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13.06.1980

Computer Output on Microfilm:\Brücke zwischen EDV und Mikrofilm

Seit rund zehn Jahren werden in der Bundesrepublik COM-Systeme angeboten. Doch nur etwa 1,6 Prozent der Betreiber von groBen EDV-Anlagen geben Daten auch auf Mikrofilm aus. Zu viele EDV- und Organisationsfachleute sehen den Mikrofilm noch immer als zweitrangiges Medium an. Und zu wenige Mikrofilmfachleute betrachten bisher die EDV konsequent als Partner des Mikrofilms. Das soll jetzt anders werden. Neue Entwicklungen wie intelligente COM-Recorder, Onlinefähigkeit, "trockene" Aufnahmeverfahren und computerunterstütztes Retrieval machen COM als Brücke zwischen EDV und Mikrofllm leichter begehbar.

Die COM-Hersteller registrierten auf der letzten Hannover-Messe ein verstärktes Marktinteresse für den Computer Output on Microfilm, obwohl in der CeBIT-Halle innovative Neuheiten fehlten. Diese wurden entweder bereits auf der SYSTEMS ´79 in München gezeigt oder werden für den europäischen Markt noch "in der Hinterhand" gehalten. Doch war in Hannover eine deutliche Tendenz in die Online-Richtung verspürbar, mit dem Einsatz von COM-Recordern als Systemdrucker, aber auch als Ergänzung zum Dialog. Vereinfachtes Handling und bessere Rückgriffsmöglichkeiten (zum Thema computerunterstütztes Retrieval siehe den Beitrag auf Seite 18.) machen COM zu einem Datenträger nicht nur für die Langzeitspeicherung von Massendaten, sondern auch zu einem flexiblen Organisationsmittel für die aktive Bearbeitung von Daten, die bisher auf Papier ausgedruckt wurden. Dazu gehören auch RZ-interne Dinge wie Job Control-Nachrichten, Systemgenerierungen, Compilierungslisten, SYS-LOG und Systemauswertungen für die Kostenverrechnung.

COM als Ergänzung des Dialogs

Manche Insider sehen im starken Vordringen von DV-Online-Anwendungen eine Gefahr für COM, die zur Ablösung dieser Technik führen könnte, bevor der eigentliche Durchbruch erfolgt. EDV-Online-Konzepte werden sicher Einfluß nehmen auf die Einsatzbereiche von COM-Systemen, nicht jedoch auf deren Absatzentwicklung. COM ist als Ergänzung des Dialogs in die Online-Landschaft integrierbar. So ist es denkbar, daß künftig "mittelfristige" Dateien mit mehr statischen Daten, auf die seltener zuzugreifen ist, auf COM ausgegehen werden. Dadurch läßt sich der Microfilm vermehrt in die aktive Bearbeitung von Vorgängen einbeziehen.Dabei können die Dialogmöglichkeiten der EDV für den Rückgriff auf COM-Daten genutzt werden (Fundstellen auf Computerdateien). Aufgrund graphischen Fähigkeiten moderner COM-Systeme lassen sich digitale DV-Datenbestände mit graphischen Darstellungen anreichern. Das ist eine ablauforganisatorisch interessante Möglichkeit, zum Beispiel im Bankenbereich, wo Unterschriften in Computerdaten integrierbar und damit "dialogfähig" gemacht werden können.

Auch sollte die Verwandschaft von COM zum konventionellen Mikrofilm

organisatorisch sinnvoll genutzt werden, denn auch dort sind "aktive´´ Anwendungen auf dem Vormarsch.

Die bisher trotz dieses Vorteilkataloges vorhandenen Vorbehalte der Datenverarbeiter gegen COM basieren zu einem erheblichen Teil auf der seitherigen fotographischen Technologie dieses Outputmediums. Die meisten der bisher verwendeten Filme müssen chemisch entwickelt werden. Im Vergleich zum Bedienungsstandard von DV-Druckern erfordern sie ein geradezu anachronistisches Handling. Operator-Maintenance wie der Chemikalienaustausch, das Warten auf die richtige Temperatur und das Reinigen der Entwicklertanks reduzieren die Verfügbarkeit solcher COM-Anlagen weit unter die sonst in der elektronischen Datenverarbeitung üblichen Werte. Diese Nachteile gehören schlagartig der Vergangenheit an bei sogenannten trockenen COM-Systemen, die vom DV-Operator nicht mehr verlangen, ein verkappter Fotolaborant zu sein und die COM auch rein räumlich den Einzug in das Rechenzentrum ebnen.

Naß oder trocken?

