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31.07.1998 - 

Konzipieren und Kommunizieren

Computerfrauen stehen in den Startlöchern

Informationstechnik und Multimedia eröffnen Frauen gute Berufschancen. In diesem Markt ist Platz für kreative Köpfe, Seiteneinsteiger und Spezialisten, die sich auf bestimmte Nischen konzentrieren. Alles Voraussetzungen, die es Frauen leichter als in traditionsgeprägten Berufen machen, sich zu etablieren.

Gabriele Rittinghaus und Gerrit Huy gehören zu denen, die sich in der DV-Branche einen Namen gemacht haben. Als Geschäftsführerinnen der Computer Associates GmbH (CA) beziehungsweise Compaq GmbH tragen sie jeweils die Verantwortung für einige hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland.

Rittingshaus kam durch verschiedene Jobs neben und nach dem Studium in die Software-Industrie und fand Gefallen an dieser Branche "voller Tempo und Visionen", erzählt sie begeistert. Daß ihr nach zehnjähriger Mitarbeit im Unternehmen bereits die Geschäftsführung anvertraut wurde, ist vielleicht charakteristisch für eine amerikanische Firma. Das gleiche gilt auch für Compaq, die mit Huy auf eine Quereinsteigerin setzte. Bis zu ihrer Ernennung als deutsche Compaq-Chefin war sie in der Branche unbekannt. Sie kam aus dem Daimler-Konzern, arbeitete zunächst als Entwicklerin und war zum Schluß für das Telekommunikationsgeschäft bei Debis zuständig.

CA versucht Familie und Beruf vereinbar zu machen. So schuf das Management in den USA einen der familienfreundlichsten Betriebe in den Vereinigten Staaten. Ein betriebseigener Montessori-Kindergarten zum Beispiel betreut rund 200 Kinder im Headquarter. 1999 wird in der Nähe von London eine Europazentrale in Betrieb genommen - ebenfalls mit Kinderbetreuung. Die Erkenntnis dahinter: Es ist profitabel, die Fähigkeiten von Frauen, denen die Kindererziehung in der Regel obliegt, auch im Unternehmen zu nutzen.

Zwei DV-Frauen, die sich ebenfalls einen Namen gemacht haben, aber vielleicht an nicht so exponierter Stelle agieren, sind Helga Dickel und Carolina Brauckmann, die in Köln das Informa- tionsbüro "die media" betreiben. Die beiden haben sich zum Ziel gesetzt, Frauen auf digitalem Weg zu informieren und fortzubilden. In diesem Zusammenhang haben sie mit "Frauennetze" die erste CD-ROM mit vor allem für Frauen interessanten Adressen auf den Markt gebracht, mittlerweile in zweiter Auflage.

Zu kämpfen haben sie allerdings mit den Vorbehalten ihrer potentiellen Kundinnen, die sich nur langsam an den Gebrauch elektronischer Medien heranwagen. "Die Akzeptanz gegenüber digitalen Informationsträgern ist im letzten Jahr aber deutlich gewachsen", bilanziert Dickel.

Zu finden sind auf der CD-ROM Adressen von Unternehmerinnen, Freiberuflerinnen, regionale, bundesweite und internationale Organisationen, Dach- und Berufsverbände, Projekte, Beratungsstellen, Frauenbeauftragte in Politik und Forschung, Koordinationsstellen, Kultur- und Forschungszentren, Expertinnen-Netzwerke sowie Einrichtungen zur beruflichen Weiterbildung. Viele dieser Personen und Institutionen sind ausführlich beschrieben.

Die beiden Teilhaberinnen, die ihre beruflichen Wurzeln im DV- und Dokumentationsbereich haben, wickeln selbst Rechercheaufträge ab, übernehmen Schulungen zur "Einführung und Nutzung von Internet und Mailbox-Netzen" und halten Vorträge zu Themen wie "Frauen und Online-Kommunikation".

Antares Reisky ist Programmiererin in Bielefeld und arbeitet seit zehn Jahren erst als Freelancerin, inzwischen als Chefin der Virtual Art GmbH http://www.virtualart.de selbständig. Zu ihren Kunden gehören Firmen wie der Autokonzern Daimler-Benz und der Deutsche Bundestag, für den sie die CD-ROM "Beruf Abgeordneter" für die Zielgruppen Schüler und interessierte Bürger konzipierte.

