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30.09.1988 - 

Im America's Cup halfen Computer dem Herausforderer auch nicht weiter:

Computer-Yacht verliert gegen Katamaran

30.09.1988

SAN DIEGO (IDG/CW) - Computer sollten bei der 27. Auflage des America's Cup den beiden Konkurrenten entscheidende Vorteile sichern. Doch der "Zweikampf" geriet zur Farce. Der amerikanische Skipper Dennis Conner segelte mit seinem Katamaran "Stars and Stripes" der "New Zealand" davon und hätte das ungleiche Duell auch ohne Bordcomputer gewonnen.

Tief saß der Stachel der Niederlage bei den Neuseeländern, die sie im vergangenen Jahr beim America's Cup im Halbfinale gegen die USA einstecken mußten. Die Schmach ließ den neuseeländischen Millionär Michael Fay nicht ruhen. Er scheute keine Kosten und ließ von dem Schiffskonstrukteur Bruce Farr nach allen Regeln der CAD- und Schiffsbaukunst auf einem HP-9000/330-Rechner das schnellste Einrumpfboot der Welt entwickeln. Resultat war die "New Zealand". Von Bug bis Heck computergestylt, 40 Meter lang, 46 Meter hoch, Segelfläche 5486 Quadratmeter, 30 Tonnen schwer und neun Millionen Dollar teuer.

Doch damit noch nicht genug. Auch an Board überließen die Neuseeländer nichts dem Zufall: Sie installierten drei Computersysteme, um laufend mit den aktuellsten Daten versorgt zu sein. Ausgangspunkt des ersten Systems war eine an der Mastspitze montierte Videokamera. Sie behielt den Segelstand im Auge und gab dreimal pro Sekunde die Abweichungen an einen HP-Vectra-PC mit Tandon AD-PAC Winchester Subsystem weiter. In Echtzeit analysierte ein angeschlossener HP-RS-20-Megahertz-Rechner die Werte und trimmte die Segel nach.

Das zweite Bordsystem - ebenfalls HP/Tandon-Hardware - überwachte die Belastung des Schiffskörpers, der Masten und des Tauwerks. Zu diesem Zweck war die "New Zealand" eigens mit rund zwölf Kilometer Kabel und 100 Meßgeräten vernetzt worden. Das dritte System schließlich, bestehend aus den Rechnern HP Vectra und HP-9000/330, sammelte alle Daten, speicherte sie und zeigte sie dem Skipper David Barnes und seiner 50-Mann-Crew an.

Zusätzlich hatten die "Kiwis" noch an Land ein Computerzentrum eingerichtet, um auf einer HP-9000/350 alle Regattadaten auszuwerten. Von Mast bis Kiel auf Computer eingestellt, so war sich das Syndikat Fay's sicher, wäre kein amerikanisches Kraut gegen die "New Zealand" gewachsen. Hatten die Neuseeländer doch zuvor die Statuten des America's Cup auf den Kopf gestellt und vor einem amerikanischen Gericht sowohl die Maße ihres Schiffes als auch den vorgezogenen Renntermin durchgesetzt. Bisher fand der America's Cup im vierjährigen Turnus statt, und startberechtigt waren nur 12-Quadratmeter-Yachten mit rund 18 Meter Länge.

Doch die Amerikaner schlugen den siegessicheren Neuseeländern ein Schnippchen. Sie schlüpften ihrerseits durch eine Lücke im Reglement. Innerhalb kürzester Zeit stampften sie mit Hilfe der Flugzeugindustrie den nur drei Tonnen schweren High-Tech-Katamaran "Stars and Stripes" aus dem Boden.

Die Techniker des US-Teams wollten auf Computer ebenfalls nicht verzichten. Sie bauten verteilt über den Katamaran 50 Sensoren ein. Die erfaßten Meßwerte über Windrichtung, Boots- und Windgeschwindigkeit sowie Materialbelastung liefen über Interface-Boxen in einer RS232-Einheit zusammen. Über ein Modem wurden die Daten in Signale umgewandelt und an Land gefunkt. Eine Microvax II sammelte die Informationen, die anschließend auf einer Microvax 3500 von DEC analysiert wurden.

Doch all der technische Aufwand besaß bei diesem America's Cup nur "statistischen Wert". Er war für den Sieg von Dennis Connor und seiner fünf Mann starken Crew nicht ausschlaggebend. Denn es kam wie es kommen mußte. Die "New Zealand" besaß gegen die "Stars and Stripes" nicht den Hauch einer Siegeschance. Und so endet dieser unsportliche America's Cup dort wo er begonnen hat - vor dem Supreme Court in New York. Verlierer Fay hat gegen Connors Sieg Klage erhoben.