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30.10.1998 - 

Krisen-Management/Praxisbeispiele aus den USA stimmen wenig optimistisch

Computer und Telekommunikation: Verläßliche Helfer in der Not?

Wenn von Bergrettungseinsätzen berichtet wird, fällt auf, daß die Helfer häufig erwähnen, sie seien per Handy alarmiert worden. Opfer oder Augenzeugen von Unfällen haben sie über ihre Mobiltelefone angerufen. Mobile Telekommunikationstechnik unterstreicht die Bedeutung der Information in Notfällen aller Art.

Es gibt zahllose Rettungs- und Hilfsorganisationen, und sie sind mit guter bis sehr guter IuK-Technik ausgestattet. In allen Planspielen funktioniert ihr Zusammenwirken sehr gut. Doch ob das auch im Ernstfall so wäre, ist ungewiß. So absolvierte im letzten Jahr das "Emergency Information Network" in den USA eine Übung derartig wunderbar, daß sich auch die gläubigsten Medien fragten, wieso die Realität ganz anders aussehe.

Die Warnungen vor einem Hurrikan kommen beispielsweise sehr schnell, das dahinter stehende Netz ist gut. Die Evakuierung funktioniert noch einigermaßen. Aber inmitten der Zerstörungen nach dem Sturm kommt Hilfe nur langsam und chaotisch in Gang. Denn die Hilfssysteme hängen von einer Infrastruktur ab, die oft genug selbst zerstört ist.

Als der Hurrikan "Marilyn" im September 1995 die Virgin Islands traf, konnte die US-Armee vorher gerade noch ein PC-basiertes Krisen-Management-System aufsetzen, das zur Kommunikation Satelliten verwendet. In den ersten 24 Stunden nach dem Sturm funktionierten auf den Inseln keine normalen Telefonverbindungen. Alles lief über das Armeesystem, aber das hatte nicht genug Übertragungskanäle zur Verfügung.

"Bis heute ist Krisen-Management größtenteils Handarbeit", sagt Vinton Cerf, Vice-President von MCI Communications und Verfasser eines Krisenreports. Den Computern und Kommunikationssystemen der zahllosen zuständigen Behörden und Hilfsgruppen von bundesweiter bis zur lokalen Ebene fehle Interoperabilität. "Der Polizist kann nicht mit dem Feuerwehrmann sprechen und der nicht mit dem Piloten des Rettungshelikopters."

Retter können Hilfe nicht koordinieren

"Überall findet man Disparitäten", erklärt Cerf. Als 1993 eine Bombe im New Yorker World Trade Center explodierte, fiel im ganzen Gebäude der Strom aus. Acht Organisationen für Notfälle gab es in dem Gebäude, aber keine einzige konnten die Rettungsleitstellen von außerhalb erreichen.

Eine der Lehren bestand darin, 1995 den Government Emergency Telecommunications Service zu gründen. Dessen Hilfsmannschaften haben das Recht, spezielle reservierte Telefonverbindungen zu benutzen, wenn - wie immer im Fall von Katastrophen - die öffentlichen Leitungen überlastet sind. Doch beim Bombenattentat von Oklahoma City entdeckte man, daß die Helfer solche Exklusivrechte auch für drahtlose Telefonverbindungen gebraucht hätten. Derlei gibt es bis heute nicht.

Nachdem der Hurrikan "Andrew" im August 1992 über Florida gefegt war, blieb dem amerikanischen Roten Kreuz nur noch ein - damals experimentelles - drahtloses System aus IBM-Notebooks mit Radiomodems. Und wo normale Übertragungsstrecken noch funktionierten, war es nicht viel besser. Der betroffene Bezirk Dade war sich nicht sicher, ob und unter welchen Bedingungen er seine Datenbanken der Federal Emergency Management Agency (Fema) öffnen dürfe. Die Fema mußte tatsächlich für die Daten bezahlen.

Die IuK-Infrastrukturen sind äußerst brüchig

In diesem Fall konnte die Fema noch von Glück reden, des öfteren bleiben ihr keine anderen Kommunikationsverbindungen als Telefone zur Koordination von Dutzenden Hilfs- und Rettungsdiensten. "Die Kompatibilität von deren Systemen mit unseren variiert beträchtlich", formuliert es Fema-Direktor Bruce Boughman vorsichtig. Zum Beispiel gebe es Probleme im Datentransfer mit Behörden in Kalifornien, weil die grundsätzlich nur Apple-Systeme verwenden.

Die Fema wendet derzeit im Rahmen eines Fünf-Jahres-Programms 67 Millionen Dollar auf, um ihre aus den 80er Jahren stammenden DV-Systeme durch flexiblere zu ersetzen. Doch selbst innerhalb der Hilfsorganisationen fehlt es an Kompatibilität. So hat das US-amerikanische Rote Kreuz kein von lokaler bis auf Bundesebene durchgängiges IT-System.

"Die Kommunikations-Infrastruktur ist viel brüchiger, als den Leuten lieb sein dürfte", erklärt Krisen-Manager Cerf. "Und die Lage wird noch komplizierter, wenn man versuchen muß, ein neues System aus dem zusammenzuflicken, was nach einer Katastrophe übriggeblieben ist." Er vermißt Prozeduren und Protokolle, die es möglich machen könnten, daß sich die noch funktionierenden Systeme "selbständig entdecken und zu einem Kommunikationsnetz zusammenschließen".

Cerf setzt große Hoffnungen in das Mobile Internet Protocol. Eine andere Möglichkeit könnte das Internet sein. Schließlich entstand es einmal, um Datenverbindungen auch bei Auswahl verschiedener Schaltknoten aufrechtzuerhalten. Heute heißt der Ansatz "Extreme Information Infrastructure" (XII). Diese soll im Internet und mit Web-Technologie in einem geschützten Subnetzwerk arbeiten.

Weit weniger als einige IT-Spezialisten glaubt Bob Canfield, oberster Katastrophenschützer in Los Angeles, an die Technik: "Wir wollen uns Technologie zunutze machen. Aber aus der Praxis weiß ich, daß die Technik immer dann ausfällt, wenn man sie am meisten braucht.

Katastrophen

Probleme

-Gestörte Telefonkabel,-überlastete Übertragungskanäle (auch im Mobilbereich),-unbekannte Radiofrequenzen der Hilfsorganisationen,-begrenzter Zugang zu entfernten Informationssystemen,-unzureichende Informationsflüsse zwischen Organisationen,-schlechte Verbindungen zwischen lokalen und regionalen Stäben,-Verzögerungen beim Wiederaufbau der Kommunikationseinrichtungen.

Lösungen

-Selbstkonfigurierende drahtlose Datennetze, Netze, die automatisch Schäden und Änderungen erkennen,-Tools zur Integration von Daten aus unerwarteten Quellen (PC-Anwender),-separate, aber zugängliche "Metacomputer" zur Modellierung und Simulation von Situationen,-Multimedia-fähige Systeme,-ein Netz dezentraler Krisen-Leitstäbe, stärkere und flexiblere geografische Informationssysteme (GIS).