Vorrangig auf den 3D-Bereich spezialisiert, entwickelte die Kommunikationstechnikerin in Eigenregie auch ein Tool für die Möbel- und Teppichbodenindustrie. Mit seiner Hilfe lassen sich Einrichtungsgegenstände im Internet aussuchen. Die Anwender stellen sich eine "Bibliothek" an Möbeln, Kücheneinrichtungen, Textilien und Tapeten zusammen, gehen aus dem Netz und spielen am eignen Bildschirm durch, wie ihre Wohnung einmal aussehen wird. Hat man sich entschieden, kann man sich entweder wieder ins Netz einwählen, um online zu bestellen, oder aber man fährt mit der Bestelliste zum nächsten Händler, um die gewählten Produkte vor Ort zu testen. "Für Möbelhäuser, die bereits im Internet präsent sind, ist die 3D-Darstellung ein attraktiver Service", ist sich Reisky sicher.

Laut einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation ILO sind derzeit nur zwei bis drei Prozent der Führungsjobs mit Frauen besetzt. "Vielleicht können sich deshalb manche Auftraggeber nicht so schnell daran gewöhnen, daß ich für die Entscheidungen zuständig bin und nicht für das Design", lacht Reisky.

Junge Unternehmen und flache Hierarchien bieten gerade in der IT Frauen Möglichkeiten, eine berufliche Karriere zu starten. Das meint auch Renate Wielpütz, Mitbegründerin und Leiterin des Frauen Computer Zentrums in Berlin, das sie 1984 nach Erfahrungen mit Frauenförderung in den USA ins Leben rief. "Arbeitgeber bestätigen uns, daß die Frauen, die wir ihnen vermitteln, sich ausgesprochen gut bewähren. Vor allem die Teamfähigkeit wird immer wieder hervorgehoben."

Denn um zum Beispiel eine CD-ROM zu produzieren, bedarf es einzelner Spezialisten, die gemeinsam das Produkt erstellen. Ist Zusammenarbeit gefragt, sind Frauen oft professioneller als ihre männlichen Kollegen. Sie denken vernetzt, arbeiten gern unabhängig von Hierarchien und besitzen die richtige Mischung zwischen konzeptionellen und kommunikativen Fähigkeiten.

Frauennetze im Internet

Auch im Internet entstehen zunehmend Strukturen, in denen sich Frauen vernetzen.

WITEC Women in Technology in the European Community

Hier finden sich Informationen speziell für Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen

http://www.shu.ae.uk/witec

WOMAN - Women Only Mail And News - Das Netz der Frauen-Mailboxen präsentiert auf seiner Web-Seite eine Vielzahl von Fraueninitiativen und -vereinen.

http://www.woman.de

Koordinierungstelle Frauen geben Technik neue Impulse

Das bundesweite Dach über Projekten und Vorhaben im Bereich Frauen und Technik

http://www.lovclacc. fh-bielefeld.de

Internet-Kurse für Frauen

Internet-Kurse für Frauen müssen sich stärker auf Inhalte konzentrieren.

Derzeit buchen die meisten Interessentinnen Einführungsseminare, Kurse für Fortgeschrittene werden seltener nachgefragt, was sich auch im Angebot niederschlägt. Nur 19 Prozent aller Veranstaltungen sind Aufbauseminare, davon lediglich fünf Prozent mit dem Schwerpunkt Datenbanknutzung und Online-Recherche. Rund 13 Prozent aller Seminarangebote befassen sich mit HTML, Java und Multimedia. Um Frauen im Internet-Bereich zu qualifizieren, müssen künftig neben dem notwendigen Basiswissen verstärkt auch Spezialkenntnisse vermittelt werden.

Dies ergab eine Studie des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF), mit der bundesweit das aktuelle Internet-Weiterbildungsangebot für Frauen unter die Lupe genommen wurde. Ziel der Erhebung war es, aus den Erfahrungen der bisherigen Anbieterinnen und Anbieter erste Anforderungsprofile für die weitere Qualifizierung in der Internet- und Datenbanknutzung herauszuarbeiten. Untersucht wurden bundesweit 341 Veranstaltungsnachweise von 182 Anbietern. Die Studienergebnisse sind unter http://www.diemedia.de nachzulesen.

Erny Hildebrand ist freier Journalist in Düsseldorf.