch analphabetische Symbole, wie sie jedermann aus den vorgenannten kulinarischen Reiseführern geläufig sind.

Zwar: Wer im EDV-Geschäft Werbung treibt, weiß aus täglicher Erfahrung, daß tausend anzeigegierige Lexikonmacher seit Jahr und Tag diese leidige Lücke ausfüllen möchten, doch Glessens Manual der Modelle und Module (Arbeitstitel: "Kurzer Weg zum Datenglück") schlägt alles Dagewesene - es ist die absolute Enzyklopädie für den Einkäufer in Sachen Büroautomation!

Hier scheint ein ernstes Wort zu der randständigen Minderheit von Leuten angebracht, die irrerweise immer noch versuchen, die Adresse eines Computerherstellers (oder die Nummer seiner Systemfamilie) ohne Branchen-Brockhaus zu erforschen. Tagelang wühlen sie verzweifelt in den gelben Seiten der Telefonbücher, entdecken zwischen "Kompressor" und "Korrosionsschutz" nichts datentechnisch Relevantes. Selbst wenn sie wüßten, daß man "Computer" mit "C" schreibt, fänden sie an entsprechender Stelle nur einen "Container", der bekanntlich in den seltesten Fällen programmierbar ist. So laufen die lexikonlosen Interessenten ziellos durch die Lande, fragen Taxichauffeure, Polizisten Briefträger und Herrgottsschnitzer, erfahren nichts und siechen unautomatisiert dahin. Der deutschen Volkswirtschaft entstehen auf diese Weise Investitionsausfälle in Milliardenhöhe. - Doch das ist nun vorbei.

Vorbei die Zeit, wo ein EDV-Benutzer einfältig glauben konnte, "IBM" sei das

Autokennzeichen für Ibelriechheim an der Murg, "Honeywell" ein Haarfestiger

und "Nixdorf" eine Bürgerinitiative für die Rücksiedlung in städtische Wohngebiete. Glessens Informatikon klärt alles und bewertet die bildhaft dargestellte Leistung wie ein Küchen-Guru die getrüffelten Wachteln einer elsässischen Nobelgaststätte. So bedeutet ein roter, Chip in schwarzer Krone (hinter dem Herstellernamen): "Firmware in perfekter Ausführung". Ein Stern hinter dem Diskettenzeichen will sagen: "Transaktionsverarbeitung möglich". Zwei gekreuzte Lötkolben über einem stilisierten Hausdach verkünden: "Hardware vor

Ort umrüstbar". Ein Lorbeerkranz vor dem Firmen-Logo: "Bewährtes Unternehmen, übersteht unbeschadet die Preispolitik des Marktführers".

Was der "Kurze Weg zum Datenglück" darüber hinaus an reizvollen Novitäten enthält - wir dürfen es nicht verraten, wiewohl wir's gerne täten.

Doch der Verlag, die EDV-Hochschule Aurich-Oldendorf, erlaubt keine weitere

Vorveröffentlichung. Wozu auch? Der EDV-Fan hat den neuen Angebots-lndex schon so gut wie in der Tasche: Er ist seit 1. April in jeder Bahnhofsbuchhandlung zu haben.