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IHK setzt bei der Ausbildung auf Standard-Anwendungen:


07.02.1986 - 

Computer qualifizieren den Beruf des Kaufmanns

MÜNCHEN (lo) - Die Fachkenntnisse eines Kaufmanns werden durch die neuen Techniken nicht überflüssig. Allerdings müssen gewandelte Ausbildungsinhalte der technischen Entwicklung Rechnung tragen. So seien Anwenderkenntnisse frühzeitig zu vermitteln, war eine - allerdings nicht neue - Erkenntnis auf einer Informationsveranstaltung der bayerischen Industrie- und Handelskammer.

Nach Ansicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern sollten in der Berufsschule nicht nur die Anzahl der Wochenstunden für EDV erhöht sondern auch Grundkenntnisse bereits im ersten Berufsschuljahr vermittelt werden. Bisher, so die IHK, steht der Unterricht mit dem Computer erst im zweiten oder dritten Ausbildungsjahr auf dem Lehrplan. Dies sei ein Zustand, mit dem sich die IHK längst hätte auseinandersetzen müssen, äußert der Bayerische Bildungsherein in München Kritik am "warmen Aufkochen" auf dieser Veranstaltung. Diese Vorgabe weise für den Unterricht hauptsächlich theoretisch ausgerichtete Themen wie "Bit und Byte" oder Rechnen mit Dual- und Hexadezimalzahlen sowie den Programmablaufplan auf. In der Praxis jedoch fehle der Computer im Unterricht der kaufmännischen Lehre. Dagegen biete die IHK - "Kanalisator zu öffentlichen Entscheidern" - selbst seit kurzem im kommerziellen Bereich entsprechende Lehrgänge an.

Bei den Anforderungen an den kaufmännischen Mitarbeiter etwa liegt als Arbeitstechnik "Rechnen" mit 93 Prozent vorn, so Zahlen des Mitveranstalters Siemens AG in München. Kaufleute, die mit dem Werkzeug DV umgehen, benötigen dazu gleichfalls abstraktes und logisches Denkvermögen. Sich neuen Wissensständen anzupassen sowie Teamfähigkeit zu erwerben werde ebenfalls großgeschrieben.

Denn die Bedienung des Rechners im professionellen, dezentral bestimmten Einsatz ist eine Aufgabe für Fachleute mit breitgefächertem Wissen, so die Meinung der Teilnehmer aus kaufmännischen Ausbilderarbeitskreisen der IHK für München und Oberbayern sowie dem Verband der Diplomhandelslehrer Bayern. Auch Siemens-Entscheider im Ausbildungsbereich erkannten die Notwendigkeit, den Umgang mit IBM-kompatibler Anwendersoftware zu vermitteln.

Statistiken verdeutlichten, wie weit Kommunikations- und Informationstechniken bisher in den kaufmännischen Berufsalltag Eingang fanden .

In kaufmännischen Arbeitsbereichen wie der Finanzbuchhaltung verzeichnet das Bundesinstitut für Berufsbildung in Berlin (bib) in einer Querschnittsuntersuchung beim Einsatz von DV einen Anteil von 96 Prozent.

Die Lohn- und Gehaltsbuchhaltung weist einen Wert von 91 Punkten sowie der Sektor Verkauf 67 vom Hundert auf. Spezielle DV-Kenntnisse verteilen sich nach den Ergebnissen aus Berlin mit 76 Prozent auf allgemeine Grundlagen, mit 69 vom Hundert auf die Terminalbedienung und auf die Anwendung von Programmen mit 41 Prozentpunkten. Lediglich fünf Prozent entfallen auf das Programmieren.

Siemens stellte seinen Ist-Stand der kaufmännischen Ausbildung dar. Schwerpunkte bei diesem Modell liegen auf Organisationslehre, Grundlagen der Informationsverarbeitung, Anwendung von PC-Standardsoftware sowie den Grundlagen der technischen Kommunikation. Dazu wählen sowohl die Komponenten der Kommunikationstechnik als auch die Auswirkungen moderner Technik auf kaufmännische Tätigkeiten.

Den Teilnehmern aus kaufmännischen Ausbilderarbeitskreisen der IHK sowie den Diplom-Handelkehrern war für die Konzeption ihres Unterrichts klar: "Wir wollen keine Programmierer ausbilden."

Ebenso sei es falsch, wenn die Schule die Praxisausbildung übernehmen wolle. Dennoch sollten die Jugendlichen im Unterricht praxisorientiert lernen. Ziel sei der Umgang mit der EDV als Hilfsmittel. Hierzu sollten allgemeinbildende Schritte eine "Grundaufschließung" ermöglichen. Geeignet sei etwa ein 40-Stunden-Modul im Lehrplan, auf das die Lehrkräfte allerdings erst vorbereitet werden müßten. Die Schule könne die Faktoren der kaufmännischen Ausbildung mit DV-Kenntnissen verzahnen helfen. Es gelte, klassische Anwendersoftware "handeln" zu können. Dies lasse sich jedoch bisher noch schwer bewerkstelligen: Denn gerade Software-Schulungsprogramme für kaufmännische Aufgabenstellungen wären nicht genügend vorhanden.

Nach der Ausbildung zum Kaufmann bieten sich im Bereich Datenverarbeitung Weiterbildungswege in aussichtsreichen Berufsfeldern an. Dazu rechnet der Leiter der Schule für Datentechnik bei Siemens - "Reparaturwerkstätte des Bildungssystems " -, Hans-Jürgen Twiehaus, besonders den DV-Koordinator. Dieser "Fachkaufmann für DV-Organsation und Datenkommunikation" findet sein Einsatzgebiet in der mittelständischen Wirtschaft. Dort bildet er die Schnittstelle zwischen den kaufmännischen und technischen Unternehmensbereichen.

Auch der Organisationsprogrammierer sehe zukunftssicheren Einsatzmöglichkeiten entgegen.