Bisher standen die Recorder meist in der Mikrofilmstelle oder einfach im "Keller". "Trockene" Systeme verwenden zur Datenaufzeichnung nicht mehr den Silberhalogen-Film, sondern einen Film, der ohne Chemikalien entwickelt werden kann. Er enthält zwar auch Silber, aber einen geringeren Anteil dieses inzwischen recht teuer gewordenen Edelmetalls. COM-Rekorder mit trocken zu entwickelnden Filmen bieten bisher Kodak und 3M an, in Kürze wird sich Bell & Howell dazugesellen. Noch abseits steht dagegen Datagraphix, obwohl das Unternehmen 1972 den ersten "trockenen" COM-Recorder ankündigte, das Projekt aber bald "einmottete", da Qualitätsprobleme bei der Brillanz der Zeichendarstellung und in der Archivierungsfähigkeit mit dem damals erhältlichen trockenen Silberfilm als nicht zufriedenstellend lösbar erschienen. Seither wartet man auf den Filmhersteller, der "eines Tages" einen besseren Trockenfilm entwickelt. Gewisse Anzeichen deuten darauf hin, daß auch Datagraphix bald ein "trockenes" COM-System anbieten wird.

Als bisher einziger Hersteller zeichnet Kodak mit Hilfe eines Laserstrahls auf einem trockenen Silberfilm auf (3M ist wieder zur Kathodenstrahlröhrentechnik zurückgekehrt). Beim Laserverfahren wird die Information direkt mittels eines scharf gebündelten Laserstrahls aufgezeichnet. Hier braucht man keine anzuregende Leuchtsubstanz wie in der Kathodenstrahlröhre, noch gibt es damit verbundene Alterungsbedingungen. Im Gegensatz zu Datagraphix hält Kodak sowohl die Aufzeichnungsqualität als auch die Archivqualität für ausreichend. Man hat bereits mehrere Anwendungen realisiert, bei denen der gesetzlichen Archivierungspflicht unterliegende Daten mittels Laserstrahl auf einem trockenen Silberfilm aufgezeichnet werden.

Nach dem heutigen technologischen Stand kann zwischen folgenden Kategorien von COM-Anlagen unterschieden werden, wobei jeweils sowohl ein "nasses" als auch ein "trockenes" Entwicklungsverfahren der Filme denkbar ist:

Offline, nicht intelligent. Die mikrozuverfilmenden DV-Auswertungen werden hier auf Magnetband ausgegeben. Die Datenaufbereitung und die Formatsteuerung erfolgen durch den Zentralrechner, was im Vergleich zur normalen Druckausgabe eine zusätzliche CPU-Belastung mit sich bringt. Das Magnetbandhandling ist zudem zeitaufwendig und umständlich.

Offline, intelligent. Solche COM-Anlagen verfügen über einen eigenen Minicomputer, der die Druckbefehle des Mainframe-Systems emuliert und die Formatsteuerung sowie Indexierung übernimmt. Der Hauptrechner benötigt keine CPU-Zeit und kein zusätzliches Overhead mehr für die Aufbereitung mikroverfilmter Daten. Mit entsprechender Software erübrigen sich Programmänderungen in den Druckausgaberoutinen des Hauptrechners. Einige intelligente Offline-COM-Systeme sind "graphikfähig". Es können graphische Darstellungen in die Computerauswertungen eingeblendet werden. Damit eröffnen sich der graphischen Datenverarbeitung auch auf dem kommerziellen Sektor neue Einsatzmöglichkeiten.

Online, nicht intelligent. Bei dieser Konstellation entfällt das Magnetbandhandling, da das COM-System direkt mit dem Hauptrechner verbunden ist. Nach wie vor muß jedoch der Zentralrechner die Druckdatei für die COM-Verfilmung aufbereiten und die Indexierung vornehmen. Damit ist der Anwender in der COM-Ausgabe von den Verarbeitungszyklen des Großrechners abhängig. Aus wirtschaftlichen und funktionellen Gründen dürften nichtintelligente OnlineCOM-Systeme keine Zukunft haben.

