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07.01.1977

Computer-Periodika: Fachsimpelei mit Pfiff

Wenn ein modisch-dezent gekleideter junger Mann (Karrieretyp, homo samsonite) im Intercity aufmerksam und sichtlich ergötzt eine Zeitschrift konsumiert, muß es sich dabei nicht unbedingt um ein Magazin der gehobenen wirtschaftspolitischen Unterhaltung handeln. Vielleicht liest er, weil beruflich dem Bannkreis der elektronischen Datenverarbeitung zugehörig ein Erzeugnis der EDV-Fachpresse - und das kann recht kurzweilig sein, denn die Periodika dieser Branche unterscheiden sich herzerfrischend von den Gazetten anderer Industriebereiche. Sie sind an der Publikumswirksamkeit von Stil und Aufmachung meist ebenso interessiert wie an der recherchierten Gültigkeit ihrer datentechnischen Aussagen. Weit entfernt von jeglicher Selbstverpflichtung zu literarischer Ödnis, scheinen die Redakteure der Bit- und Bytezeitung zunehmend bestrebt, ihren Lesern ein abwechslungsreiches, kleidsam verpacktes Nachrichtenmenü zu servieren: Da werden Schlagzeilen gemacht, Polemiken provoziert, Tabus gelüftet, Marktführer attackiert und Minderheiten verteidigt. - Wie ist so etwas möglich auf dem offenbar so undramatischen Spielfeld systemtechnischer Zusammenhänge?

Für einen Branchenjournalisten gibt es wohl in keiner Industrie ein ähnlich vielschichtiges Betätigungsfeld wie in der elektronischen Datenverarbeitung. Der Schnittstellencharakter des Computers zwischen Automation und Organisation fordert die pluralistische Besetzung der Redaktionen: Fachreporter unterschiedlicher Provenienz - Ingenieure, Betriebswirte, Software-Experten und "gelernte Journalisten" - teilen sich in die Ressorts.

Hierzulande erscheinen zur Zeit zwei EDV-Blätter in Zeitungsformat (eines wöchentlich, das andere vierzehntäglich, beide mit gedruckten Auflagen von über 20 000 Exemplaren). Mehr als ein Dutzend monatlich herausgegebener Bürozeitschriften (mit Gesamtauflagen bis zu 30 000) widmen einen Teil ihres Inhalts der EDV. Ausschließlich mit der Datentechnik befassen sich praktisch nur drei Monatsmagazine. Eines davon schiebt sich durch die Zusammenlegung mit zwei ähnlichen Objekten ab Januar 1977 weit nach vorn (verkaufte Auflage: 9500). Während die Monatszeitschriften die "Tagespolitik" naturgemäß hintanstellen, dafür aber die Nüchternheit ihrer Systembeschreibungen mit spritzigen Editorials und Glossen auflockern, richten sich die beiden EDV-Zeitungen bewußt nach dem Aktualitätsprinzip ("Heute Knüller, morgen Füller"). Neuankündigungen treffen den Leser mit typographischer Eindringlichkeit, der transatlantische Fachjargon dominiert unbekümmert, die Personalnachrichten werden herausgehoben, denn man kennt sich in der Zunft und möchte wissen, wo die Kollegen abgeblieben sind.

Über Stoffmangel hat kein Branchenschreiber zu klagen - und Pfiff mit Pfeffer fördert die Lesbarkeit vertrackter Fachsimpeleien. So parodierte kürzlich ein Redakteur die überzogene Kongreßmeierei mit 40 Zeilen lautmalerischem "Blabla". So etwas in Edelstahl- oder Pharma-Bulletins: nicht auszudenken! Aber im Computerland ist eben auch die Presse anders als anderswo.

Die CW-Redaktion hat dem eigentlich nichts zuzufügen. "Blabla"-Trauerwein läßt grüßen.