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22.05.1981

Computergesteuerte Machtzentren mit unliebsamen Folgen:\Gewerkschaft warnt vor unkontrollierbarer DV

MAINZ/MÜNCHEN (gr) - Das Vertrauen in die computergesteuerten Machtzentren von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft könnte für die Menschheit tödliche Folgen haben. Auf der Tagung "Neue Techniken - Soziale Herausforderung für die 80er Jahre" macht DGB-Landesvorsitzender Julius Lehlbach auf die Entdemokratisierungstendenzen des Computers aufmerksam.

Ohne die Möglichkeit zur Nachprüfung muß der Rentner seinem elektronisch verarbeiteten Rentenbescheid Glauben schenken. Die Einflußmöglichkeiten der Menschen reduzieren sich nach Ansicht Lehlbachs durch die Ausbreitung der EDV. Statt die Demokratisierung der Wirtschaft zu fördern entstehe der Eindruck, daß der Rechnereinsatz die Mitbestimmungsmöglichkeiten der Beschäftigten im Betrieb vermindert.

Die Technik selbst, auf die alle auftretenden Probleme zurückgeführt würden, immunisiere sich gegen eine kritische Überprüfung. "So gesehen", folgert Lehlbach, "können bestehende Herrschaftsverhältnisse scheinbar rational, weil durch die Technik vorgegeben, zementiert beziehungsweise sogar bestehende Mitwirkungschancen wieder abgebaut werden."

Lehlbach wies außerdem auf die sozialen Risiken hin, die mit der Datenverarbeitung auf die Arbeitnehmer zukommen. Der technische Wandel reduziere das Arbeitsplatzangebot. Die neuen Formen, den Menschen zu beanspruchen, könnten zu einer Unterforderung der menschlichen Arbeitskraft führen sowie Fähigkeiten polarisieren und Abstufungen als Folge niederqualifizierter Arbeiten herbeiführen.

Die Landesangestelltenkonferenz des DBG in Bayern forderte Verträge, die für Arbeiten an Datensichtgeräten und Textautomaten mit den Arbeitgebern abzuschließen wären. Bei stündlichen Erholungszeiten solle die Arbeit am Bildschirm auf vier Stunden begrenzt werden. Gefordert wurde weiter die Einrichtung von Mischarbeitsplätzen wie der Abbau monotoner Tätigkeiten. Nach Ansicht des DBG führen die inhumanen Folgen der Rationalisierung, der Leistungsdruck und der drohende Verlust des Arbeitsplatzes zu einer größeren Aufgeschlossenheit der Angestellten gegenüber den Gewerkschaften.

Mitgestaltung betrieblicher Organisationsprogramme forderte Sepp Golbach, Leiter der Abteilung Angestellte im DGB bei einer Landeskonferenz in Augsburg. Unter Umständen könne damit verhindert werden, daß der übermäßige Verschleiß der Arbeitnehmer vorprogrammiert sei.

Um sicherzustellen, daß die Beschäftigten nicht unter den Druck der von der Unternehmensleitung gesammelten Daten gesetzt werden, verlange die Gewerkschaft als gesetzlicher Vertreter der Beschäftigten auch Zugang zum gespeicherten Datenmaterial.