Online, intelligent. Diese Anlagen haben zwar ihren direkten "Draht" zum Großcomputer, sind aber durch ihre eigene Minicomputer-lntelligenz in der Verarbeitung von ihm völlig unabhängig. Die Druckausgabe kann in den Spoolbereich des Hauptrechners erfolgen. Über eine comspezifische Warteschlange ist man in der COM-Ausgabe flexibel. Auch hier ist die graphische Dateneinblendung möglich. Da es auch Anwendungsgebiete gibt, wo der intelligente Offline-Betrieb funktionell sinnvoller und vor allem wirtschaftlicher ist, bieten einige Hersteller (Datagraphix, 3M, Kodak, Agfa-Gevaert und NCR) Systeme an, die umschaltbar sind auf Onlinebeziehungsweise Offline-Betrieb. Nach Ansicht vieler Fachleute gehört onlinefähigen intelligenten COM-Systemen die Zukunft. Sie sind zusammen mit anderen Faktoren wie "trockene" Aufnahmeverfahren und computerunterstützter Rückgriff in der Lage, die Benutzerakzeptanz des DV-Ausgabemediums COM zu erhöhen. Ein Nachteil ist, daß bisher fast alle Hersteller von Online-COM-Recordern nur Schnittstellen für IBM-Systeme realisiert haben. Eine Ausnahme bildet Hell, dessen Geräte ausschließlich für Siemens-Computer geliefert werden.

DV-Manager als Ansprechpartner

Die Kosten-/Nutzenschwelle für ein "Inhaus"-COM-System liegt bei etwa 300 000 monatlichen COM-Ausdrucken. Durch die Preisentwicklung bei Halbleiterelementen, aber auch durch die Entwicklung von Kompaktsystemen (mit integrierter Entwicklungs- und Schneidevorrichtung) dürfte diese Grenze langsam auf etwa 200 000 Seiten/Monat sinken. Wer weniger COM-Ausgaben hat, kann auf die Dienste eines COM-Servicezentrums zurückgreifen.

Fazit: Künftig werden COM-Systeme weitaus problemloser als bisher in die EDV-Landschaft integriert werden. Damit dürfte auch die sogenannte Drei-V-Regel (verfilmen, verstauen, vergessen) der Vergangenheit angehören. Außerdem ist COM dabei, sein Mikrofilm-Image abzubauen. Die Marketingstrategen mancher COM-Hersteller schicken ihre Verkäufer schon nicht mehr zur Mikrofilmstelle sondern empfehlen das DV-Management als Ansprechpartner.

Zum Schluß soll noch kurz zu der Frage Stellung genommen werden, ob die COM-Technologie von der Bildplattenspeichertechnik abgelöst wird. In einer anderen Fachzeitschrift war vom Totengräber des COM die Rede. Es ist zumindestens theoretisch denkbar, daß sich aufgrund der technischen Möglichkeiten dieses Mediums in einigen Bereichen substituierende Einsatzgebiete zum Mikrofilmspeicher ergeben. So lassen sich bei der Bildplatte Bild und Text zu einer Gesamtinformation leicht verbinden und, zumindest modellhaft, die gespeicherten Daten für die Weiterverarbeitung automatisch wieder in den Computer einlesen, wobei als Ausgabemedium wieder eine neue Bildplatte erstellt werden kann. Es zeichnet sich hier jedoch noch kein Verfahren ab, das wirtschaftlich einsetzbar wäre, wie ja auch CIM immer noch auf den Durchbruch wartet. Eine Unternehmensentscheidung an der Bildplattenspeicherung zu orientieren, hieße einen Wechsel auf eine ungewisse Zukunft ziehen. Derzeit jedenfalls ist die Bildplatte noch kein gleichwertiger Ersatz für COM und dürfte es in wirtschaftlich überschaubaren Zeiträumen auch nicht werden.

COM-Vorteile

Die "klassischen" Vorteile des COM-Verfahrens sind:

- Bis zu 20 mal schnellere Datenausgabe gegenüber dem Zeilen-Schnelldrucker. Ein COM-Recorder druckt seitenweise.

- Durch den Wegfall von Papier zirka 90 Prozent Materialkostenersparnis. Die Materialkosten belaufen sich, bezogen auf 10000 und vier "Ausfertigungen" auf rund 38 Mark für Mikrofilm gegenüber 700 Mark für Papier.

- Über 80prozentige Reduzierung der Versandkosten. Ein Beispiel: 225 000 Seiten Papierausdruck erfordern an die 10 000 Mark Porto. Werden Mikrofiches versandt, so reduziert sich der Portoaufwand auf etwa 400 Mark.

- Mikrofilm läßt sich beliebig oft, in immer gleichbleibender Qualität und zu günstigen

Kosten vervielfältigen.

- Umfangreiche Dateien können bequem am Arbeitsplatz zur Verfügung stehen. Wegezeiten und Wartezeiten durch zentralarchiv und Registratur entfallen. Neue Möglichkeiten eröffnen sich durch das CAR-Verfahren, wobei 16mm-Rollfilm anstelle der bisher üblichen Microfiche (105 mm) treten wird.